Traumnacht: Im Walt Disney Schlafanzug…

alternative realitäten, jonathan dilas, walt disney, schlafanzug, kindheit, piraten, traum, traumerinnerung, traumtagebuch, traumwelten, träumeIch bin ein Kind und liege in einem Etagenbett. Ich trage einen hellblauen Frottee-Schlafanzug mit Donald Duck auf der linken Brust und einem Walt-Disney-Schriftzug darunter. Aber ich liege oben! Und von dort hat man die Übersicht! Es ist dunkel und man sieht kaum die Hand vor Augen. Doch es gibt einen geheimen Schlupfweg. Das Etagenbett steht nicht ganz an der Wand, wegen der Schräge, und wenn ich mich dahinter runtergleiten lasse, komme ich nicht in dem Bett unter mir an, sondern in einer fremden Welt. Gerade eben war ich noch in einer bunten Welt mit großen, leuchtenden Pflanzen und viel Meer. Von dort habe ich mir ein kleines Tier mitgenommen. Es hat große Augen und schaut mich gerade richtig ängstlich an. Ich hätte es nicht mitnehmen sollen, ich weiß! Eigentlich hätte es dort bleiben sollen, aber nun habe ich es mitgenommen und wenn ich wieder dort in dieser anderen Welt lande, dann werde ich es wieder zurückbringen. Eigentlich möchte ich es mir nur kurz anschauen und es ein bisschen kennenlernen. Es ist so wahnsinnig spannend! Ich habe hier ein Tier aus einer anderen Welt! Wer hat so was schon? Ich find’s cool!

Oh, jetzt bin ich gerade eingeschlafen. Verdammt! Wo ist das Tierchen? Ah, dort ist es ja. Es muss auch eingeschlafen sein. Müde schaut es mich an. Es ist so unendlich süß und es ist ganz bestimmt harmlos! Das Tier wird bestimmt niemand vermissen! Ich glaube, es ist schon morgen und die Sonne geht auf. Gleich werde ich aufstehen und dann schaue ich mal, was ich an diesem schönen Tag unternehme. Vielleicht besuche ich meinen Kumpel von nebenan oder ich gehe in den Stadtgarten. Ich höre etwas! Was sind denn das für Geräusche da draußen? Dort ruft auch jemand etwas…

“Los! Schön die Hände hoch!

Ist es das, was ich hörte? Spielt da draußen jemand Räuber und Gendarm, oder was geschieht dort? Das schaue ich mir genauer an. Die Rollläden sind schnell hochgezogen.

Draußen erkenne ich sechs Piraten, von denen scheinbar der Kapitän mit einer schwarzen, schräg stehenden und ziemlich zerfledderten Mütze, auf der grinsend ein verbleichter Totenkopf prangt, meine Eltern und meine Schwester mit einer alten, doppelläufigen Pistole bedroht! Oh mein Gott! Das kann doch nicht wahr sein! Wo kommen die denn her?

Ich habe so viel Angst, dass ich mich nicht traue, mich zu bewegen. Wie erstarrt schaue ich weiter zu, wie die Piraten unsere Familie bedrohen. Sie scheinen etwas zu suchen!

“Was wollt ihr? Wollt ihr unser Geld?”, höre ich meinen Vater sagen.

“Nein! Was wir suchen, ist mehr wert als euer Geld! Wir wollen das Tier!”, entgegnet der Piratenkapitän mit seiner tiefen Stimme.

“Was denn für ein Tier? Wir haben hier keine Tiere! Nur unser Nachbar hat einen Hund…”, meint mein Vater.

“Wenn du uns auf den Arm nehmen willst, dann sage es gleich! Wir können dir auch gern ein Loch in deinen runden Kopf schießen. Das sähe bestimmt sehr amüsant aus!”

Und die sechs Piraten lachen laut und der Kapitän zielt nun mit der Pistole genau auf den Kopf meines Vaters! Bitte, bitte, lass ihn nicht meinen Vater erschießen! Ich muss sofort runter und ihnen das Tier geben! Ich wollte es nicht aus dieser fremden Welt stehlen! Ich habe es mir doch nur ausgeliehen! Warum kann ich mich nicht bewegen? Ich muss hinunter und ihnen Bescheid geben!

“Wir kommen morgen früh wieder und wenn ihr uns dann nicht das Tier gebt, dann werden wir euch töten! Ach, was erzähle ich! Wir werden morgen kommen, uns das Tier holen und euch trotzdem töten! Hahaha.”

Laut schallt das Lachen des Kapitäns an unseren Hauswänden wider. Das kann er doch nicht ernst meinen!

Einer der Piraten schubst meinen Vater derart, dass er gegen meine Mutter fällt.

“Morgen! Dann seid ihr dran!”, ruft der Kapitän und sie drehen sich um und gehen fort.

Endlich kann ich mich bewegen! Ich renne nach unten… Das Tier habe ich vor lauter Angst in meinem Schrank versteckt.

“Geh wieder rein!”, ruft mein Vater als ich in der Haustüre stehe.

“Aber warum? Ich hab…”

“Los, geh wieder rein!

Drinnen sitzen wir nun beisammen und beratschlagen, was wir morgen tun werden. Die Piraten werden wiederkommen und sie könnten uns allesamt erschießen. All das nur, weil ich dieses Tier mitgenommen habe. Und weil sie uns sowieso erschießen wollen, weiß ich nicht, ob ich von dem Tier erzählen soll! Was soll ich tun? Wir müssen fliehen! Und das Tier bringe ich heute Nacht schnell wieder in seine Welt zurück. Doch wird es etwas ändern? Vielleicht werden sie mich dort schnappen und dann haben sie mich und das Tier und am Morgen werden sie meine Familie auch noch zusätzlich töten.

“Ich werde mich morgen früh dort hinsetzen und dann sollen die Piraten ruhig kommen! Ich werde kämpfen!”, sagt meine Mutter und hält meine Schwester fest in ihren Armen. “Richtig, Kleines? Wir werden morgen auf sie warten und dann werden wir sie fertigmachen!”

Ich glaube, meine Mutter schafft das nicht alleine. Die Piraten werden sie erschießen und dann lachen. Das werden sie tun!

“Ich werde euch helfen!”, meint mein Vater. Auch er erkennt den Ernst der Lage nicht. Wie kann er glauben, dass die beiden unbewaffnet gegen sechs Piraten mit ihren Pistolen und Säbeln ankommen können?

“Papa, das schafft ihr nicht! Die sind viel stärker als ihr! Schau mal, die haben Pistolen und lange Säbel…”, erkläre ich.

“Wir wissen das, mein Sohn, aber wir haben keine andere Möglichkeit. Sie werden uns immer wieder finden und wir möchten auch nicht unser Haus, unser Hab und Gut zurücklassen. Wir werden kämpfen…”

“Dann lass uns aber richtig darauf vorbereiten! Ich werde helfen! Wir können doch deine Anlage benutzen und dort Pistolenschüsse aufnehmen. Sobald sie kommen, dann löse ich mit der Fernbedienung die Schüsse aus. Sie werden dann vielleicht Angst bekommen und weglaufen…”

“Du hast Recht! Wir werden uns vorbereiten! Sie sollen uns nicht kampflos bekommen. Wir werden aus unserem Haus eine Festung machen! Bis morgen haben wir Zeit, uns auf ihren Besuch einzustellen…”

Und wir erheben uns, um die Vorbereitungen zu treffen…

Dann erwache ich aus diesem verrückten Traum. Es ist dunkel. Draußen haben wir 9,4 Grad und der Winter ist mal für kurze Zeit wieder Herbst… Wir haben teilweise vergessen, wie Kinder denken und wie leicht sie mit anderen Welten spielen können…

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