Youtube vs. TV und Einschaltquoten

Jedermann weiß, im Fernseh-Business geht es um die höchsten Einschaltquoten! Doch wie werden diese Quoten festgestellt? Wenn man seinen Fernseher einschaltet und eine Sendung schaut, woher wissen die Fernsehanstalten und die Presse am anderen Tag, wer Millionen Zuschauer hatte und wer nicht?

Es ist ganz einfach: Es gibt ca. 5000 Haushalte, in denen ein Gerät, der so genannte Teleskomat, an den Fernseher angeschlossen wurde, die gewählten Sendungen aufzeichnet und die Ergebnisse an die Fernsehanstalten sendet. Diese Zuschauer werden Panelgruppe genannt. Es wird behauptet, dass die bei dieser Gruppe aufgestellten Geräte eine statistische Repräsentation der Einschaltquoten des ganzen Landes mittels Hochrechnung darstellen..

(Persönlich kenne ich niemanden, der ein solches Gerät besitzt, aber wenn jemand eine solche Person kennt, wäre es sehr gut, wenn unter diesem Beitrag ein Kommentar dazu abgegeben würde.)

Diese ca. 5000 Haushalte ermitteln also auf statistischer Grundlage die Einschaltquoten, aber wenn man einmal einen Blick auf das größte Internet-Videoportal der Welt wirft, namens Youtube, dann hat man eine viel umfassendere und bessere Repräsentation der tatsächlichen Einschaltquoten sowie des tatsächlichen Geschmacks der Menschen weltweit. Viele Millionen Menschen aus der ganzen Welt klicken die Videos an, die ihnen gefallen oder ihre Neugier geweckt haben.

Youtube ist verantwortlich für ca. 10% des gesamten Internetverkehrs weltweit! Pro Minute werden 35 Stunden Videospielzeit auf das Portal geladen und die Webseite erhält zwei Milliarden Zugriffe am Tag! Youtube wurde von Google für 1,3 Milliarden Dollar aufgekauft. Das Personal wurde weitgehend nicht ausgetauscht, nur die Chefetage. Betrachtet man einmal die Videos bei Youtube , die die meisten Zugriffe besitzen, so ergibt sich jedoch ein ganz anderes Bild als es die vermeintlichen 5000 Quoten widergeben. Ganz oben bei den beliebtesten Videos stehen grundsätzlich humorvolle Kurzvideos mit Kindern und/oder Tieren sowie Musikvideos. Ähnliche Sendungen im Fernsehen haben jedoch sehr geringe Einschaltquoten wie beispielsweise Pannen-Shows, in denen Amateurfilme von Familien aufgenommen wurden und peinliche oder tollpatschige Situationen zeigen. Dies ist nur eine äußerst harmlose Diskrepqnz zwischen den Einschaltquoten im Fernsehen und auf Youtube. Es wird noch interessanter!

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Eine genauere Übersicht über Youtubes “Einschaltquoten” erhält man durch die so genannten Abos. Hier werden die Zuschauer aufgerufen, einen bestimmten Videokünstler zu abonnieren, damit diese stets sofort informiert werden, wenn ein neues Video hochgeladen wurde. Hier zeigt sich eine genauere Darstellung des Geschmacks, was die Besucher von Youtube wirklich interessiert. Auch hier sind komödiantische Amateur-Kurzvideos sehr weit oben, ebenso Musikvideos, aber interessanterweise auch Videos über UFOs und Außerirdische oder auch esoterische Videos. Beispielsweise Videos, die im Titel Hinweise auf die Möglichkeit besitzen, jemanden zu filmen, der gerade gestorben ist und sich seine Seele vom Körper löst. Ebenso Videos, in denen ein man sich fragte, was man Sekunden vor seinem Tode wahrnimmt oder wenn behauptet wird, ein NASA-Mitarbeiter veröffentlicht seine geheimen Informationen. Solche Filme besitzen Millionen an Zugriffen. Seltsamerweise jedoch finden sich im Fernsehen kaum Dokumentarberichte über diese Phänomene, obwohl Youtube ganz klar aufzeigt, dass die Zuschauer hier ein großes Interesse besitzen. Im Gegenteil, wenn es hierzu Dokus gibt, dann sind diese meist höchst kontraproduktiv bzw. versuchen krampfhaft zu beweisen, dass an diesen Phänomenen nichts dran ist.

Anfang der 90er Jahre traf ich einmal einen Mann aus Schottland. Er reiste sehr viel und hat sich hin und wieder auch mal in Südost-Asien aufgehalten. Einmal hatte er in Irak einen harmlosen Autounfall. Jemand war ihm hinten auf seinen Leihwagen gefahren. Begeistert erzählte er mir, dass in fast allen Ländern dieser Welt, inklusive Deutschland oder England, jene Person schuld am Verkehrsunfall ist, der hinten auffährt, doch nicht in Arabien. Dort sind beide Teilnehmer eines Autounfalls gleichermaßen verantwortlich. Als er den Anwalt fragte, warum er denn schuld sei, denn er konnte ja nichts dafür, dass jemand nicht früh genug bremsen und hinten aufgefahren war, wurde ihm erklärt, dass dies Schicksal sei und wäre er nicht mit schuld an dem Unfall gewesen, dann wäre er nicht an diesem Ort zu diesem Zeitpunkt gewesen. Eine interessante Interpretation wie ich finde. Während wir darüber diskutierten, erklärte er mir, dass er einmal einen Mann getroffen habe, der in einem Komitee säße, das jede einzelne Fernsehsendung, d.h. Spielfilm, Doku oder Werbung vorab kontrollieren würde, ob dies im Fernsehen gezeigt werden dürfte oder nicht – hierbei wurde aber nicht über die FSK gesprochen, die feststellt, welcher Film zu welcher Altersbegrenzung gezeigt werden darf. Mit dieser Information im Hinterkopf lässt sich vielleicht ein erster Hinweis finden, aus welchem Grund eine so große Diskrepanz zwischen den Interessen der Fernseh- und die der Youtube-Zuschauer besteht. Natürlich kann man davon ausgehen, dass Youtube vorwiegend vom jüngeren Publikum genutzt wird während das Fernsehen ein sehr breites Zuschauerspektrum besitzt. Ebenso interessant ist es festzustellen, dass es Youtube-Zuschauern nicht immer um Professionalität geht. Hier wird gern einmal elegant darüber hinweggesehen, wenn ein Kurzfilm über ein gewaltiges Budget-Loch verfügt oder sobald die so genannten Vlogger ihre videobasierenden Tagebucheintragungen ins Netz stellen, die mit schlechter Tonqualität oder unattraktiven Hintergrundkulissen aufwarten. Nichtsdestotrotz wird eine unzensierte Auswahl an Filmen vonseiten der Youtube-Zuschauer offenkundig, während das Fernsehen durch ein Komitee kontrolliert wird und die Ergebnisse bereits im Vorfeld manipuliert.

Fernsehen und Presse sind Mittel zur Meinungsbildung und somit auch ein Machtmittel. Aus dem Grund ist es für eine Regierung, der es wichtig ist, nur bestimmte Informationen an das Volk weiterzugeben, äußerst attraktiv, Einfluss auf Presse und Fernsehen zu besitzen. Das Internet dürfte somit mancher Regierung ein Dorn im Auge sein, da hier tatsächlich unparteiische Meinungsbildung getätigt werden kann. So entdeckt man im Internet zwar viele Falschmeldungen, die zumeist jedoch sehr offensichtlich sind, aber dafür keine durch Fernsehen und Presse gefilterten und veränderten Informationen. Bemühungen, das Internet in seiner Freiheit einzuschränken, werden immer wieder unternommen. Erst neuerdings durch das kommende ACTA-Gesetz, indem nun versucht werden soll, Internetsperren für Personen aufzuerlegen, die auf irgendeine Weise gegen das Copyright verstoßen. Da sich das Volk dahingehend nicht manipulieren lässt, werden nun die Provider unter Druck gesetzt, um das gezielte Ergebnis zu erreichen. Sollte sich herausstellen, dass ein Internetbenutzer urheberrechtliches Material kopiert oder heruntergeladen hat, so wird der Provider (z.B. T-Online oder 1&1) hierfür verantwortlich gemacht. Diese Vorgehensweise macht den Providerdienst zum scharfen Wachhund, der sich die gemeinsten und dreistesten Kontrollen überlegen und schnell richten muss, damit sie nicht zur Verantwortung gezogen werden.

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Quellen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Einschaltquote
http://www.youtube.com
http://de.wikipedia.org/wiki/Anti-Counterfeiting_Trade_Agreement

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