Traumnacht: Das Land Ozhei

Menschen, die sich mit dem luziden Träumen auseinandersetzen, werden Oneironauten genannt. Das kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie Traumreisender. Ich weiß von anderen luziden Träumern, dass, wenn sie es schaffen, innerhalb eines Traumes luzide zu werden, sie direkt mit Karacho durchs nächstbeste Fenster sausen und fliegen. Oder sie gestalten den Traum nach ihren Bedürfnissen. In meinem Fall sieht es etwas anders aus. Für mich ist das luzide Träumen nur sekundär ein Spaßfaktor, in dem man nach einem netten Abendessen mit seiner Traumfrau im Bett verschwindet, sondern primär eine Frage der taktischen Energieansammlung. Je länger man es schafft, den luziden Traum in die Länge zu ziehen und je klarer und deutlicher er wird, desto mehr psychische Energie sammelt man an. Und je mehr psychische Energie man mit in den Alltag nimmt, desto mehr Magie transportiert man auch dorthin.

Mit dieser Energie sind dann viel mehr Dinge möglich, die andernfalls nicht möglich gewesen wären. Man kann die Energie für alles einsetzen, was einem wichtig ist. Ein Sportler könnte damit seine Höchstleistung übertreffen, selbst wenn er es schon seit Jahren erfolglos versucht hat. Ein Künstler kann damit eine unglaubliche Kreativität erlangen und sie umsetzen. Ein Karrieremensch kann mit dieser Energie viel erfolgreicher im Beruf werden. Ein Aktionär wird die richtigen Einfälle zur richtigen Zeit haben, ein schwacher Mensch ohne Selbstbewusstsein wird plötzlich selbstbewusst und stark  und ein ewiger Single wird plötzlich seine Traumfrau finden. Die Möglichkeiten sind unbegrenzt. Wie das alles möglich ist und warum es überhaupt funktionieren kann, ist sehr kompliziert zu erklären. Es hat mit den Wechselwirkungen zwischen dem Bewusstsein, dem Unterbewusstsein und dem Unbewussten zu tun. Meinereiner sammelt die Traumenergie, die nach dem Aufwachen in psychische Kraft transformiert wird, primär eigentlich nur dafür, um entferntere Realitäten zu erreichen. Je mehr Energie ich also ansammele, desto stärker wird sozusagen meine Reichweite. Das Traumland ist unendlich groß, aufgebaut wie eine Zwiebel. Jede Schicht ist eine eigene Realität und je weiter man reist, desto tiefer dringt man in die anderen Schichten ein. Dies hat zur Folge, dass man immer mehr Energie ansammelt. Wer nun die Traumentwicklung der vier luziden Träume der heutigen Nacht hier mitverfolgt, wird bemerken, was ich damit meine. Während die ersten drei luziden Träume sehr gewohnten Alltagsituationen glichen, entdeckte ich im vierten Traum einen Hinweis auf eine andere, entferntere Realität namens Ozhei. Und je entfernter eine Realität ist, desto größer ist die energetische Ernte.

Heute Nacht war es also mal wieder so weit. Exklusive Traumnacht mit Schlafunterbrechung, Suggestionen und allem Pipapo. Das Ergebnis waren vier luzide Träume. Einer davon sogar im High-Level-Bereich, d.h. die Klarheit war dabei so stark, dass man nicht mehr sagen kann, welche Realität nun realer ist, die Alltags- oder die Traumrealität. In der ersten Hälfte der Traumnacht landete ich zuerst mal wieder in der “anderen Realität” und hatte dort ein Erlebnis mit Daria und Esther. Darüber werde ich dann die nächsten Tage berichten. Als ich danach um 4.30 Uhr morgens aufstand, blieb ich erst einmal eine halbe Stunde wach und habe im Internet einiges über luzides Träumen gelesen, um mich atmosphärisch einzustimmen. Danach noch in Kurzform ein paar Träume notiert und dann war es auch schon Zeit, mich wieder hinzulegen. Es dürfte so ca. 5.10 Uhr gewesen sein.

Als ich im Bett lag, spürte ich, dass ich mal wieder viel zu wach war. Ich hätte eigentlich gleich aufbleiben können. Weder gelang es mir, direkt in  einen Traum zu springen (WILD) noch einfach einzuschlafen, um mich dann irgendwann in einem Traum luzide wiederzufinden. So lag ich ziemlich unruhig im Bett herum und das dauerte sicherlich bis 6.30 Uhr. Plötzlich sprang ich aus meinem Körper hinaus und befand mich in einer mir fremden Diele einer Wohnung. Dabei dachte ich noch: “Oh, jetzt hat es ja doch endlich geklappt, dass mein Körper eingeschlafen ist.” Ich erkannte sofort Peter wieder, mein Mitbewohner in dieser Realität, in der ich mich schon früher einmal befunden hatte. Er lief hektisch hin und her und packte gerade eine große Reisetasche. Ich riss derweil meine Hände vors Gesicht und überprüfte meine Klarheit in diesem Traum. Zwar war ich luzide, aber die Klarheit ließ noch zu wünschen übrig. Trotz einiger Tricks klappte es nicht, die Klarheit zu verstärken. Also wollte ich den Traum nicht aktiv beeinflussen und im Fluss des Traumgeschehens bleiben, in der Hoffnung, er würde noch klarer werden. So schaute ich Peter zu, wie er die Tasche packte.

“Mensch, jetzt muss ich mich aber beeilen.”

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Ich überlegte, ob ich ihn fragen sollte, wo es denn wohl hinginge, aber ich dachte mir, das wäre sehr auffällig, denn sicherlich hatte er es dem Jonathan, der in dieser Realität lebte, bereits mitgeteilt.

“Soll ich dir helfen?”, fragte ich.

“Nein, nein. Ist schon okay.”

Irgendwie langweilte es mich aber trotzalledem, ihm einfach nur zuzuschauen und auf mehr Klarheit zu warten. Also fing ich wieder an, mich in Psychokinese zu üben. Eigentlich ist Psychokinese, d.h. das Bewegen von Gegenständen mittels psychischer Kraft, eine der Fähigkeiten, die man im Alltag nicht unbedingt braucht. Was bringt es, ein Glas zu bewegen, wenn man doch mit der Hand danach greifen und es aufnehmen kann? Trotzdem finde ich es eine interessante Fähigkeit, weil sie noch andere Möglichkeiten bietet, wenn man ausführlicher darüber nachdenkt. Sicherlich erinnert sich jeder an Darth Vader aus Star Wars. Wie er mit seiner Gedankenkraft andere in seinem Umfeld die Luft zuschnüren konnte, in dem er es nur wollte. Das ist jetzt ein schlechtes Beispiel, aber ich nehme es, weil diese Filmreihe den meisten Menschen bekannt ist. Psychokinese kann man also nicht nur zum Angriff, sondern auch zur Verteidigung nutzen. Außerdem ist es gut, es in Diskussionen mit Menschen zu verwenden, die an solche Dinge nicht glauben. Wie viele nutzlose Diskussionen mit Zweiflern hat es schon gegeben, die einen nur bemitleidend angegrinst haben, weil sie an solche parapsychologischen Dinge nicht glauben? Eine Demonstration psychokinetischer Kraft wäre doch ein schlagender Beweis in einer solchen Diskussion. Natürlich gibt es schon einige Menschen, die Psychokinese können, aber wer kennt schon jemanden persönlich und dann noch jemanden, bei dem man ganz sicher sein kann, dass er nicht nur einen Zaubertrick im Zaubererladen gekauft hat? Also dachte ich mir in diesem Traum, ich übe mich erneut in Psychokinese.

Auf dem Boden lag eine Sockenkugel. Ich nahm meine rechte Hand und konzentrierte mich auf sie. Anfangs wollte es nicht funktionieren, aber nach einer halben Minute klappte es. Sie bewegte sich. Mit purer Konzentration bewegte ich die Sockenkugel quer durchs Zimmer. Plötzlich schrie Peter:

“Hey, lass den Unsinn! Ich brauch die Socken! Die will ich mitnehmen.”

Wir lachten, weil er hinter der Kugel herlief und ich sie immer wieder quer durchs Zimmer rollen ließ. Irgendwann hatte er die Socken erwischt und sie schnell in seine Tasche gepackt. Doch standen auch noch einige Gegenstände auf einem Schränkchen herum. Eine Kerze, eine Schale und anderes Zeug, was eben so auf derartigen Schränkchen herumsteht. Ein Gegenstand nach dem anderen holte ich psychokinetisch dort herunter und ließ sie Raum umherfliegen. Das funktionierte schon einmal sehr gut.

Dann erwachte ich aus dem Traum. Kurz darauf konzentrierte ich mich wieder und landete exakt in der gleichen Realität. Peter war immer noch mit dem Packen beschäftigt und mittlerwiele war eine Frau gekommen. Ich glaube, es war seine Mutter. Während die Frau ihm half, übte ich mich wieder in Psychokinese. Dazu holte ich wieder einige Gegenstände vom Schrank herunter und schaute zu, wie die anderen darauf reagierten.

Ein Blick zu Peter und seiner Mutter verriet mir, dass sie das nicht wahrnehmen konnten, aber das mit der Sockenkugel hatte Peter zuvor schon wahrgenommen. Die Socken waren auch in seinem Fokus, da er sie benötigte. Aus dem Grund hat er es wahrscheinlich registriert, dass ich sie herumbewegt hatte. Natürlich stellt sich an dieser Stelle die Frage: Wie hat er das wahrgenommen? Hat er einfach nur gesehen, wie die Kugel durch den Raum rollte, weil er vielleicht meinte, ich hätte sie mit dem Fuß angegekickt oder war ihm durchaus klar, dass ich hier eine geistige Fähigkeit dafür angewendet hatte? Diese Fragestellung war bereits Teil meines Unterrichts für mich selbst. Die Kraft der Psychokinese ist nicht Teil unseres normalen Alltags. Der Verstand eines Menschen ist so aufgebaut, dass er für alles eine rationale Erklärung sucht. Das ist sein Job. Und der Verstand wird auch dann eine rationale Erklärung suchen, wenn es in seltenen Fällen einfach mal keine gibt. Daher konnte ich mir ebenso gut vorstellen, dass Peter gemeint hatte, ich hätte die Sockenkugel mit dem Fuß angestoßen oder einfach einen Faden daran gebunden und sie umherbewegt. In einem Traum geschieht nichts anderes. Man läuft im Traum umher und sieht plötzlich ein Auto, das sich in ein Boot verwandelt. Normalerweise müsste man sofort erkennen, dass man träumt. Doch was geschieht anstelle dessen? Der Verstand mischt sich ein und sagt: “Ach, das ist ja diese neue Erfindung, wo sich das Auto in ein Boot verwandeln kann. Dieses Amphibienfahrzeug.” Der Verstand mischt sich also ein, übernimmt die Regie und verhindert die Erkenntnis, dass man sich in einem Traum befindet. Der Verstand zweifelt gerne, aber er zweifelt niemals an sich selbst! Das ist seine Aufgabe und genau das ist der Faktor, weshalb u.a. Psychokinese, das luzide Träumen, Astralreisen und sonstige Fähigkeiten dieser Art nicht Teil unseres Alltages sind.

Ich teste es noch eine Weile aus, Gegenstände umher zu bewegen. Irgendwann stand Peter dann leicht irritiert neben mir.

“Irgendwie glaube ich, dass es hier spukt,” meinte er ganz trocken.

“Das denke ich auch”, entgegnete ich breit grinsend.

“Wie kann das?”

“Das ist alles nur ein Traum. Das ist alles.”

Er schaute mich kurz verwirrt an, aber die Botschaft kam nicht wirklich bei ihm an. Sein Verstand hatte schon längst wieder die Führung übernommen und irgendeine Erklärung gefunden, für das, was hier vorgefallen war…

Irgendwann erwachte ich erneut. Ich blieb einige Minuten wach und konzentrierte mich wieder. Nur wenige Augenblicke später sprang ich in den klarsten Traum hinein, den ich in diesem Jahr erlebt hatte. Es war ein High-Level-Klartraum. Die Klarheit ist hierbei schon extrem stark und mindestens genau so intensiv und deutlich wie die Wahrnehmung im Alltag. Ich befand mich in einer mir fremden Küche. Jeder Gegenstand besaß eine unglaubliche Klarheit und Präsenz. Die Hängeschränke, die Anrichte, die Wand, die Küchenutensilien waren so deutlich und plastisch, dass ich trotz meiner vielen Erfahrungen dieser Art wieder einmal völlig überrascht davon war. Es ist mit einem guten Essen zu vergleichen. In der Erinnerung ist man dann nicht mehr sicher, ob es wirklich so beeindruckend war, aber wenn man es dann wieder probiert, ist man erneut begeistert. Dann fiel ein großer, weißer Kühlschrank in meinen Blick. An seiner Tür hingen lauter kleine Zettelchen, Fotos und andere Dinge. Ich dachte mir, dass ich den erst einmal genauer betrachte. Vielleicht fand ich auf den Zetteln eine Datumsangabe, einen Hinweis darauf, in welcher Realität ich mich hier befand. Orientierung ist nun einmal wichtig, um zu sehen, wo man gelandet ist.

Auf einem der Zettel stand eine Notiz vom 28. August 2008. Auf einem anderen sah ich etwas über eine Weihnachtsplanung. Somit konnte ich schon in etwa einschätzen, dass ich nicht nur in einer Parallelrealität gelandet, sondern auch zeitlich verschoben worden war. Ich ließ den Blick schweifen. Es war noch nicht einmal notwendig, auf meine Hände zu schauen, weil diese Realität so unglaublich deutlich war. Deutlicher konnte ich sie einfach nicht hinbekommen. Dann entdeckte ich eine Freundin, die mit dem Rücken zu mir vor einer Spüle stand und sich um das Geschirr kümmerte. Sie drehte sich um und schaute mich kaum dabei an:

“Schön, dass du hier bist. Möchtest du was trinken? Kaffee?”

“Nein, danke”, antwortete ich. Immerhin benötigte ich hier keinen Kaffee.

“Willst du mir denn jetzt am Wochenende ein wenig helfen?”, fragte sie und räumte nebenher ein wenig in der Küche auf.

Es war eine sehr reale Szene, so wie sie im Alltag tagtäglich tausend Male vorkommt. Ich hatte es also geschafft, mein Bewusstsein in eine andere Realität zu transportieren. Jetzt lag es an mir, diesen Traum so lang wie möglich in die Länge zu ziehen und diese Klarheit beizubehalten. Einfach zusehen, was geschieht. Daran teilhaben, aber niemals die Klarheit verlieren und Energie sammeln und sammeln.

“Und?”, fragte Tanja wieder.

“Was denn?”

“Ja, hilfst du jetzt oder nicht?”

“Äh, klar. Kein Problem. Wann geht es denn los?”

“Wir fangen am Samstagmorgen an. Ein paar andere kommen auch. Wir werden dann das ganze Haus auf den Kopf stellen, das sag ich dir. Ich mach auch ein paar Brötchen für uns. Das wird bestimmt lustig.”

“Oh, da freue ich mich schon drauf…”, sagte ich, auch wenn ich wusste, dass ich diesen Samstagmorgen vermutlich niemals miterleben würde.

Die Möglichkeit, diese Realität wieder aufzusuchen, war ziemlich gering. Das gelang mir nicht oft. Immerhin ist die Anzahl der existenten Parallelrealitäten dermaßen groß, dass man schon einmal durch einen zufälligen Sprung kaum zwei Mal die gleiche hintereinander besuchen wird. Es sei denn, man besitzt eine Affinität der jeweiligen Realität gegenüber. Dann können einen Gefühle schon wieder in die gleiche Realität transportieren. Eine weitere Möglichkeit wäre, die gewünschte Realität im Alltag mit Suggestionen vorzuprogrammieren, damit man hoffen konnte, in ihr zu landen. Doch in diesem Fall wunderte ich mich schon die ganze Zeit, wieso ich gerade hier gelandet war! Wieso war ich denn hier in der Küche einer Bekannten gelandet, wenn der Traum doch eine so extreme Klarheit aufwies? Der Zusammenhang ging mir nicht in den Kopf. Tanja interessierte sich noch nicht einmal für solche Dinge… zumindest in meinem Alltag verhielt es sich so. Vielleicht war es hier anders? Eventuell war sie hier eine Traumkünstlerin oder eine Oneironautin?

Also startete ich meinen ersten Versuchsballon: “Und? Heute Nacht etwas Spannendes geträumt?”

“Ach, Du schon wieder…”, meinte sie lachend. “Immer mit den Träumen beschäftigt…”

“Hast du oder nicht?”, hakte ich nach.

“Heute Nacht? Nein, nichts, glaube ich. Kann mich nicht erinnern.”

Das war schon mal nichts. Wieso war ich also hier gelandet? Warum diese Klarheit? Fragen, auf die ich keine Antwort finden konnte. So lief ich in der Küche herum, unterhielt mich über Belangloses mit ihr und schaute mir alles genau an. Mittlerweile kannte ich all die Gegenstände, die sich in dieser Küche befanden. Fasziniert war ich von dem Radiowecker, der dort stand. Wenn ich ihn drückte, zeigte er mir die Zeit und das Datum an. Es war 14.26 Uhr und der 22.12.2008. Kann es nicht in jeder Realität so ein Gerät geben?

Irgendwann erwachte ich wieder in meinem Bett. Wohl behalten zurückgekehrt und wieder ein wenig Energie mitgebracht. Ich spürte, wie sich die Energie schon zu transformieren begann. Die wollte ich doch gleich nutzen, um noch weiter in die Traumrealität zu reisen als bisher. Weiter hinausgreifen in die fernen Welten… So sprang ich direkt in die nächste Realität hinein:

“Das musst du dir unbedingt anschauen!”, hörte ich eine Stimme zu mir sagen.

Ich schaute mich um. Ich war luzid. Mir war klar, dass ich eigentlich im Bett lag und gerade direkt in diese Realität hineingesprungen war und mein Bewusstsein erfolgreich mitgenommen hatte. Die Klarheit schwankte ein wenig und ich schaute wieder auf meine Hände und konnte sie so einigermaßen stabilisieren.

“Schau hier! Das ist die Karte…”

Offensichtlich befand ich mich in einer mir fremden Wohnung. Es war ein Arbeitszimmer. Wir saßen an einem Schreibtisch auf Stühlen und er hatte etwas aus seiner Aktentasche herausgeholt und auf dem Tisch ausgebreitet. Ich wartete auf das Update, um zu wissen, wo ich hier überhaupt war, aber viel kam nicht herein. Ich musste mich weiter “draußen” befinden. Dieser Mann neben mir hieß Sascha. Ein sehr schlanker, großer Mann, mit dunklen Haaren. Er trug eine Jeans und ein hellblaues Hemd. Kein Bart und keine Brille. Da er so beschäftigt war, nahm er überhaupt nicht wahr, dass ich gerade so mit mir beschäftigt war, um Orientierung zu finden. Ich entschloss mich dazu, ihm zuzuhören.

“Hier sieh, das ist die Karte, von der ich dir erzählt hatte…”

Ich sah eine Karte, die er ausgebreitet hatte. Am rechten Rand stand in großen, goldenen Buchstaben OZHEI. Im Weiteren erkannte ich eine Art Insel, auf der mehrere Punkte eingezeichnet bzw. markiert waren.

“Das hier ist der magische Wald. Wenn wir den durchqueren können, dann sind wir schon einen Schritt weiter. Das wird ein schöner Ausflug, kann ich mir vorstellen. Hier kommen wir an einem gewaltigen Wasserfall vorbei. Er ist so schön, dass dir Hören und Sehen vergeht! Und wenn wir diesen langen Weg hier finden, dann sind wir genau richtig und bald da.”

“Was ist das hier links, wo du einen Blitz hingezeichnet hast?”

“Das ist eine kleine Gruppe von Menschen, die dort leben. Die sollten wir besser ignorieren. Ich weiß nicht, ob sie uns wohl gesonnen sind.”

“Okay”, sagte ich und hörte weiter zu.

“Du willst bestimmt wissen, wo die Reise hingeht, oder?”

Ich nickte wild.

“Unser Ziel ist hier!”, dabei zeigte er auf den nördlichsten Bereich der Insel. “Wenn wir hier ankommen, dann haben wir es geschafft.”

“Und… was gibt es dort?”

“Nimm mich nicht wieder auf den Arm! Das weißt du doch genau.”

Ich hätte es in diesem Moment trotzdem gern gewusst, aber ich vertraute darauf, dass ich es im Laufe des Gesprächs sicherlich noch erfahren würde.

Dann kramte er aus seiner Tasche eine weitere Karte aus. Er breitete sie so aus, dass sie Platz unter der anderen Karte fand.

“Und hier hast du die gefälschte Karte von P….”

Leider hatte ich den Namen nicht richtig verstehen können. Er klang ein wenig fremdartig.

“Dieser Mann hat eine Fälschung angefertigt, damit niemand dieses Land finden kann. Es gibt auch viele Fallen, in die man laufen kann und andere gefährliche Punkte, die es zu meiden gilt.”

“Wieso macht dieser Typ das?”, fragte ich nach.

“Er will verwirren, Suchende in die Irre führen, die vielleicht von Ozhei gehört haben und danach suchen.”

Ich verglich die beiden Karten und sah sehr deutlich die falschen Markierungen. Auch war der Druck der Karte viel dicker und nicht so fein ausgeprägt. Teilweise waren auch Dinge eingezeichnet, die an völlig anderen Plätzen lagen. Wer nach dieser Karte gehen würde, würde einfach rein gar nichts finden können.

Das Land Ozhei war für mich der Hinweis, dass ich es geschafft hatte, in die Nähe einer entfernteren Realität zu kommen. Ich war zwar noch nicht dort, aber zumindest schon einmal in der Nähe. Doch es gab einen Wermutstropfen…

“Wann geht es denn los nach Ozhei?”, fragte ich.

“Ich weiß es nicht. Bald.”

“Ich würde gern so schnell wie möglich mit dir los. Zeig mir den Weg.”

“Ich kann dir höchstens das kommende Wochenende anbieten”, schlug er vor.

“Welchen Tag haben wir denn heute?”

Das war wieder einer der Momente, in denen er mich seltsam anschaute. Ich weiß nicht, was er in diesem Moment wohl dachte.

“Heute ist Montag.”

Das war eindeutig zu früh. Dies würde bedeuten, ich müsste noch einmal zurückkehren oder die Zeit vorspulen. Ich spürte jedoch, dass ich die Zeit nicht vorspulen konnte. Irgendwie hatte ich schon einen Teil meiner Luzidität und Klarheit verloren. Der Traum verwandelte sich immer mehr in einen normalen Trübtraum. Ich wollte schnell handeln… Dann fiel mir ein, dass es sehr hilfreich ist, wenn man sich mit den Traumpersönlichkeiten, die man trifft, verabredet. Dabei war ich mir nicht sicher, wie selbständig und intelligent diese Traumpersönlichkeit namens Sascha ist und welche Möglichkeiten sie besitzt, aber ich wollte es auf einen Versuch ankommen lassen:

“Holst du mich ab?”

“Wie meinst du das?”

“Wenn es so weit ist, musst du mich unbedingt abholen, ja?”

“Klar, kann ich machen. Ich werde dich abholen und dann werden wir nach Ozhei reisen…”

Dann hörte ich einen Schrei. Er sprang auf und rannte ins Bad. Ich ging ihm hinterher. Dort spritzten sich zwei Kinder gegenseitig nass.

“Tut mir leid, ich dusche nebenbei noch die Kinder. Ich muss das hier eben erledigen…”

Ich sah meine Felle davon schwimmen. Er hatte Kinder in dieser Realität. Somit war er hier integriert und vermutlich verfügte er nicht über das Bewusstsein einer weiter entwickelten Traumpersönlichkeit. Schade. Aus der Verabredung würde vermutlich  nichts werden. Er war nur eine Art Vorbote der Realität Ozhei. Ich hoffte inständig, dass wenigstens diese eine unabhängige Realität sein würde, eine, in der ich viel Energie vorfinden würde. Falls ich jemals dorthin gelangen würde.

Dann lief ich in seinem Arbeitszimmer herum und suchte nach einem Späher. Doch so sehr ich mich bemühte, ich konnte keinen finden. Langsam verlor ich meine Luzidität völlig.

Sascha kam zurück und beugte sich wieder über die Karte. Plötzlich sah ich eine kleine Spinne, die aus der Karte herauskrabbelte. Sie sprang mich an und klebte an meinem Hemd.

“Die ist aber aufdringlich”, meinte ich.

Ich wischte sie weg. Sie fiel zu Boden und lief ein Stück weit weg. Plötzlich verwandelte sie sich in eine Heuschrecke und hüpfte wild umher. Im nächsten Moment war ich in meiner alten Wohnung. Ich wunderte mich über dieses seltsame Tier, das sich so einfach verwandeln konnte, aber ich dachte in meiner Unbewusstheit nicht daran, dass es ein Späher sein könnte.

Dann erwachte ich. Nun war ich viel zu wach, um mich noch auf weitere Traumerfahrungen einzulassen. Ich schaute auf die Uhr. Es war 9.00 Uhr. Zeit zum Aufstehen.

Es war interessant zu sehen, wie sich die Späher in das Traumgeschehen einmischen, wenn man nicht mehr luzide ist. Sie scheinen dann häufiger aufzutauchen, in der Hoffnung, meine Aufmerksamkeit einzufangen. Der Übergang war für mich dieses Mal gut mitzuverfolgen. Der Späher war einfach aus der Karte herausgekrabbelt, so, als hätte er sich in die Realität gebeamt, in der ich mich gerade befand. Für ihn ist es ein Leichtes, die Realitäten zu wechseln. Er ist wie ein Vorläufer, ein Wegweiser, der einen mit in ferne Realitäten nehmen kann. Man muss nur seine volle Aufmerksamkeit auf ihn richten und dann nimmt er einen mit…

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8 Kommentare zu “Traumnacht: Das Land Ozhei

  1. Nachtrag: Ich habe einmal nachgesehen, welcher Wochentag denn der 22.12.2008 gewesen ist. Es war ein Montag. Interessant, dass Sascha in dem Folgetraum meinte, es wäre Montag.
    Liebe Grüße, Jonathan

  2. Hi Jonathan!

    Ich sehe eine Verbindung bzw Hinweis zwischen den Träumen, den Du übersehen hast. Du bewegst die Socken mit der Kraft Deines Geistes, also warum bewegst Du nicht die Zeit selbst?

    Es ist so gemeint, wie es da steht: Traum-Ich reist in der (Traum-)Zeit vs. die (Traum-)Zeit reist im/auf/mittels dem Traum-Ich!

    Sorry, finde meinen Geistesblitz gerade selbst ziemlich genial, weil es eine totale Umkehr in Betrachtung und Handlung ist. Meinem Alltags-BW ist keine “vernünftige” Erklärung[1] zugänglich, dem Traum-BW schon. Mein Traum-Ich ist willens Dir das traumseitig zu erklären & vorzuführen. Via Kennung kannst Du mich gerne anpeilen …

    Eigentlich ist es doch ziemlich “trivial” Traumdinge zu manipulieren/verändern, da Dinge zu verändern der linearen Vernunft und dem Alltagserleben vertraut sind via SciFi, Comics oder Kunststoffe mit besonderen Eigenschaften oder Töpfern oder Kuchen backen. Da die Traum-Zeit eben so erträumt ist, sollte dies auch mit ihr möglich sein. Das Vehikel bzw der Behälter “Traum-Ich” ist natürlich auch “nur” erträumt; deren Verhalten und Fähigkeiten sind glücklicherweise nahe zu unabhängig vom Verstand (ist der nicht auch erträumt?).

    Wahrscheinlich ist sie auch Dir aufgefallen, diese ganz neue Frage: WIE erträumen wir das Traum-Ich?! Auf einem Traumkörper reduziert ist die Frage fast bedeutungslos. Erlebnisse, wo man nur als BW-Punkt existiert, sind da schon interessanter (so lange man bemerkt, dass das Wort “Punkt” schon wieder einer Annährung an Körper/phys. Welt ist). Natürlich ist dieser Fragenkomplex wie ein Fraktal, weshalb ich das Bedürfnis verspüre hineinzuzoomen. ;-)

    [1] man könnte Zeit ja schlicht als gerichtete Partikel/-Welle sehen … (siehe Star Trek “Gestern, heute, morgen”, oder “Der erste Kontackt”)

    PS: Rückmeldung erwünscht (bevorzugt erst einmal per Email) ;-)

    Thx für den Traumbericht!
    Grüße
    Thomas

  3. Hallo Thomas,
    danke für Deinen Kommentar. Übersehen habe ich das nicht. ;-) Natürlich hast Du völlig Recht, mit dem, was Du an Theorie vorbringst. Mir ist das auch völlig bewusst. Doch das war nicht Gegenstand meiner Traumaufgaben und Zielsetzungen. Wieso dem so war, erklärte ich auch in dem Traumbericht.
    Liebe Grüße, Jonathan

  4. was eine hammer erfahrung! das hat mich auch was motiviert und werd wieder mehr mit träumen machen! danke jonathan! gruss heiner

  5. Hallo Thomas,
    wir können uns gern einmal im Traum treffen. Gibt es da bei Dir die Möglichkeit, Dich bei mir einzuklinken, weil ich, ohne den Menschen vorher mal getroffen zu haben, so meine Schwierigkeiten damit habe. :-)
    Liebe Grüße, Jonathan

  6. bin total begeistert von deinen erfahrungen,bin noch weit am anfang mit meinen luzid träumen,und wach oft zuschnell wieder auf -.- , hab vor kurzen dann paar dinge gelesen die man beachten sollte damit der traum länger bleibt,vll bringt es ja was… aber was mich noch viel mehr interessiert :

    was für ein ort mag wohl Ozhei sein^^ interessiere mich schon ewig für träume undso und wollte auch fragen,ob und wie es möglich ist das man sich zum beispiel, mit anderen ner freundin oderso in einem traum verabredet/trifft,also ob sie in meinen traum gelangen kann oder ich in ihren,muss man da was bestimmtes beachten, oder nen bestimmten gemeinsamen ort abmachen oder wie?weiß das jemand ;)

  7. Hallo Sarim,
    danke für Deinen Kommentar.
    Man kann die Träume anderer betreten, wenn man ein Traumwanderer ist. Aber wenn man sich in seinem Astralkörper trifft, dann kann das jeder.
    Liebe Grüße, Jonathan

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