Traumnacht: Neues vom Mönch

Nach meiner unglaublichen Nahtoderfahrung war ich in meinem Umfeld als ziemlich verrückt befunden worden. Die Menschen steckten ihre Köpfe zusammen und tuschelten über mich. Sie lachten, wenn ich an ihnen vorbei ging oder wandten sich ab und grüßten mich nicht mehr. Mein Weg zur Kirche war, wie immer, ein sehr schöner Weg. Die vielen Hecken und ansehnlichen Vorgärten begleiteten mich. Die Kirche, in der ich immer wieder arbeitete, besaß ein sehr großes Katakombensystem. Zu diesem hatte die Öffentlichkeit auch Zugang und konnte sich in einigen Hauptgängen beliebig umschauen. Natürlich gab es auch noch geheime Gänge, die nahezu keiner kannte, aber diese wollte auch niemand verraten. Die Hauptgänge, in denen die Menschen sich frei bewegen konnten, führten unter der Kirche her und ermöglichten es, auf drei verschiedene Weisen die Katakomben wieder zu verlassen oder zu betreten.

Heute war etwas anders. Am Haupteingang zur Kirche standen mehrere junge Leute, die mich wohl zur Rede stellen wollten. Sie hatten von meiner Erfahrung gehört und wollten mit mir sprechen. In ihren Augen sah ich bereits, dass sie sich ihre Meinung über meine Erfahrung schon längst gebildet hatten, ohne mich auch nur einen Moment angehört zu haben. Die Welle an Vorurteilen schwappte mir entgegen, als sie sich mir in den Weg stellten.

“Ach, der Mönch! Wie geht es Ihnen denn heute? Haben Sie wieder Lichter gesehen?”

Zwei andere, die neben ihm standen, lachten. Dann trat eine Frau vor mich. Sie war eine Transsexuelle und hatte sich ziemlich aufgebrezelt. Ein langes, lilanes Kleid mit tiefem Ausschnitt, rot gefärbtes Haar und angeklebten Fingernägeln.

“Wissen Sie, Herr Mönch, wir haben eine Erklärung für Ihre tolle Erfahrung gefunden. Möchten Sie diese hören?”, sagte sie und schaute mich breit grinsend an.

“Lassen Sie mich raten! Entweder machen Sie sich lustig über meine Erfahrung oder Sie interpretieren diese so lange um, bis sie wissenschaftlich erklärbar ist und mit meiner Erfahrung, so, wie ich sie erlebt habe, kaum noch etwas zu tun hat”, antwortete ich.

Die drei lachten. Mittlerweile waren noch einige Leute dazu gekommen und hörten interessiert zu.

“Ja, richtig”, meinte die Transsexuelle”, “Nummer 2 trifft zu. Das ist alles wissenschaftlich erklärbar. Sauerstoffmangel und sich bildende Gifte im Blut und so. Ist doch klar. Und was sie da gesehen haben, das war das Licht von der Untersuchungslampe, die man über Ihnen eingeschaltet hatte. Bei Sauerstoffmangel kommt es halt vor, dass man seine Umgebung nur schwer korrekt interpretieren kann.”

Ich musste innerlich grinsen, denn ich wusste, was ich erlebt hatte: “Ich muss Sie leider enttäuschen, aber die Erfahrungen von der anderen Seite, die ich erlebt habe, sind Einblicke in eine andere Welt gewesen. Ich weiß, dass man in unserer Welt nicht daran glaubt und sehr skeptisch ist, aber wenn ich auf der Straße ein Auto sehe, dann weiß ich, dass es ein Auto ist und kein Zebra. Und genau so, wie ich das mit Sicherheit sagen kann, so kann ich auch mit Sicherheit sagen, dass das, was ich erlebt habe, der Wahrheit entspricht.”

Sie lachten ein wenig abfällig und wandten sich ab. Ich ging dann in die Kirche.

In den Katakomben wollte ich nach dem Rechten schauen, weil hier manchmal Jugendliche herumhingen und Bier tranken. Kaum war ich auf dem Hauptgang, spürte ich, wie mich mehrere der Leute verfolgten, die vorhin bei der Diskussion dabei gestanden hatten. Sie waren vielleicht 20 Meter von mir entfernt. Ich hörte, wie sie hinter mir tuschelten und lachten. Sie wollten sich einen spaß daraus machen, mich zu verfolgen.

Diesen Spaß konnten sie haben, dachte ich mir, und beschleunigte meinen Schritt. Nach vielleicht 30 Metern bog ich in einen Nebengang ab und nutzte eine kleine versteckte Tür, die für gewöhnlich niemand kannte. Ich lief dann eine Treppe herunter, die zu einem anderen Gang führte. Plötzlich höre ich, wie oben jemand die Tür öffnete und ebenfalls die Treppe benutzte. An den Schritten konnte ich hören, dass es sich um eine Person handelte, nicht mehr. Sie wirkte leichtfüßig und vermutlich weiblich.

Kurze Zeit später stand ich am anderen Ende der Kirche auf der Straße, vielleicht 50 Meter von einer Verkehrsstraße entfernt. Ich ging gelassen den Weg zurück und schaute mir wieder die Vorgärten einiger Häuser an.

Plötzlich spürte ich, wie jemand von hinten an mich herantrat. Ich drehte mich um. Da erblickte ich eine Frau, vielleicht Ende 20, die mich lächelnd ansah.

“Guten Tag. Ich dachte, ich begleite sie ein Stück”, meinte sie.

“Aber gern!”

Und so gingen wir langsam durch einige der kleinen Straßen spazieren. Sie war ziemlich klein, vielleicht gerade mal 1,60 m groß, hatte langes, blondes Haar und eine zierliche Figur. Eine hellblaue Bluse und Jeans trug sie.

“Mein Name ist Alexandra Schultz, aber nennen Sie mich ruhig Alex. Ich habe von Ihrer Erfahrung gehört und kann Ihnen nachfühlen, wie es Ihnen momentan geht. Die Menschen hier glauben an solche Dinge überhaupt nicht. Ihr Bewusstsein ist noch nicht so weit, um solche Informationen aufnehmen zu können.”

“Und Sie glauben daran?”, fragte ich neugierig.

“Natürlich. Ich habe sogar ein Buch darüber geschrieben. Doch leider mit sehr schlechten Verkaufszahlen, denn wie gesagt, hier glaubt niemand daran.”

“Haben Sie denn auch schon eine Nahtoderfahrung erlebt?”

“Nein, bisher nicht, aber ich reise manchmal außerhalb meines Körpers. Wenn ich außerhalb meines Körpers bin, dann wundere ich mich immer wieder, wieso dort niemand anzutreffen ist. Es ist eine Welt für sich, allein und verlassen. Man trifft selten jemand, der sich auch interessiert. Ich hörte aber von anderen Realitäten, die fast so sind wie unsere, und in denen soll es mehr geben, wie wir. Im Moment komme ich mir aber so vor, als wäre ich der Dinosaurier und die anderen die Aufgeklärten, aber in Wirklichkeit ist es ja genau anders herum.”

“Da haben Sie Recht!”, sagte ich und wir lachten.

Wir unterhielten uns noch eine Weile, bis sie plötzlich meinte, dass sie jetzt noch eine Verabredung hätte.

“Hier ist mein Auto!”, meinte sie zu mir.

Wir standen vor der buntesten Ente, die ich je in meinem Leben gesehen hatte. Sie besaß zur Grundfarbe Grün, aber mit einer gemalten Sonne darauf, einem Auto mit Menschen darin, die winkten, Wolken, Wiese und andere verrückte, infantile Bildchen. Es waren Zeichnungen, wie sie Kinder malen würden, aber doch recht schön gemacht und nicht kricklig.

Sie holte ihre Schlüssel heraus und nickte: “Gut, dann werde ich jetzt mal fahren. Ich würde mich freuen, wenn wir uns wiedersehen.”

“Die Freude wäre ganz auf meiner Seite”, entgegnete ich und wir gaben uns die Hand.

Danach stieg sie in ihren Wagen und nach einigen Versuchen fuhr sie dann auch schon los.

Kurz darauf erwachte ich in meinem Bett.

Zuerst fiel mir die große Gegenwehr der anderen Leute gegenüber solchen Erfahrungen auf. In dieser anderen Realität scheint es so zu sein, dass derartiges Wissen überhaupt noch nicht akzeptiert wird. In unserer Realität ist man da mittlerweile schon etwas weiter. Es gibt Kinofilme darüber, massenhaft Bücher und über 8 Millionen registrierter Nahtodeserfahrungen allein in Amerika. In dieser anderen Realität jedoch scheint es anders zu sein. Mein Leben als Mönch Johannes, so kommt es mir so vor, ist dort ein wahres Pionierleben, denn er ist wohl nur einer der ganz wenigen, die den Anfang machen.

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4 Antworten für “Traumnacht: Neues vom Mönch”

  1. Nicole sagt:

    Grandioser Traum Jonathan!
    Darf ich fragen in welchem “Zeitalter” Du als Mönch Johannes lebst? Denn auch in unserer Realität stoßen ja Nahtoderfahrungen und ähnliche Erlebnisse noch sehr häufig auf Ablehnung. Brotlose Diskussionen kenne auch ich nur zu gut.

    LG
    Nicole

  2. JonathanJonathan sagt:

    Hallo Nicole,
    anhand der Verkehrsstraße und der bunten Ente im 70er-Jahre-Look würde ich sagen, dass es schon mindestens das 20. Jahrhundert ist. :-) Ich vermute, dass diese Realität zwischen 1975 und 2009 liegen kann.
    Es ist richtig, dass es auch heute noch viele Menschen gibt, die an solche Dinge nicht glauben können/wollen, aber in der Realität des Mönchs schien das noch viel stärker auf Gegenwehr zu stoßen.
    Liebe Grüße, Jonathan

  3. Nicole sagt:

    Hallo Jonathan!
    Ja, ich denke auch, dass Mönch Johannes mit seiner Nahtoderfahrung gerade in seiner Position in unserer 2009-Realität sicher mehr Anklang findet. Interessant zu hören ist, dass es noch mehr materialistisch denkende Realitäten gibt, als die unsere.
    Bin gespannt, was Du als Pionier Johannes weiteres erleben und bewegen kannst!
    LG
    Nicole

  4. JonathanJonathan sagt:

    Hallo Nicole,
    richtig, das hat mich auch überrascht, dass es anscheinend noch viel materialistischere Welten gibt. Unsere ist also nicht nur am Katzenschwanz zu suchen. ;-) Liebe Grüße, Jonathan

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