Traumnacht: Raum-Zeit-Löcher

Traumnacht Nachtträume

Gestern war ich von morgens an den ganzen Tag bis zum späten Abend unterwegs gewesen. Verhungert und müde kam ich zu Hause an und legte mich ins Bett. Es muss ungefähr 20 Uhr gewesen sein. Ich dachte mir, ein, zwei Stunden Schlaf täten meinem Körper ganz gut. Als ich wieder erwachte und auf den Wecker blickte, war es zu meinem Erstaunen bereits 1:30 Uhr. Ich hatte glatt fünfeinhalb Stunden durchgeschlafen. Nun denn, dies waren doch streng genommen die besten Voraussetzungen für eine spontane Schlafunterbrechung! Also stand ich erst einmal auf, trank eine riesige Tasse griechischen Bergtee, beantwortete einige E-Mails und um 4 Uhr ging es dann wieder Richtung Bett.

Es dauerte eine lange Zeit, bis ich mich entspannen konnte, da ich durch den langen Vorschlaf eigentlich viel zu wach war. Durch meine immer sich wiederholenden und neu beginnenden Konzentrationsversuche pochte mir irgendwann die Zirbeldrüse nahezu im Rhythmus des Pulsschlages. Ich brauchte knapp eine Stunde, bis die Schwingungen einsetzten und ich mich von meinem Körper lösen konnte. Ich spürte, dass es gleich Probleme gab. Ich blieb an den Fußknöcheln und auch in der Brustregion stecken und kam nur sehr schwer aus meinem physischen Körper heraus.

Die Schwingungen zur Phasenverschiebung waren teilweise so stark, dass ich glaube, sie reißen mich gleich in Stücke. Selten hatte ich sie so stark empfunden. Daher ging ich davon aus, dass heute Nacht mal wieder einer jener Nächte zu sein schien, in der die atmosphärischen Bedingungen eher ungünstig waren. Zwar schaffte ich es, mich von meinem Körper zu lösen, aber ich kam nicht sonderlich weit. Bereits nachdem ich mich nur wenige Meter weit von meinem Bett entfernt hatte, spürte ich plötzlich irgendwas, das sich auf meinen Rücken setzte und mich in die Position eines Hundes herunterdrückte. Es wirkte wie ein Kind, das auf mir reiten wollte… irgendwie fühlte ich mich dann auch wie ein Kind. Scheinbar fand hier bereits eine Verschiebung in einen anderen Zeitrahmen statt, aber Sekunden später war ich dann schon wieder in meinem physischen Körper. Offensichtlich sollte heute das außerkörperliche Reisen einmal ausfallen. Damit hatte ich jetzt kein Problem und entschied mich, ins luzide Träumen zu wechseln…

Doch auch hier gab es anfangs einige Probleme. Der Realitätenwechsel baute sich nur schwerlich auf. Ich erkannte dann kurz Personen in meiner Umgebung, erblickte einige Wände und Räume, die aber sofort wieder in sich zusammenbrachen und ich mich im Void wiederfand. Nach ungefähr 15 Minuten ging es dann endlich los… Plötzlich saß ich in einem kleinen Ein-Mann-Raumschiff und raste mit einer unglaublichen Geschwindigkeit ungefähr hundert Meter über den Boden über ein wahnsinnig wunderschönes Tal! Es war ein atemberaubender Anblick von grünen, saftigen hellgrünen Wiesen, moosbedeckten Bäumen, bunten, schillernden Blumen und vielen unbekannten Gewächsen, wie ich sie noch nie in meinem Leben gesehen hatte! Diese unfassbare Schönheit der hier vorhandenen Natur war einfach unglaublich und ich genoss jede Sekunde. Das kleine Raumschiff schoss nun über Wälder und sobald ein Hügel auftauchte, passte es sich automatisch der Höhe an, um sie konstant zum Boden zu halten. Es schien irgendwie vorprogrammiert zu sein mit einer Art Laserstrahl, der ständig den Abstand zum Boden maß.

Wenige Sekunden später war diese wundervolle und bezaubernde Szene auch leider wieder beendet und ich stand ohne jede Ankündigung in einem mir fremden Haus. Ich nahm meine Hände hoch und hielt mir die Handflächen vor Augen, um meinen Fokus zu stabilisieren. Als mir dies gelungen war, schaute ich mich um. Rein vom Gefühl her befand ich mich in einer Art Studentenwohnheim. Nun entdeckte ich mir gegenüber eine Frau. Sie lächelte mich zur Begrüßung an:

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“Da bist du ja. Schau hier!”, sagte sie zu mir ohne jede Umschweife.

Wir saßen beide auf dem Boden und gleichzeitig auf bequemen Kissen an einem sehr niedrigen (japanischen?) Tisch. Das Zimmer wirkte wie das einer klassischen Studentenbude. Unaufgeräumt, das Bett ist ein Matratzenlager und viele andere Gegenstände, die nirgendwo sonst untergebracht werden konnten, lagen herum. Auf dem Tisch erkannte ich einige Fotos, es waren vielleicht acht bis zehn Stück, die sie ausgebreitet hatte und gerade in einer bestimmten Reihenfolge zu sortieren versuchte.

“Ja… so ist es richtig. Du musst dir das hier genau einprägen. Jedes dieser Fotos zeigt dir eine Realität, durch die du dich bewegen wirst und gleichzeitig sind das auch die Ports.”

“Die was?”, fragte ich nach, da ich das letzte Wort nicht verstanden hatte.

“Die  P o r t s.”

Der Begriff wirkte wie eine Abkürzung oder dergleichen. Ich versuchte sie telepathisch anzuzapfen, da ich das Wort in seiner Bedeutung immer noch nicht erfasst hatte:

“Du meinst so was wie Raumzeitlöcher, oder?”, meinte ich erspürt zu haben.

Sie wiegte mit dem Kopf hin und her.

“Ja, so ungefähr, aber das trifft es nicht. Ports ist besser”, entgegnete sie knapp und sprach weiter, als wollte sie keine Zeit verlieren. “Pass nun auf! Jedes dieser Fotos zeigt einen Ausschnitt aus jeweils einer deiner Realitäten aus denen du bestehst. Zur gleichen Zeit zeigen sie auch genau den zukünftigen Moment in deiner Realität an, wie er bald auftauchen wird und in dem sich ein Port öffnen wird. Sobald sich hier der auf dem ersten Foto öffnet, musst du ihn nutzen, um in die zweiten zu gelangen. So geht es immer weiter, bis du alle Ports durchschritten hast. Danach wirst du angekommen sein.”

“Angekommen? Wo denn?”

Sie holte tief Luft, als müsste sie etwas wiederholen, was ich jedoch noch nie zuvor gehört hatte:

“Na, die Spinne von Yarnak zu finden.”

“Wie bitte?”

“Du musst sie finden. Das ist deine Queste.”

“Okay”, entgegnete ich halb im Scherz. “Dann werde ich mich doch gleich auf den Weg machen…”

Dem ungläubigen Blick zufolge war sie nicht ganz überzeugt von meiner Aussage, aber ich schaute mir die Fotos trotzdem an. Auf dem ersten Foto erkannte ich eine Art Schaukel und ein Bett und auf dem zweiten einen Ritter mit einer schwarzen Rüstung. Ich dachte noch, wer läuft denn schon mit so einer Rüstung herum? Das konnte ich mir nun in dem Moment überhaupt nicht vorstellen. Auf dem nächsten Foto sah ich eine Frau, die ich mal vor langer Zeit das letzte Mal gesehen hatte und auf dem letzten erkannte ich tatsächlich eine Spinne, wie sie gerade um eine Wand herumkrabbelte. Leider kann ich mich an die anderen Fotos nicht mehr erinnern.

Ich schaute zu ihr hoch, doch sie war plötzlich verschwunden.

“Wie geschickt!”, dachte ich. “Das macht natürlich Eindruck.”

Dann verließ ich den Raum und wollte mir das Wohnheim oder was immer es war, einmal genauer ansehen. Dabei lief ich dann durch eine Tür, die mich in den Hausflur mit den Treppen brachte. Ich überlegte, wo ich hingehen sollte und entschied mich dafür, die Stufen nach oben zu nehmen. So lief ich immer höher und oben angekommen, unter dem Dach, erblickte ich eine Stahltür.

“Wenn die nicht auf ist, dann mach ich sie auf!”, dachte ich, aber sie war geöffnet.

Innen fand ich einen Raum vor, der sehr klein war. Vielleicht 8 qm besaß er und in der Mitte stand eine sehr seltsame Leiter. Sie war aus Stahl oder Blech geformt und viereckig mit roten Griffen daran sowie einigen Streben. Beherzt nahm ich den ersten Griff in die Hand und kletterte die Leiter hinauf. Es ging immer höher und höher, sicherlich an die 20 Meter und als ich oben ankam, erkannte ich eine Art Schaukel. Ich setzte mich dann auf die Schaukel, die daraufhin nach vorne kippte und mich auf einer großen Matratze auskippte. Ich musste laut lachen, weil das Prinzip so einfach und genial, aber gleichzeitig auch irgendwie umständlich lächerlich war. Es schien mir so, als wollte jemand die Möglichkeit, in den höheren Raum zu gelangen, erschweren. Nachdem ich auf die große Matratze gefallen war, stand ich plötzlich in einem halbdunklen Flur. Was war geschehen? Warum plötzlich diese Realitätsverschiebung? Ging es nicht darum, den Raum im Obergeschoss zu finden? Warum war ich nun wieder irgendwo anders in diesem Gebäude? Oder hatte ich etwa einen dieser Ports erfolgreich durchschritten?

Jedenfalls stand ich nun in diesem Flur und beobachtete im gegenüberliegenden Raum, der sehr große Glasfenster besaß und ich deshalb hineinschauen konnte, einen sehr hageren Studenten mit einer silbernen Nickelbrille. Er schien auf etwas zu warten oder er schaute sich dort nur um. Irgendwie sah er schon aus wie ein Student, aber irgendwas stimmte nicht mit ihm. Ich konnte nicht sagen, was es war, aber sein Verhalten wirkte auf mich irgendwie auffällig. Dann kamen plötzlich sechs Männer aus einer Tür in dem langen Flur gerannt und stürmten in den verglasten Raum. Die Männer trugen Schwerter mit sich und schienen sich mit Polstern ausgestattet zu haben, damit sie nicht so leicht zu verletzen waren.

Daraufhin folgte eine wüste Schlägerei und ein lauter Kampf in dem Raum. Ich sah, wie einer von ihnen durch die Gegend flog und dann an die Scheibe knallte, bis er bewusstlos zu Boden rutschte. Ein anderer fiel polternd gegen die Tür. Es war nicht eine Minute vergangen, als die sechs Männer am Boden lagen, der schmächtige Student nicht einmal seine Nickelbrille zurechtrücken musste und immer noch unberührt im Raum stand.

Das wollte ich mir näher ansehen! Wie konnte es dieser Hänfling schaffen, diese sechs Männer in dieser kurzen Zeit zu besiegen? Also ging ich in den Raum hinein. Nun standen er und ich sich gegenüber und musterten uns misstrauisch.

“Wer bist du?”, fragte ich.

“Niemand. Ich wurde von den Männern angegriffen und ich weiß nicht warum.”

Ich glaubte ihm nicht! Ich wusste, dass er log! Es gab für dieses Spektakel nur eine einzige Erklärung: Er war ein Träumer! Genauso wie ich! Niemand sonst hätte es geschafft, diese bewaffneten und geschützten Männer als einzelne Person zu besiegen.

“Du bist ein Träumer, stimmt’s?”, fragte ich gerade heraus.

Er antwortete nicht und schaute zur Seite. Er wirkte kurz so, als wollte er mich angreifen, aber er war unsicher.

In dem Moment, in welchem ich ihn das gefragt hatte, verstand ich, warum er nicht antwortete. Wie oft hatte ich es selbst erlebt, dass ich in einem Traum war und als die Bewohner der dortigen Realität plötzlich merkten, dass ich ein Träumer war, sodann vor mir flohen oder mich sogar angriffen. Aus dem Grund hatte ich mich auch immer mit meinen Bemerkungen oftmals zurückgehalten und so getan, als wäre ich so dumm wie all die anderen Personen, die sich in meinem Umfeld befanden.

Kaum hatte ich dies zu Ende gedacht, setzte er zum Angriff an! Offensichtlich hatte er nicht erkannt, dass ich auch ein Träumer war. Ich hielt meine Hand ausgestreckt und er lief gegen eine unsichtbare Wand, sodass er mich nicht einmal berühren konnte. Er prallte zurück und schaute mich mit großen überraschten Augen an.

“Ich bin auch ein Träumer”, sagte ich und lächelte ihn an, um ihm gleich zu zeigen, dass ich nicht geplant hatte, diesen Kampf unnötig fortzuführen.

Er wirkte sehr verunsichert, schaute sich suchend um und Plopp, war er verschwunden. Schade, dachte ich. Wie gern hätte ich mich mit ihm unterhalten. Sicherlich erwachte er gerade in seinem Bett und dachte über die letzte Szene nach. Ich konnte mir aus seiner Perspektive richtig die Überraschung vorstellen, denn offensichtlich war dies sein erstes Mal, dass er innerhalb eines Traumes auf einen anderen Träumer getroffen war. Solche Begegnungen im Träumen sind höchst selten! Vielleicht würde er es jetzt sogar bereuen, nicht mit mir geredet zu haben. Wer weiß?

Langsam erholten sich auch die sechs Männer, die ihn zuvor attackiert hatten. Ich setzte mich, erschöpft wirkend, auf einen der Stühle, die dort standen, und war gespannt, was sie zu sagen hatten. Ich wollte so tun, als hätte ich den fremden Träumer auch angegriffen, um getarnt zu bleiben.

Nachdem sie sich wieder erholt und gesetzt hatten, fragten sie nach dem fremden Träumer.

“Ich glaube, er ist verschwunden. Ihr habt ihn in die Flucht geschlagen”, flunkerte ich.

“Das ist gut”, meinte einer von ihnen, der rechts gegenüber Platz gefunden hatte.

Plötzlich fiel mir etwas auf! Der Mann, der dort saß, ein ziemlich breit und athletisch gebauter Mann um die 30 Jahre alt, trug eine schwarze Rüstung, die ich vorher als Polsterung wahrgenommen hatte. Ich bekam eine Gänsehaut! Meine Quest war erfolgreich, zumindest bis zu diesem Port…

Wenige Augenblicke erwachte ich in meinem Bett. Wie so oft, vernahm ich erst die drei vertrauten Töne meines Bewusstseinstromes und rief daraufhin gleich viele Details meiner Traumerfahrung ins Bewusstsein zurück…

 

4 Kommentare zu “Traumnacht: Raum-Zeit-Löcher

  1. die wahrnehmung, das irgendwas anders war, hab ich auch. bei mir geht das aber schon seid sonntag und die letzte nacht war noch schlimmer. ich würde das als unharmonische frequenz beschreiben oder einfach als stress, obwohl es im aussen keinen grund dafür zu geben scheint. was es ist, weiß ich nicht. es hat aber in den letzten jahren zugenommen aus meiner erfahrung.
    allerdings, als ich heute nacht eine überdosis spirulina (20x) und chlorella (10x) nahm, wurde es ziemlich schnell besser und ich konnte mich entspannen. keine ahnung ob es da einen zusammenhang gibt, es war aber ziemlich zeitnah.
    möglich das es nur mit mir selbst zu tuen hat. ich wollte es trotzdem anbringen, falls andere ähnliches erleben. ahoi

  2. Hallo Jonathan,
    Zitat:
    “Wie oft hatte ich es selbst erlebt, dass ich in einem Traum war und als die Bewohner der dortigen Realität plötzlich merkten, dass ich ein Träumer war, sodann vor mir flohen oder mich sogar angriffen. Aus dem Grund hatte ich mich auch immer mit meinen Bemerkungen oftmals zurückgehalten und so getan, als wäre ich so dumm wie all die anderen Personen, die sich in meinem Umfeld befanden.”

    Frage(n):
    Was glaubst du was für Wesen diese Personen in diesen Realitäten sind? Sind es Verstorbene in der Astralebene? Eher nicht oder? Wieso haben die nicht die gleichen Fähigkeiten wie die eines Träumers? Und warum sind diese Personen so viel dümmer als ein Träumer? Schließlich sehen sie ja auch aus wie normale Menschen…?
    Mich interessiert es wie Du darüber denkst…

    Liebe Grüße
    Philipp

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