Filmkritik: The Discovery – Jenseits vom Diesseits

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In sehr naher Zukunft gelingt es dem Wissenschaftler Dr. Harbor (Robert Redford) unumstößlich zu beweisen, dass es ein Leben nach dem Tod gibt und das dieses noch viel schöner als das irdische Leben ist. Dieser Beweis hat jedoch zur Folge, dass sich Millionen Menschen für den Freitod entscheiden. In Krankenhäusern sind Tafeln aufgehängt, die die bisherigen Freitode mitzählt. Eines Tages steht sein Sohn Will (Jason Segel) vor der Tür und möchte seinen Vater dazu bewegen, seinen Beweis anzuzweifeln, damit die Freitodserie ein Ende findet. Der Vater ist jedoch nicht kooperationswillig und möchte seine Entscheidung keinesfalls anzweifeln. Dann beginnt der Sohn eigene Experimente durchzuführen…

Der Anfang des Filmes ist höchst vielversprechend und zieht den Zuschauer, ähnlich einem Pageturner, direkt in seinen Bann. Die Idee, sich eine Welt vorzustellen, die das Leben nach dem Tod als Tatsache belegen konnte und wie die Menschheit darauf reagieren könnte. Eine gelungene Idee, die inspirierend und kreativ ist, sodass man sich wundert, weshalb bisher noch niemand darauf gekommen ist, eine solche Thematik überhaupt einmal zu verfilmen. Somit verbleibt der Film auch streng in seinem gewohnten Alltag und zeigt primär eine Welt, die einen depressiven und trostlosen Charakter aufweist, als ob die Hinterbliebenen einfach nicht den Mumm hatten, sich selbst für den Freitod zu entscheiden und hinüberzuwechseln.

Der Zuschauer vermutet jedoch schon früh, nach Auftauchen des Sohnes, dass die Moralkeule nicht fehlen darf, denn es darf keine Welt existieren, in der der Freitod verherrlicht wird. So erwartet man einen langweiligen Showdown. Doch so langweilig der Film teilweise dahindümpelt, überrascht er doch mit einem sehr kreativen Ende und präsentiert trotzalledem eine quantentheoretische Erklärung und vernichtet keineswegs den Glauben an ein Leben nach dem Tod, sondern wartet mit einer zweiten Chance auf, die einem nach dem Abschied begegnen mag. Somit löst der neue Regisseur Charlie McDowell einen möglichen Konflikt in nicht allzu ferner Zukunft.

Fazit: 7 Sterne. Konflikt geschickt gelöst.

Der Film ist noch nicht als DVD/Blueray erhältlich!

Regisseur: Charlie McDowell
Drehbuch: Justin Lader, Charlie McDowell
Mit: Robert Redford, Jason Segel, Rooney Mara
Land: USA 2017, 110 min.
Genre: Drama
FSK: ab 12 Jahre
Ähnliche Filme: Hinter dem Horizont, Den Himmel gibts echt
Trailer: Youtube

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2 Antworten für “Filmkritik: The Discovery – Jenseits vom Diesseits”

  1. TanjaTanja sagt:

    Ja. Nachdem ich den Film “Astral City” gesehen habe, fragte ich mich auch, warum Leute nicht freiwillig in den Freitod gehen, wenn es im Jenseits so viel schöner ist … Doch der Gedanke verblasst ja angesichts der Vorstellung, sich einen Strick um den Hals zu legen, das Messer anzusetzen oder auf den nächsten Zug zu warten. Ob Selbstmörder allerdings wirklich mit “jenseitiger Sanktion” zu rechnen haben, habe ich an anderer Stelle schon einmal kritisiert. Die These enstand meines Wissens nach im christlichen Mittelalter, könnte aber auch auf die Antike zurückgehen … Behauptet wird, dass derjenige, der seinen “Todeszeitpunkt” früher induziert, als es für ihn geplant war, seine so “gespeicherte” Zeit in einer jenseitigen Dunkelwelt verleben muss – demnach solange dort verweilen muss, bis sein natürlicher Todeszeitpunkt gekommen wäre. Ähäm. Fragt sich bloß, welchen Sinn es hätte, jemanden seine Lebenszeit “nachsitzen” zu lassen, ohne ihm die Möglichkeit zu geben, die Zeit sinnvoll zu nutzen. Nicht sehr pragmatisch. Ich glaube das also nicht. Ich denke, dass jeder – egal ob er nun Selbstmord begeht oder nicht – möglicherweise in einer “unfreundlichen” Welt landen kann, durch Verwirrung, Schock, Desorientierung and so on … Dass dies eventuell auf Selbstmörder häufiger zutrifft, mag sein, doch diese jahrhundertelange Stigmatisierung des Selbstmörders ist sogar heute noch in manchen Foren höchst en vogue. – Als ob wir alle noch in biblischen Zeiten lebten, in welcher der Aussätzige a) tunlichst zu meiden und b) nur von jemanden wie Jesus zu erlösen ist! Leider wird sogar im Film “Hinter dem Horizont” die zu rettende Frau des Protagonisten als “unrettbar” dargestellt, da Selbstmörderin. Mission impossible. Sicher ist es hier bewusst eingesetzte Dramaturgie, damit die Prämisse, dass nur die Liebe alles überwindet, auch richtig aufgeht – und dennoch: Solange Thesen wie Tatsachen daherkommen, wird nichts besser.
    Ein anderer, mittlerweile in die Jahre gekommener Film, beschäftigt sich ebenfalls mit dem Lebenn nach dem Tod: “Rendevouz im Jenseits”. Der Film ist aus den 80er Jahren, Meryl Streep darf man hier mit ihrem bezaubernden Lächeln bewundern. Ich sah den Film als Kind, damals verstand ich weder die Bonmots noch den Wortwitz, doch das Wesentliche blieb schon haften … ;) Aus heutiger Sicht, immer noch frisch, amüsant, und – wenn ich mir eine Empfehlung erlauben darf – sehenswert.

  2. Hallo Tanja,
    danke für Deinen Kommentar. :-)
    Da schließe ich mich ganz Deiner Meinung an. Wer sich für den Freitod entscheidet, den treffen keine Sanktionen. Der einzige Unterschied besteht darin, dass die Person vielleicht eine gewisse Zeit eine Art Ersatzprogramm ausführt, aber das ist jetzt nicht negativ oder in alles umnebelnder Dunkelheit angelegt. ;-)
    Liebe Grüße, Jonathan

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