Das Kollektivbewusstsein

Ich war nur einige Minuten lang eingenickt, als ich plötzlich wieder erwachte. Deutlich konnte ich spüren, dass ich in meinen zweiten Körper gewechselt hatte. Derweil lag ich mit dem Gesicht zur Wand und konzentrierte mich darauf, mich aufzurichten. Ich hatte einige Probleme damit und dachte mir dann, dass ich besser versuchen sollte, mich aus meinem Körper herauszudrehen. Dabei drehte ich mich nach rechts, einige Male um die eigene Achse. Anstatt mich jedoch aufzurichten oder im Nebenzimmer zu landen, nahm ich ganz plötzlich eine Stimme wahr. Es war eine Frauenstimme, die irgendwas erzählte. Sie sprach dabei nicht mich an, sondern sie schien mit sich selbst zu sprechen. Ich drehte mich noch ein paar Mal um die eigene Achse und dann hörte ich wieder eine Stimme.

Dieses Mal war es eine männliche Stimme. Auch sie schien mit sich selbst zu sprechen. Da verstand ich! Durch diese Rotationstechnik hatte ich es geschafft, mich mal wieder in das kollektive Bewusstsein einzuklinken, manche nennen es auch die Akasha-Chronik. Dort kann man jeden Gedanken einer jeder Person aus einer beliebigen Zeitepoche belauschen oder Informationen aus gewünschten Bereichen der Geschichte erhalten. Für mich selbst fand ich diese Ebene nie sonderlich interessant und besaß daher nicht so viel Übung, hier kontrolliert heranzugehen, aber ich konnte einige Gespräche und Gedanken von einigen Personen mitverfolgen.

Irgendwann versuchte ich mich dann wieder aufzurichten. Als ich es nicht schaffte, teleportierte ich mich einfach aus meinem Schlafzimmer heraus ins Ungewisse…

“Hey, cool, komm mit! Wir gehen einen trinken. Meine Mofa steht da vorne, die können wir nehmen”, meinte jemand zu mir.

Er war sehr dick und hatte einen dichten, schwarzen Vollbart und lief dann auch schon los.

Hm, dachte ich, wo bin ich denn hier gelandet? Auf den Straßen standen einige völlig veraltete Autos. Darunter ein alter Ford Capri, ein C4 und ein VW und andere. Wer fährt denn noch solche Autos? Außerdem sahen die Autos so unbenutzt aus, obwohl es uralte Modelle waren. Die Menschen auf den Straßen waren so bunt angezogen, dass ich lachen musste. Wenige Sekunden später verstand ich, wo ich hier war! Ich war in der Zeit gereist und in den 70er Jahren gelandet!

“Ich bin ja hier in den 70ern gelandet! Oh man!”, sagte ich laut.

“Was meinst du?”, fragte mich der Typ.

“Ach nichts, ich finde es hier nur so lustig…”, log ich.

“Da vorne ist meine Mofa! Eh, cool, die steht da immer noch! Wusst’ ich’s doch!”

Er lief zu der Mofa und schloss sie auf. Es war eine uralte Zündapp, wenn ich mich nicht irrte. Sie war selbst für die 70er noch ein uraltes Modell.

“Die springt doch bestimmt nicht mehr an! Schau mal, wie alt das Ding ist!”, meinte ich lachend.

“Doch… doch… die ist cool. Die fährt.”

Begeistert warf er sich auf den Sattel und trat kräftig in die Pendale. Die Kiste sprang tatsächlich an!

“Hah! Siehste! Läuft!”, rief er laut.

Er gab ein paar Mal Gas, doch dann sah ich, dass die Mofa einen Platten hatte. Ich wies ihn darauf hin.

Dann schaltete er die Mofa wieder aus und schaute sich den Vorderreifen an: “Oh man! Scheiße! Jetzt müssen wir doch laufen…”

“Wo gehts denn hin”, fragte ich.

“Ja, man, in den Park.”

Wir liefen dann ein Stück. Irgendwann kamen wir dann zu einem Themenpark. Er war jetzt nicht so groß wie der Europa-Park oder das Phantasialand, sondern mir kam es eher vor wie eine sehr verkleinerte Version davon. Es gab ein paar Karussels, Andenkenläden und ein paar andere Shops.

“Eh, pass auf! Ich muss dir mal wen vorstellen!”

Er führte mich dann zu einem Restaurant. Das Wetter wahr herrlich und einige Leute saßen draußen an weißen Tischen auf weißen Plastikstühlen. Er begrüßte einige seiner Freunde, die dort saßen und Bier tranken, und stellte mich ihnen vor. Dann platzierte er mich neben einer Frau mit langen, braunen Haaren, Jeans und einer olivgrünen Natojacke. Sie wirkte ein wenig zurückhaltend und schaute mich misstrauisch an. Später kamen wir dann trotzdem ins Gespräch:

“Was hältst du von Ufos?”, fragte sie gerade heraus.

“Oh je… ich weiß es nicht.”

“Nein, sag mal! Was denkst du darüber? Glaubst du an diese Dinger?”

“Also ich glaube schon, dass es sie gibt. Das Weltall ist viel zu groß, als dass weiteres Leben unmöglich wäre. Außerdem können sie doch in ihrer wissenschaftlichen Entwicklung weiter sein als wir. Das kann ich mir schon gut vorstellen!”

“Ja gut, aber glaubst du, dass die hier auf unserer Erde herumschwirren?”, beharrte sie auf ihrer Frage.

Ich horchte in mich hinein. In einem Traum kann man nicht nur die Oberfläche seiner eigenen Persönlichkeit wahrnehmen, die in meinem Fall mit Sicherheit geäußert hätte, dass sie an Ufos glaubte, aber in meinem gegenwärtigen Zustand nahm ich auch andere Teile meiner Persönlichkeit wahr, die das alles teilweise unterschiedlich betrachteten: “Also, ich glaube auf jeden Fall an Ufos, als Konstrukt zumindest, aber ob die mir wirklich in Deutschland begegnen würden, während ich an einer roten Ampel halte oder spazieren gehe, das ist mir dann doch zu real, als dass ich völlig überzeugt davon wäre.”

“Das dachte ich mir”, meinte sie und nickte wissend. “Weißt du, ich bin von Ufos entführt worden. Ich habe noch heute daran zu knabbern. Es war nicht einfach für mich.”

Sie war offensichtlich eins dieser Entführungsopfer. So viel ich wusste, gab es diese aber eigentlich nur in Amerika. Bisher hatte ich persönlich noch von keinem Entführungsopfer in unserem Land gehört.

“Bist du dir da sicher?”, fragte ich. Damit wollte ich nicht ihre Erfahrung relativieren, sondern wollte nur sicher gehen, dass sie aufrichtig zu mir war.

“Ja. Ich weiß, was ich erlebt habe.”

Dann kamen plötzlich zwei andere Freundinnen und begrüßten sie ganz aufgeregt. Sie wollten mit ihr sofort irgendwo hin. Sie erhob sich vom Stuhl und schaute mich noch kurz an:  “Hier, komm nachher dahin!”, meinte sie und verschwand.

Es war ein Comic mit schwarzweißen Bildern, den sie mir in die Hand gedrückt hatte. Ich blätterte ihn durch und fand dann eine Adresse von einem der Shops, die es wohl hier in diesem kleinen Park gab.

Kurze Zeit später verabschiedete ich mich von dem bärtigen Mann und wollte mir ein wenig den Park ansehen. Es gab viele asphaltierte Wege und oft gab es diese kleinen Mauern aus Steinen, die mir auffielen. Einige der Besucher saßen oft auf ihnen und unterhielten sich, ruhten sich aus oder aßen etwas.

Nach einiger Zeit beschloss ich, diesen Comicshop aufzusuchen. Ich konnte ihn mir ja schon mal anschauen…Am Boden entdeckte ich dann einen weiteren Comic. Es war der gleiche, den sie mir geschenkt hatte. Er lag dort und während der Wind mit seinen Seiten spielte, erwachte ich. Später sprang ich noch in einige andere Traumrealitäten hinein.

Dieses Mal fand ich den Zeitsprung in die 70er Jahre so spannend. Die Leute, die Autos, diese ganzen Farben waren schon erstaunlich. Jeder hatte Jeans getragen, aber wirklich jeder Einzelne. Ich war überrascht, dass damals wirklich jeder so herumlief. In Deutschland mochte es vielleicht noch schwächer gewesen sein, was diese extreme Mode betraf, aber es fiel schon auf. Irgendwie gefielen mir die Autos viel besser als die Autos heutzutage. Sie wirkten irgendwie süßer und individueller. Es gab auch einige richtige heruntergekommene Autos, bei denen man befürchtete, sie würden jeden Moment auseinanderfallen. Heutzutage gibt es soclhe Schrottautos nicht mehr. Entweder kommen sie nicht mehr so leicht durch den TÜV oder es ist heutzutage einfacher an ein neues Auto zu kommen als damals. Reparaturen kosten mittlerweile auch sehr viel und man überlegt sich schnell, ob man sich nicht ein neues Auto gönnen soll. Eine verrückte Zeit, aber wesentlich geschlossener esoterischem Gedankengut oder Ufos gegenüber als heute. Witzigerweise fand ich vor ein paar Stunden einen Trailer auf einen neuen Film mit Milla Jovovich, in dem es um Entführungen vonseiten Außerirdischer gehen soll. Es ist auch immer wieder erstaunlich, dass in den Träumen bestimmte Informationen schneller ankommen als sie im Alltag in Erscheinung treten.

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2 Kommentare zu “Das Kollektivbewusstsein

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