Infokrieg: We are Anonymous

anonymous, rtl, facebook, gema, aktivisten, vendetta, fawkes, gamer-com, maske, hacker, youtube, anonym, botschaft, sony, paypal, wachowski-brüderIm Jahre 2006, ganze sieben Jahre nach der Veröffentlichung des Films “Die Matrix” entstand der neue Film der genialen Wachowski-Brüder mit dem Namen “V – wie Vendetta“. Zu Anfang ist man irritiert von der neuen Konzeption und Machart des Filmes, man glaubt, man habe es hier mit einem ganz anderen Werk zu tun: Politisch, rebellisch und aufständerisch. Doch bei genauerer Betrachtung haben beide Filme etwas gemeinsam, denn die Hauptdarsteller beider Filme suchen nach Freiheit für das Volk. In “Die Matrix” ging es darum, die von Robotern versklavten Menschen aus ihrem künstlichen Schlaf zu holen und in “V wie Vendetta” ist es nicht viel anders, denn hier wird beabsichtigt, das Volk von einer (getarnten) Diktatur zu befreien und es zu bewegen, Aktivist zu werden.

In “V wie Vendetta” trägt der rebellische Einzel- und Freiheitskämpfer mit Namen V die Maske des Guy Fawkes und organisiert eine landesweite Verschwörung gegen die diktatorische Regierung in einem zukünftigen England. Guy Fawkes war ein englischer Offizier, der sich für die Freiheit zu Anfang des 17. Jahrhundert eingesetzt und darüber hinaus ein Attentat auf den derzeitigen König Jakob den I. versucht hatte. Noch heute wird Fawkes alljährlich in England mit Feuerwerk und Bombardement für seine unerschrockene Absicht gefeiert. Doch ist der Film “V wie Vendetta” keine Huldigung an Fawkes, sondern vielmehr eine direkte Anleitung, wie man ein diktatorisches System bricht. Hierzu wird das Volk mit Masken ausgestattet und aus allen Teilen der Welt organisieren sie sich, um die Regierung schrittweise zu stürzen. So einfach das klingen mag, aber aufgrund der hohen Anzahl an Menschen, das nun einmal das Volk vorweisen kann, ist es viel stärker und überlegen. Allzu leicht erinnert man sich an das Gespräch zwischen dem Feldherrn und dem Sklaventreiber, als letzterer meinte, ob es nicht sinnvoll wäre, sämtliche Sklaven mit einer gelben Armbinde zu versehen, damit man sie von den Wachen unterscheiden könne. Daraufhin antwortete der Feldherr, dass es äußerst ungünstig wäre, so zu verfahren, da die Sklaven dann sehen könnten, wie viele sie tatsächlich seien und die Wachen daraufhin leicht zu überwältigen wären.

Gegenwärtig gilt Fawkes Maske als Erkennungszeichen einer mittlerweile weltweiten, bisher noch unabhängigen und führerlosen Gruppe mit dem Namen Anonymous, die sich – im vergleichbaren Stil Wikileaks – zum Ziel gesetzt hat, das Internet zu befreien und medienorientierte Manipulationen im Allgemeinen aufzudecken.

Seitdem die deutsche Regierung den Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) in Bonn ein Cyber-Abwehrzentrum (CYA?) hat eröffnen lassen, um der Internetnutzung immer mehr Restriktionen aufzuerlegen, spitzt sich der Kampf zwischen Regierung und den unabhängigen Internetfreiheitskämpfern zu. Während das Abwehrzentrum plant, den Personen das Internet abzuschalten, die es nicht so benutzen wie vorgeschrieben, so entgegnet die Gruppe Anonymous hierzu: “Wenn die Regierung dein Internet abschaltet, dann schalte die Regierung ab.”

Dieses Statement vermittelt sicherlich ein recht gutes Bild der Absichten von Anonymous, die mittlerweile aus vielen tausend Sympathisanten besteht und ihr Hauptaugenmerk auf das Hacken von Webseiten gelegt hat – welche die Freiheit des Volkes zu manipulieren, einzuschränken oder zu verbieten trachten. Ganz oben auf der Liste stehen derzeit Sony, Facebook, RTL, Scientology, GEMA, Mastercard, PayPal und pädophile Seiten, welche aufgrund ihrer Machenschaften Anonymous provoziert haben.

Anonymous, auch bezeichnet als Internet- bzw. Netzaktivisten, organisieren sich in Communities und Chats, um sich dahingehend abzusprechen, wessen Webseite als nächstes lahmgelegt oder sogar gehackt wird. Dazu ist nicht viel Hackerkenntnis nötig, denn es existieren Webseiten, die über einen anonymen Server Massenzugriffe auf eine eingegebene Webseite erlauben und spielend einfach von einer einzelnen Person ausgelöst werden können. Sobald sich hundert Sympathisanten von Anonymous dazu entschließen, aus mehreren Teilen des Landes solcherlei Massenzugriffe auszulösen, legt dies die Webseite lahm. In diesen vermutlich unbequemen Genuss sind bereits die oben genannten Firmen mit ihren Webseiten gekommen. Manche der Webseiten, wie z.B. die der GEMA, der vorgeworfen wird, das Aufrufen vieler Videos auf Youtube wegen musikrechtlicher Inhalte zu blockieren, wurde ebenfalls von Anonymous gehackt.
Wenn man eine zeitlang die Webseite der GEMA aufrief, erschien eine vergleichbare Meldung, die man sieht, wenn man eine Webseite bei Youtube aufruft, dessen Inhalt urheberrechtliche Musik enthält bzw. enthalten sollte oder könnte: “Leider ist diese Seite (nicht nur) in Deutschland nicht verfügbar, da sie auf ein Unternehmen verweisen könnte, für das Anonymous die erforderlichen Freiheitsrechte nicht eingeräumt hat. Das tut uns leid. Nicht.”

RTL wurde im August mit der gleichen Meldung vonseiten Anonymous gehackt und weitere Firmen müssen mit vergleichbaren Attacken rechnen, sobald Anonymous der Ansicht ist, dass diese die Freiheitsrechte der Internet-User beschränken möchten.

Beispielsweise hatte PayPal sämtliche Konten vieler Sympathisanten von Wikileaks gesperrt. Dies hat Anonymous auf den Plan gerufen und wiederum PayPals Webseite lahmgelegt. Mittlerweile hat PayPal die auferlegte Sperrung zurückgenommen, da sie als Online-Bank äußerst abhängig von ihrer Internetpräsenz ist. Der Fernsehsender RTL hingegen hat in einem ziemlich manipulativen Beitrag am 19.8.2011 in “Explosiv” die Gamer-Community als partnerlose Muttersöhnchen und potentielle Amokläufer dargestellt – verständlicherweise sehr zum Missfallen vieler Gamer in Deutschland. Nach den Protesten vonseiten der Gamer und diversen Hackerangriffen von Anonymous hat RTL hierzu sogar eine öffentliche Entschuldigung geliefert, um die Proteste zu schlichten. Somit ist erkennbar, dass sich Anonymous mittlerweile eine zivile Position erkämpft hat, um solche freiheitseinschränkenden Maßnahmen zu boyottieren. Selbst die kürzliche Festnahme von 14 Anonymous-Aktivisten durch die FBI hat daran nichts geändert.

Mittlerweile finden sich weltweit, d.h. aus Spanien, Frankreich, Griechenland, Deutschland, England, Amerika, Brasilien und vielen anderen Ländern immer mehr Sympathisanten und der Informationsbürgerkrieg – einst ausgelöst von Wikileaks – spitzt sich nun auffällig zu. Das Videoportal Youtube ist mittlerweile von vielen Aktivisten genutzt worden, um ihre Nachrichten, Meldungen, Pläne, Warnungen, Aufrufe und Boykotte öffentlich bekannt zu geben. Selbst das FBI ist mittlerweile in dieses Dilemma einbezogen worden und setzt teilweise schon Kopfgelder auf die Hacker aus, die mit Vorliebe Webseiten von Großfirmen hacken. Immerhin kann ein Serverausfall große finanzielle Verluste bedeuten. Ein kleiner Trip durch die Videos auf Youtube vermittelt ein recht klares Bild, teilweise amüsant, teilweise aber auch ziemlich illegal. Denn Hackerangriffe sind illegal, das vorweg, vor allem in den USA, die in diesem Punkt sehr empfindlich reagieren. Europa ist hierbei noch recht nachsichtig.

Politisch betrachtet ist es nicht verwunderlich, dass sich das zivile Volk immer mehr organisiert und anonym tätig wird, bei einer Regierung, die immer mehr Verbote und Gesetze ersinnt, um die Freiheit eines Einzelnen schrittweise und zunehmend einzuschränken – vor allem die Freiheit der Bürger, die sich am Ende industrieller Produktionen und wirtschaftlicher Absichten befinden und sich manchmal ungerecht behandelt fühlen – wenn Firmen die Macht besitzen, innerhalb kürzester Zeit nahezu die Hälfte aller Youtube-Videos nicht mehr aufrufbar zu halten, weil davon ausgegangen wird, dass Urheberrechte verletzt werden. Natürlich ist es auch ein Problem, da das Urheberrecht den Urheber schützt – selbst wenn die GEMA nicht Urheber eines einzigen Songs im Internet ist – und somit gewährleistet wird, dass dies auch aufrechterhalten wird. Ebenso haben Übergriffe und interne Meinungsverschiedenheiten bei Anonymous bezüglich Facebook und anderen Communities stattgefunden. Denn ein Teil der Netzaktivisten war plötzlich der Meinung, man müsse Facebook zerstören, da diese Community unsachgemäße Handhabung ihrer Kundendaten betreibt und diese an Informationsjäger weiterreicht.  Die Vorgehensweise hierbei war umstritten und ob es die Operation überhaupt wert sei, da mittlerweile auch jeder Facebook-User mitbekommen haben dürfte, dass hier mit Informationen gehandelt wird.

Solche Unstimmigkeiten, bigottischen Verhaltensweisen und Organisationsprobleme sind bei Anonymous an der Tagesordnung, weil keine zentrale Verwaltung des Kollektivs existiert. Anonymous ist wie ein Ameisenhaufen, denen es an einer Königin fehlt. Jeder kann sich für Anonymous ausgeben und Splittergruppen gründen, die plötzlich mit den Aktionen anderer Splittergruppen nicht einverstanden sind und auf eigene Faust vorgehen. Hierbei kommen dann solche widersprüchlichen Aktionen, wie in Bezug auf Facebook und anderen vergleichbaren Operationen, heraus. Das Kollektiv von Anonymous ist also noch ziemlich unwirsch und ungelenk, besitzt darüber hinaus keine klare Richtung in seinen Aktionen und vermittelt somit einen noch recht wilden Charakter.

Anonymous ist somit eine unabhängige, moralisch-ethische aber auch höchst rebellische Gruppierung aus dem Volk, die ohne jegliche Urheberansprüche im Unerkannten operiert und sich für mehr Freiheit für den Bürger einsetzt. In den Anfängen von Anonymous waren es nur einige Jugendliche, die sich einen Scherz mit Fawkes Maske erlauben wollten, aber mittlerweile ist Anonymous dabei, aus seinen Kinderschuhen herauszuwachsen. Das Problem hierbei ist, dass vonseiten der Regierung zwar Strafen und Kopfgelder ausgesetzt werden können, aber da die ernsthaften Aktivisten von Anonymous sehr vertraut mit dem Internet sind, sind sie spurentechnisch kaum zurückzuverfolgen. Ebenso muss man hierbei die stets anwachsende Zahl der Aktivisten bedenken. Unschwer zu erkennen, was die Zukunft bringen mag, denn nicht nur die massive Geheimhaltung vieler Projekte der Regierungen weltweit, sondern auch die enorme Anzahl an Desinformation rückt die Völker immer mehr in die Position folgewilliger Schafe. Dass dies keinen dauerhaften Erfolg verspricht, liegt auf der Hand.

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Quellen:
http://www.youtube.com/watch?v=wXqVxEhGQc0&feature=related
http://www.youtube.com/watch?NR=1&v=fJJJVPoqBDQ
http://www.youtube.com/watch?v=4w-SonPb77I
http://www.youtube.com/watch?v=WPJ7ii7yLEM

http://www.youtube.com/watch?v=qjGTjwXM5ls&feature=related
http://www.zeit.de/digital/2011-07/anonymous-paypal-Hacker

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4 Antworten für “Infokrieg: We are Anonymous”

  1. HvS sagt:

    Hallo Jona,

    ein wirklich ganz großartiger Artikel, den ich gerne herumreichen werden. Sehr schön dargestellt für den geneigten Normalbürger.

    Allerdings hätte ich mir, Sympathie für Anonymous hin oder her, noch gewünscht, dass Du in einem kleinen Absatz auch auf die Probleme der Sache eingehst, wie z.B. Dezentralität und freies Handeln – und dann doch wieder nicht, wie z.B. bei #OpFacebook. Und auch die anderen kleinen und größeren “Ungereimtheiten”, wie z.B. Manipulation von scheinbar anonymen Internetzugängen (Kompromittierung von Firefox und Tor) bei #OpDarknet. Leider ist bei Anonymous auch nicht alles Aktivistengold was glänzt.

    Vielleicht magst Du ja noch in zwei / drei Sätzen darauf eingehen. Der Vollständigkeit der Berichterstattung halber. ;-)

    Beste Grüße, Hilbert

  2. JonathanJonathan sagt:

    Hallo Hilbert,
    danke für Deinen Kommentar. Natürlich kannst Du gern meinen Artikel weiterreichen. :-)
    Ich weiß, dass es gewisse Ungereimtheiten gab, in denen Anonymous auch einiges unternommen hat. Aus dem Grunde gebe ich ja den Hinweis, dass deren Vorgehensweisen illegal sind. Ebenso will ich nicht sagen, dass ich hier sympathisiere, da die Unberechenbarkeit in der anarchistischen Vorgehensweise an sich liegt. Immer wieder werden auch Übergriffe von dem Teil von Anonymous ausgehen, hinter denen dann irgendwelche Jugendliche mit Computerkenntnissen stecken und eigene Interessen verfolgen. Jeder kann halt Anonymous sein, selbst jene, die man als Fakes betrachten könnte, da sie nicht im Sinne der Idee von Anonymous handeln, sondern eben aus privaten Interessen. Von daher werde ich dann gleich mal schnell den Artikel ergänzen, damit er auch dahingehend einiges erklärt. :-)
    Liebe Grüße, Jonathan

  3. Reinhard sagt:

    Ich finde die Argumente von Anonymous gegen Scientology schon schwach.

  4. anonymous sagt:

    Alles Schwachsinn. Nichts davon wurde von uns gemacht! Absolute LÜGE wird hier Verbreitet.. Abwarten. Tango Down

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