Traumnacht: Die Kleinstadt

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Der Samstag ist für mich nicht unbedingt der Tag, an dem man ausgeht oder wild Cocktails trinkt, bis man müde ins Bett fällt, sondern der “Traumtag”. An diesem Tag wird alles für das Träumen getan. Vielleicht einige Videos übers Träumen im Internet geschaut oder auf Webseiten anderer Träumer gesurft oder halt in einem Buch gelesen, welches das luzide Träumen zum Thema besitzt.

Ich erinnere mich noch ganz gut an das letzte Mal. So hatte ich mich am letzten Samstag um ca. 0.00 Uhr hingelegt und mir vorgenommen, mit einer Schlafunterbrechung zu arbeiten. Dabei stellte ich meinen Wecker auf 4.00 Uhr und wollte danach eine Weile aufbleiben, nur um mich im Anschluss wieder hinzulegen. Diese Vorgehensweise wird als WBTB-Technik bezeichnet, d.h. Wake-back-to-bed-Technik. Es ist dabei nicht immer einfach, in aller Frühe aus dem Bett zu krabbeln und nicht einfach den Wecker wieder auszuschalten und sich alles andere als quickfidel auf die andere Seite zu drehen und weiterzuschlafen.

Hat man es geschafft, sich aus dem Bett zu schälen und eine Weile wachzubleiben, kann es gut sein, dass man dann wieder Schwierigkeiten hat, erneut einzuschlafen. Ziel dieser Vorgehensweise ist die wissenschaftliche Messung, dass man in den ersten drei Stunden ausschließlich mit Tiefschlafphasen zu tun hat und dass nach ca. 3-5 Stunden die sogenannten REM-Phasen azftauchen. Die REM-Phasen sind allein für das luzide Träumen so begehrenswert, weil in dieser Zeit die meisten Träume verzeichnet werden können. Für mich persönlich eine zusätzliche Herausforderung, da ich mich eigentlich darauf programmiert habe, nicht länger als 4-5 Stunden am Stück zu schlafen, um außerkörperliche Erfahrungen zu provozieren. Denn bei mir tauchen die außerkörperlichen Erfahrungen überwiegend nur in den Tiefschlafphasen auf, die ja in der ersten Hälfte der Nacht durchlaufen werden. Dies mag sich dann ein wenig beißen, wenn Jonathan plötzlich meint, dass in der heutigen Nacht Zeit für luzides Träumen ist…

Lange Rede kurzer Sinn, nachdem ich es geschafft hatte, eine Weile in der Nacht aufzubleiben, legte ich mich wieder ins Bett. Es dauerte sicherlich eine Stunde, bis ich meinen Körper wieder dazu bringen konnte, einzuschlafen. Kaum war ich eingeschlafen, wechselte ich in meinen zweiten Körper und flog erst einmal ein wenig durch die Lüfte.  Diese Erfahrungen waren jedoch sehr kurz und ich kam immer wieder in meinen Körper zurück und war dann erst einmal wieder wach. Gegen 6.00 Uhr morgens traten dann die ersten kurzen luziden Eindrücke auf.

Gerade befand ich mich noch wach im Bett, so befand ich mich im nächsten Augenblick in einem mir unbekannten Raum. Dort erkannte ich zwei Männer, die auf Bürostühlen saßen und mich anschauten. Offensichtlich war dies ein kleines Büro und es wurde gerade Geschäftliches diskutiert. Ich fragte mich, ob ich ihnen gerade ohne jede Vorankündigung einfach in diesem Büro erschienen war oder ob ich mich in eine Szene eingeklinkt hatte, in der ich ein anderes Selbst von mir übernommen hatte. Ich vermutete, dass es sich eher um letzteres handelte und nickte grinsend, als hätte ich die ganze Zeit brav aufgepasst. Doch nichts lag ferner, denn ich hatte keinen blassen Schimmer, worüber sie sich gerade unterhalten hatten.

Plötzlich begann die Umgebung instabil zu werden. Alles verschwamm vor meinen Augen und ich drohte wieder in meinem Bett aufzuwachen… Also riss ich meine Hände hoch und schaute auf meine Handflächen. Eine alte, indianische Technik, um die Traumklarheit wiederzugewinnen. Doch es war schon zu spät, denn ich konnte nur noch eben meine Hände erkennen und erwachte kurz darauf in meinem Bett.

Wenige Minuten später konzentrierte ich mich erneut. Und wie aus heiterem Himmel stand ich plötzlich inmitten einer Bar oder Kneipe. Die Kneipe war leer und nur drei Männer saßen auf Barhockern an der Theke und tranken ihr Bier. Ich ging einige Schritte und stabilisierte erst einmal die Umgebung. Einer der Männer an der Bar schaute sich um und sah mich. Er prostete mir kurz mit seinem Bierchen zu, doch kaum war dies geschehen, wurde die Umgebung wieder unklar und ich erwachte in meinem Bett.

Ich dachte in meinem Bett darüber nach, wo ich mich dort nur hingebeamt hatte. Weder waren mir die Personen bekannt, noch erkannte ich das Büro oder die Kneipe. Jedenfalls tauchten jetzt die ersten REM-Phasen auf und ich versuchte mich luzide in sie einzuklinken. Das schrie doch glatt nach einem weiteren Versuch, also konzentrierte ich mich noch einmal…

Plötzlich befand ich mich auf einer Wiese. Ich schaute eine Straße herunter. Eine Kleinstadt. Vielleicht ein paar tausend Einwohner. Sie wirkte eher wie eine dieser klassischen Vororte der größeren Städte in den USA. Eine lange Straße und rechts und links diese Holzhäuser mit langen Querlatten, welche in der einen oder anderen Farbe gestrichen waren. Ich ging ein wenig diese Straße herunter und schaute mir die Gegend an. Ein schönes, friedliches Plätzchen in Amerika, dachte ich mir. Es war bereits dunkel geworden und ich blickte hinauf in den Sternenhimmel. Ja, er sah genau so aus wie in meiner Realität. Dann schlenderte ich wieder zurück und mir kam eine Frau entgegen. Schlank, blond und trug ein elegantes, eng anliegendes graublaues Kostüm. Sie schritt auf mich zu und begrüßte mich mit einem Kuss.

“Hallo Schatz, da bin ich wieder”, sagte sie.

Ich lächelte und begrüßte sie ebenfalls. Dann durchwühlte ich das Update, um zu erfahren, wer diese Frau denn sein könnte… Es handelte sich um meine Ehefrau. Sie ist Schauspielerin und hatte auf ihren vielen Reisen mal wieder einen Tag Zeit für mich. Wir führten zwar eine Ehe, aber es war eine sehr lockere. Ich wusste, dass sie auch hier und da mal nette Bekanntschaften mit sexuellem Interesse verfolgte, aber in meinem Fall war es nicht viel anders. Heute kam sie von einer ihrer Reisen zurück und ich nahm ihre Tasche, als wir zu unserem Haus gingen.

Unser Haus war ein gemütliches, dunkelgraues, kleines Holzhaus, das neben einigen anderen dieser Art stand. Vor den Fenstern mit diesen aufklappbaren, romantischen Fensterflügeln und diesen Doppeltüren, wie man sie aus Amerika kennt. Vor diesem Haus hatte ich gerade noch auf der Wiese gestanden, kurz nachdem ich in diese Realität eingetreten war.

Ich öffnete die Tür und ließ sie eintreten. Dann folgte ich, aber als ich die Türschwelle überschritt, schoss ich wieder zurück in meinen Körper…

Jetzt konnte ich beim besten Willen nicht mehr weiterschlafen und beschloss, aufzustehen. Der Tag wartete auf mich.

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2 Kommentare zu “Traumnacht: Die Kleinstadt

  1. Ich wusste ja gar nicht dass diese Technik mit Schlafunterbrechung bereits einen Namen hat und etabliert ist! :) Auf jeden Fall hatte ich damit immer die eindruckvollsten Erfahrungen sammeln können.

    PS: Castaneda als “alte indianische Technik” – ich musste schmunzeln ;)

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