Filmkritik: Hobbit – Eine unerwartete Reise

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“Doppelter Augenschmaus in 3D Maximum HFR”

Der Drache Smaug wird von der Goldgier der Zwerge angelockt und übernimmt ihr wundervolles Heim und ihren geliebten Berg. Seit diesem Zeitpunkt sind die Zwerge heimatlos und irren in den umliegenden Ländern umher. Doch der Zauberer Gandalf nimmt sich viele Jahre später der Aufgabe an und plant, den Zwergen dabei zu helfen, ihre Heimat wieder zurück zu erhalten. Dazu sucht er den Hobbit Bilbo auf und benutzt sein Haus für ein verschwörerisches Treffen der 13 berüchtigsten Kampfzwerge, um einen Schlachtplan zu erstellen. Gandalf appelliert an Bilbos verkümmerten Abenteuergeist und kann ihn dazu überreden, sich mit auf die lange und vor allem recht spontane Reise zu begeben…

Lang Ding will Weile haben und so habe ich mir erst heute die Gelegenheit gegeben, den ersten Teil des fantasiereichen Filmepos “Der Hobbit” anzuschauen und dies sogar in vollem 3D Maximum mit stolzer Premiere der neu angewandten HFR-Technik. Wie man sicherlich weiß, werden üblicherweise 24 Bilder pro Sekunde an das menschliche Auge gesendet, wenn man sich einen Film anschaut, doch im Falle von “Der Hobbit” wurde mit HFR (Higher Frame Rate) gearbeitet, d.h. nicht nur in 3D, sondern auch mit einer verdoppelten Bildrate von 48 Bildern pro Sekunde.

Der Effekt, der bei dieser Technik auftritt, ist, dass mehr Details wahrgenommen werden. Auch bemerkt man in den Action-Szenen, dass mehr Eindrücke aufgenommen werden und den Einsatz von Bullet-Time nahezu überflüssig macht. Man kann hierbei jedoch nicht behaupten, dass der ganze Film in Zeitlupe abliefe, aber durch die höhere Bildrate entsteht ansatzweise der Eindruck, als würden die zeitlichen Abläufe auf eine leicht veränderte Weise verlangsamter dargestellt. Es beeinflusst dabei jedoch kaum das optische Vergnügen oder warte mit inakzeptablen Neuheiten auf, sondern erhöht den Filmgenuss ungemein. Doch muss man an dieser Stelle auch erwähnen, dass diese neue Technik die Gesichter der Schauspieler ein wenig künstlicher aussehen lässt, das Gehirn überhaupt ziemlich in Anspruch nimmt und die neu eingesetzte Bildrate sicherlich eine Grenze anschneidet, die bisher zwischen angenehm und unangenehm unbemerkt ihr Dasein fristete. Nahezu drei Stunden lang doppelt so viele Bilder als gewöhnlich aufzunehmen, kann den Kopf wirklich etwas strapazieren. Dies bemerkt man auch zunehmend im letzten Drittel des Films und vor allem nach der Vorstellung. Die Wahrnehmung ist leicht beschleunigt, fast hektisch, und man erlangt erst nach einiger Zeit wieder seine gewohnte Wahrnehmungsgeschwindigkeit zurück. Dies liegt aber zuletzt nicht auch an dem rasanten Tempo, der in dem Film vorgegeben wird. So beginnt er nahezu unschuldig, entspannt und ruhig, nur um den Zuschauer daraufhin mit deliziösen Landschaftsaufnahmen und bezaubernden Computerarrangements, mit faszinierenden Kulissen, Masken und minutiöser Bergzwerg-Atmosphäre zu bezirzen. Ist man in die Welt erst einmal eingetaucht, wird gekämpft, gerannt, gesprungen und vor allem viel gefallen – vor allem in Schluchten, Täler und von atemberaubend hohen Felswänden und höchst instabil aussehenden Holzbrücken. In den spektakulären Kampfszenen, in denen sich die Zwerge gegen Trolle, Wölfe, Orks und anderes Gesocks beweisen muss, taucht mitunter auch der altbekannte Gollum wieder auf und fasziniert mehr denn je mit seiner perfekt überarbeiteten und außerordentlich schizophrenen Mimik sowie seiner amüsierenden Vorliebe für gewiefte Denkrätsel. In dreidimensionaler Perspektive ein ganz besonderes Vergnügen, wenn die hohe Anzahl an Close-ups nahezu den gesamten Sichtbereich der 3D-Brille ausfüllen und man jede noch so geringe Reflektion in den Augen dieses einst transformierten und mit Amnesie behafteten Hobbits erkennen darf.

Der Länge wegen wird in der Hälfte des Filmes eine 15-minütige Pause veranschlagt, die aber auch auf gemischte Gefühle trifft. Eben noch bei den Elben im wunderschönen Bruchtal und im nächsten Moment befindet man sich auf der Toilette mit cremefarbener Keramik. Will sagen, man wird ziemlich streng aus der Welt gerissen und taumelnd wieder hinein gestoßen. Doch der erneute Einstieg fällt leichter als gedacht.

Doch quälen den Zuschauer auch am Rande einige andere Denkrätsel, z.B. aus welchem Grund die Zwerge so weit ins Land hinausgezogen waren, wenn der Drache doch nur den Berg besetzte, sich im Gold der Zwerge labte und dort sein Lager bezog. Oder dass die Zwerge am Rande einer Schlucht in Bäumen hängen, der langsam umfällt und sie von fliegenden Riesenadlern gerettet werden – aber nach der Rettung nicht ein Zwerg diesen Umstand auch nur im Geringsten in Frage stellte oder es gar mit einer Silbe erwähnte, als wäre es geradezu alltäglich, wie das glückliche Auftauchen einer Straßenbahn im strömenden Regen, auf die man eben mal aufspringt. Auch ist der Plot ein wenig dünn und in einem Satz erzählt. Es fehlt darum einfach der High-Fantasy-Sinn des Ganzen und ruft nach einer größeren Bedrohung als nur den Zwergen ein neues Heim zu beschaffen. Trotz alledem ein hervorragendes filmisches Kunstwerk, wie man es auch von “Herr der Ringe” gewohnt ist und man hört sich still denken, warum zu dieser Zeit nicht schon auf diese Filmtechnik zurückgegriffen wurde. Sicherlich hätten sich massig viele HDR-Fans über einen dreidimensionalen Legolas oder Aragorn gefreut.

Fazit: Sehenswert mit Besucher-Rekordwerten. Man sollte sich beim Anschauen des Filmes nicht zu sehr auf das Buch verlassen. 8 von 10 Sternen.

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Regie: Peter Jackson
Mit:  Martin Freeman, Ian Holm, Ian McKellen, Christopher Lee
Buch: J.R.R. Tolkien
Genre: Fantasy, 169 min.
Land: Neuseeland, USA und England

Teil 1: Der Hobbit – Eine unerwartete Reise
Teil 2: Der Hobbit – Die Einöde von Smaug (folgt)
Teil 3: Der Hobbit – Hin und zurück (folgt)

Trailer

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