Traumnacht: Die Burg

Traumnacht Nachtträume

Riesig türmte sich die Burg vor meinen Augen auf. Das Burgtor, die Zinnen, der große Platz davor und die große Wiese. Hatte ich diese Burg nicht schon einmal gesehen? Doch, ja, da springen mir einige Bilder ins Gedächtnis, aber sie verschwinden wieder genau so schnell, wie sie gekommen waren. Welch seltsamer Ort…

“Ein interessanter Platz hier, oder?”

Ich drehe mich nach rechts. Eine junge Frau stand dort. Langes, blondes Haar, schlank, helle Augen und ein Grinsen im Gesicht. Sie trug Jeans und eine unifarbene Bluse.

“Ja, das finde ich auch”, antwortete ich ihr.

“Hier kommen viele Menschen hin. Dieser Platz ist etwas Besonderes.”

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Jetzt, wo sie es erwähnte, empfand ich es ebenso. Der Platz strahlte etwas Besonderes aus, eine innere Kraft. Es war mir fast so, als war ich schon einmal hier gewesen.

Ich schaute mich um und fühlte ich in mich hinein… atmete tief durch und dann entdeckte ich dieses Gefühl… es war befremdlich, selten, keins der Gefühle, die man so kennt. Es war so, als wollte mir dieses Gefühl etwas mitteilen. Es war ganz seicht, leicht zu ignorieren, aber es hatte mein Interesse geweckt. Es sagte mir… natürlich! Ich befand mich in einem Traum! Ich träumte!

“Mensch, ich träume”, sagte ich laut vor mich hin und schaute dann zu der blonden Frau.

Sie blickte mich mit einem breiten Grinsen an! Sie hatte es die ganze Zeit gewusst! Seit dem ersten Moment unserer Begegnung wusste sie, dass ich träumte, aber mir meines Zustandes nicht bewusst gewesen war.

“Du wusstest es die ganze Zeit, stimmts?”, fragte ich.

“Ja.”

Ich sparte mir die Zeit, sie darüber auszufragen, wieso sie mir keinen Tipp gegeben hatte. Verdammter Träumerkodex. Entweder du schaffst es von allein, dir deines Zustandes in einem Traum bewusst zu werden oder du bleibst so doof wie alle anderen.

Wir befanden uns gerade auf dem großen Vorplatz der Burg. Gewiss an die hundert Leute liefen hier herum.

“Hast du Zugriff auf deine Alltagserinnerungen?”, fragte mich die wissende Unbekannte.

“Ja, klar.”

“Dann erinnerst du dich sicher an den Film Vanilla Sky?”, fragte sie weiter.

“Natürlich. Ein sehr guter Film.”

“Dann wird es Zeit, dass du mir nun deine Fähigkeiten deiner Luzidität demonstrierst!”

Sie schaute mich auffordernd an.

“Was soll ich tun?”, fragte ich sie.

“Friere die Menschen auf diesem Platz ein…”

“Wie? Alle?”, fragte ich erstaunt.

“Ja, alle, die du hier erblicken kannst.”

“Das sind sicherlich hundert Leute!”, erwiderte ich.

Ich erinnerte mich sofort an die Szene in Vanilla Sky, als der Hauptdarsteller mit jemanden in einer Bar saß, der ebenfalls wusste, dass er träumte. Er forderte ihn auf, zu begreifen, dass die Menschen, die augenscheinlich zufällig in der Bar herumsaßen, tranken, aßen, redeten, auch nichts mit ihm zu tun hatten. Doch dies war nur seine Interpretation und Betrachtungsweise seiner gegenwärtig erfahrbaren Realität. Tatsächlich befand er sich jedoch in seinem Traum und könnte all die Menschen in der Bar mit nur einem Gedanken dazu bringen, das Reden einzustellen und ihn anzuschauen. Er reagierte ungläubig und lachte über diese Behauptung, aber dann geschah genau das. Alle Menschen stoppten mit ihren Tätigkeiten und schauten ihn an. Es war eine recht unheimliche, aber tiefgründige Szene in dem Film gewesen.

Okay, dachte ich, dann werde ich die Leute auf diesem Platz hier nun einfrieren. Ich konzentrierte mich kurz, erhob meine Hände, zog sie an meinen Körper und ließ sie dann kraftvoll nach vorn schnellen. Plötzlich verharrten alle Menschen auf der Stelle. Sie bewegten sich keinen Zentimeter mehr… Niemand konnte sich mehr bewegen! Oder? Dann entdeckte ich eine Frau mit braunen Haaren und Rastalocken. Sie bewegte sich wie in Zeitlupe. Sie versuchte, sich aus der Starre zu befreien.

“Hey!”, rief ich laut. “Ich habe dich eingefroren, also bewege dich auch nicht mehr!”

Dann “fror” sie ebenfalls ein und bewegte sich keinen Deut mehr.

“Das hast du schon ganz gut gemacht”, sagte die blonde Frau, die sich von mir nicht hatte einfrieren lassen. “Du kannst die Stärke deiner Kraft, die du gerade angewendet hast, an deiner gegenwärtigen Luzidität messen. Du bist im Moment stark luzid, du hast fast alle dazu gebracht, sich nicht mehr bewegen zu können. Dir fehlen aber noch ein paar Prozent, könnte man sagen, denn diese eine Frau hier hätte sich fast befreit. Wäre es ihr gelungen, wäre deine Luzidität vielleicht eingebrochen und sie hätten sich allesamt wieder bewegen können.”

“Wieso kannst du dich noch bewegen?”, fragte ich sie.

Sie grinste wieder, denn ich selbst konnte mir die Frage bereits beantworten. Sie war ebenfalls eine Träumerin, genau wie ich. Und aus diesem Grund war sie nicht wie die anderen. Niemand konnte sie bannen, wie ich es mit den hundert Menschen auf den Platz getan hatte.

“Jetzt versuche zu schweben”, forderte sie mich auf.

Ich konzentrierte mich. Kurz darauf hob ich vom Boden ab. Es war vielleicht nur ein Meter, aber es reichte völlig aus. Dann schwebte ich durch die Reihen der eingefrorenen Menschen. Es muss ein unheimliches Bild für einen Beobachter gewesen sein, wie ich einfach durch die Reihen der eingefrorenen Menschen schwebte. Dann gewann ich immer mehr an Höhe… immer mehr und mehr! Bis ich in die Luft flog und immer höher  raste.

Kurz darauf erwachte ich in meinem Bett. Das war ein interessanter Traum. Wer war diese Frau gewesen? Wieso kam mir diese Burg so bekannt vor?

Ich dachte noch einige MInuten über diese Frage nach, bis ich wieder einschlief. Als ich am anderen Morgen erwachte, erinnerte ich mich wieder daran, auf diesem Burgplatz gewesen zu sein. Das gleiche geschah am folgenden Nachmittag ebenfalls, als ich ein Mittagsschläfchen gehalten hatte. Auch dann träumte ich davon, mich auf diesem Platz aufgehalten zu haben.

Dass ich innerhalb von 24 Stunden drei Mal von dieser Burg geträumt hatte, ließ mich aufmerksam werden. Dann durchsuchte ich meine Traumerinnerungen nach einer Burg und wurde fündig. Ich hatte sogar zwei sehr lange Träume, in denen eine Burg vorkam, zu Geschichten verfasst: “Abschied und Rückkehr” Teil 1 und 3 sowie in dem einen oder anderen Traum ebenfalls. Langsam beschlich mich das deutliche Gefühl, dass diese Burg mit ihrem Vorplatz eine Schlüsselrealität darstellt, zu der ich immer wieder in meinen Träume zurückkehre. So, wie man vielleicht immer wieder einen Lieblingsplatz in der Stadt oder im Wald aufsucht. Nun fielen mir immer mehr Träume ein, in denen eine Burg vorgekommen war. Sogar einer meiner jüngeren Einträge in diesem Traumtagebuch, in dem ich gegen einen Ritter kämpfte, der dort spukte oder einen weiteren, in dem ich im Mittelalter lebte und einer Prinzessin diente. Ich war erstaunt, und bin es immer noch, wie oft diese Burg in meinen Träumen vorkommt.

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1 kommentiert zu “Traumnacht: Die Burg

  1. das ist eine der besten träume von dir, die ich hier gelesen habe. es muss spass gemacht haben. wenn ich mal luzid werde im traum dann schaue ich immer auf den boden und stell ihn scharf. bis ich alles genau erkennen kann. das hilkft mir sehr luzid zu bleiben. ein paar leute empfehlen auch auf hände zu kucken oder sich immer vorzusagen man träumt.

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