Träumen und Pirschen: Verschachtelte Realitäten (Teil 21)

Spukhaus‘Pirschen und Träumen’ ist die Weiterführung von ‘Ein Haus im Osten’ und eine Rubrik, in der ich irgendwo im Osten jenseits der Zivilisation, vom Landleben, meinen Erlebnissen sowie von seltsamen, magischen und spannenden Erfahrungen berichte. Für Castaneda-Fans genau das Richtige…

Nachdem ich meine Sachen in meinem neuen Zimmer in Elias’ Haus verstaut hatte, ging ich nach unten in den Garten. Ein großes Tipi zierte das Zentrum und weiter rechts gab es eine größere Sitzgruppe mit einem großen Holztisch, zwei Bänken und mehreren Stühlen. Elias saß bereits auf einem der Stühle und verbrachte bei angenehmen Wetter meist den ganzen Tag draußen. Auf einem Tisch stand frisch gebrühter Kaffee und eine Karaffe mit prickelndem und fluoridfreien Brunnenwasser. Die Sonne schien angenehm warm und ich fand einen gemütlichen Platz in einem Sonnenstuhl.

Wir verbrachten den Nachmittag im Garten, bis gegen Abend Nikita von ihren Einkäufen zurückkehrte. Später gesellten sich noch einige Bekannte hinzu, die gerade Zeit besaßen, um vorbeizukommen. Darunter befand sich auch Elfi. Sie reist jedes Jahr in die amerikanischen Reservate und besucht dort einige Indianer, die sie kennen und zu schätzen gelernt hat. Gern berichtet sie dann von ihren Erlebnissen.

Nun saßen wir zu sechst im Garten, tranken Kaffee, Tee und Alkohol. Während wir uns dort unterhielten, fiel mir auf, dass sich meine Wahrnehmung veränderte. Während man stets davon ausgeht, nur eine Realität, sprich die Alltagsrealität wahrzunehmen, teilte sich diese bei mir jedoch in ungefähr sechs Realitäten auf. Sie waren wie Facetten der Alltagsrealität bzw. ich konnte erkennen, dass meine Wahrnehmung des gewöhnlichen Alltags stets in der Breite ablief. Es ist schwierig zu erklären, wenn man es nicht selbst einmal erfahren hat, aber normalerweise gleitet man mit seiner Wahrnehmung über den Rand des Alltags, d.h. über mehrere Realitäten hinweg und selektiert hierbei nur die Oberflächlichkeiten. In meiner Wahrnehmung jedoch konnte ich diese unsichtbaren einzelnen Realitätsfacetten festhalten und tiefer in sie eintauchen. Es war, als würde ich jede Realität, aus der unser Alltag besteht und nur als eine einzelne wahrgenommen wird, in ihre Facetten aufteilen, anhalten und dann die Wahrnehmungsrichtung ändern. Mir war diese Wahrnehmung sehr vertraut und hatte sie bereits des Öfteren erfahren. Es ist immer wieder aufregend derart wahrzunehmen, weil man hier Dinge sehen kann, die den Menschen für gewöhnlich völlig entgehen.

Zur näheren Erklärung dieser Wahrnehmung: Man stelle sich sechs Fässer vor, die mit unterschiedlichen Flüssigkeiten gefüllt sind. Geht man nun an diesen Fässern vorbei, kann man anhand der sechs Oberflächen erkennen, um welche Flüssigkeit es sich jeweils handelt. Alle sechs Flüssigkeiten zusammen ergeben beispielsweise eine Gesamtflüssigkeit, die man gewöhnlicherweise benutzt. Man weiß jedoch überhaupt nicht, ob sich unterhalb der Oberfläche noch etwas befindet. In meinem Fall wäre es damit vergleichbar, dass ich mit meiner Hand in jedes Fass hineingreifen und unterhalb der Oberfläche erfühlen kann, ob sich darin noch etwas befindet oder wie tief das Fass überhaupt ist. Sollte sich irgendwas in einem der Fässer verstecken, würde es mir sofort auffallen. Als Beispiel meiner Wahrnehmungsart hatte ich mal vor Jahren eine Szene aus einem Film auf meine Webseite hochgeladen, damit man sich dies ein klein wenig besser vorstellen kann.

Während wir also dort saßen und uns unterhielten, konnte ich also mit meiner veränderten Wahrnehmung sechs Realitäten ausmachen. Jede einzelne war thematisch angeordnet und in jeder von ihnen ging es somit um ein anderes interessantes Thema. Es waren alltägliche Themen, aber eine dieser Realitäten fiel mir besonders ins Auge! In dieser war ich ein wenig irritiert, denn ich hatte das absolut deutliche Gefühl, dass sich gerade jemand auf der Toilette befand und eben aufgestanden und dorthin gegangen war.

“Wer ist denn gerade auf der Toilette?”, fragte ich in die Runde.

Alle lachten.

“Nein, da ist niemand. Wir sind von Anfang an zu sechst hier und sind es immer noch. Wir sind also im Moment komplett”, meinte Nikita.

Ich blickte misstrauisch in die Runde. Tatsächlich, wir waren im Moment komplett und niemand war gerade ins Haus verschwunden.

Danach glitt ich weiter durch die anderen Realitäten und musste hin und wieder lachen, weil mir Elemente auffielen, die den anderen offensichtlich entgingen, aber war kein Problem für mich, derart wahrzunehmen, da ich aufgrund meiner Erinnerung wusste, wie die anderen wahrnahmen. Unter diesen Umständen gelang es mir, die Wahrnehmung der anderen beteiligten Personen verstehen zu können, während ich eigentlich eine ganz andere besaß.

Nun tauchte abermals die Realität auf, in der ich das Gefühl besaß, jemand sei ins Haus gegangen und wieder fragte ich nach, wer denn gerade hineingegangen ist.

“Niemand ist hineingegangen. Wir sind alle hier!”, bekam ich zur Antwort und es wurde erneut gelacht.

Indes dachte ich darüber nach, woher ich diesen Eindruck eigentlich hatte erhalten können. Immerhin vertraute ich meinen Wahrnehmungen nur allzu gut und bin nicht der Mensch, der sich in solchen Punkten in Zweifel zieht. Demnach waren wir also sieben Personen, von denen fünf davon ausgingen, dass wir nur zu sechst waren und der Sechste etwas mitbekommen hat, obwohl es ihm normalerweise auch entgangen wäre. Eine interessante Kombination, dachte ich und spekulierte weiter:

Wenn wir also tatsächlich sieben Personen sind, scheint sich eine absichtlich in einer der sechs Realitäten zu verbergen. Es ist, als wäre diese siebte Person ganz bewusst aus den anderen fünf Realitäten herausgegangen und in die sechste eingetreten oder die sechste Realität stellt eine Spur dar, um einen Kontakt zu ihr zu bekommen. Ich überlegte, ob ich nun aufstehen und ins Haus gehen sollte, aber ich fühlte, dass dies nichts bewirken würde, denn sobald ich ins Haus ging, würde ich wieder die Realität wechseln und ein leeres Bad auffinden. Somit musste ich also versuchen, irgendwann einmal diese unbekannte Person zu erwischen. So schaute ich jedes Mal aufmerksam in die von mir wahrgenommenen Realitäten, doch leider verblieb nicht mehr als das sichere Gefühl, dass wir zu siebt waren und wir allesamt nur insgesamt sechs Personen wahrnehmen konnten.

Wer war diese unsichtbare Person? Woher war sie gekommen? Warum verbarg sie sich so geschickt vor uns? Meinem Gefühl nach schien es sich um einen Mann zu handeln, aber ich war mir nicht gänzlich sicher. Kurz überlegte ich sogar, ob es sich um einen Doppelgänger handelte, vielleicht sogar um meinen, der zwischendurch einfach fortging. Die Spekulationen nahmen zu, aber ich konnte keine Antwort finden.

Wir saßen dort bis in den frühen Morgen. Am nächsten Tag sollte um 10 Uhr mein Workshop zum Thema Astralreisen beginnen. Langsam wollte ich dann doch mal ins Bett gehen und die erste Nacht in meinem neuen Zimmer verbringen, das mir Nikita und Elias so liebevoll in ihrem Haus eingerichtet hatten (s. Teil 20).

Unterstütze den Matrixblogger mit einer kleinen Spende... :-)
Du kannst unten einen Kommentar hinterlassen.

2 Antworten für “Träumen und Pirschen: Verschachtelte Realitäten (Teil 21)”

  1. Elias sagt:

    Erinnerung an Anno dazumal;
    Wer war diese unsichtbare Person? Dein Doppelgänger
    Woher war sie gekommen? Hast ihn sicher mitgebracht bzw. erzeugt durch was auch immer
    Warum verbarg sie sich so geschickt vor uns? Ich hab ihn gesehn, er/sie/es schaute aus dem Toilettenfenster als du bei uns allen warst, ich habe ihn als “du” wahrgenommen (kann ja auch eine Verkleidung gewesen sein), ich wunderte mich, wieso du auf der Toilette aus dem Fenster schaust, hattest du sonst nie gemacht und etwa zur gleichen Zeit hast du dann auch noch etwas gesagt worüber alle lachten ausser ich selbst.

  2. Jonathan Jonathan sagt:

    Hallo Elias,
    danke für Deinen Kommentar.
    Ich weiß nicht, wer diese andere Person war, aber sie versteckte sich in der einen Realität unter vielen. Es mag sein, dass es mein Doppelgänger war. Darüber hatte ich ebenfalls nachgedacht, aber sicher war ich nicht, weil ich niemanden sah.
    Liebe Grüße, Jonathan

Hinterlasse einen Kommentar

Powered by WordPress