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Die Geschichte der Camille Monfort – Vampirin, Hexe oder Heilige?

Es rankten sich viele Gerüchte um Camille Monfort (1869-1896), der so genannten Vampirin des Amazonas. War sie eine Vampirin, Hexe oder Heilige?

Camille Monfort, la Vampiresa del Amazonas, (1869-1896) war eine der auffälligsten berühmten Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts und es ranken sich noch heute die verrücktesten Geschichten um diese junge Frau. Sie lebte im Amazonasgebiet bei Belém in Brasilien und war eine beliebte Opernsängerin, vermutlich aus Frankreich. Mit ihrem Einfluss und Auftreten gewann sie in allen möglichen höhergestellten Positionen und verhalf Brasilien zu mehr Reichtum durch den globalen Verkauf von Kautschuk.

Sie erregte zuerst Aufmerksamkeit im Alter von 19 Jahren durch einen gelungenen großen Opernauftritt im “Theatro da Paz” mit wunderschöner Musik und französischer Lyrik. Ihre Musik und Stimme waren derart ergreifend und schön, dass so manches Mal einige Zuhörer in Ohnmacht fielen. Doch ihr Privatleben war überraschend anders, denn manche sagten ihr nach, sie sei eine Hexe, andere glaubten, sie wäre eine Vampirin, die einst von einem Blutsauger in London gebissen worden sei.

Während die Männer sie verehrten und ihr zu Füßen lagen, heizte ihre Schönheit die Eifersucht der Frauen an und sie intrigierten an allen möglichen Stellen, um ihr irgendwie zu schaden oder sie loszuwerden.

Camille Monfort im Mondenschein

Camille Monfort wurde nämlich gelegentlich dabei beobachtet, wie sie halbnackt im Mondenschein tanzte und den warmen Regen genoss. Zudem trug sie gern vornehmliche, aber pechschwarze lange Kleider. Ihr überaus blasses Gesicht habe im Mondenschein mysteriös geleuchtet. Häufig wurde sie an den Ufern des Guajará-Flusses gesichtet und so mancher Spaziergänger wurde von ihrem Tanz in den Bann gezogen. Camille liebte es, nachts spazieren zu gehen und wurde häufig dabei gesichtet.

Viele der Quellen behaupten zudem, dass Camille Monfort paranormale Fähigkeiten besessen habe, wie das Kommunizieren mit Verstorbenen und noch einige andere weitaus spektakulärere. Sie war in der Tat an Okkultismus und Spiritismus, der in dieser Zeit Furore besaß, interessiert. Hierzu hatte sie sich einem geheimen Kult angeschlossen, der sich zuweilen in den Palästen von Belém traf.

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Spiritistische Sitzung 19 JH.

In spiritistischen Sitzungen rief sie die Geister aus dem Jenseits herbei, die sich in dichtem ätherischen Nebeln aus ektoplasmatischen Material zu manifestieren schienen und manchmal sogar wie weißes Gewebe aus ihrem eigenen Körper heraustrat. Dies waren zweifellos die ersten Manifestationen dieser Art, was später als Spiritismus bezeichnet wurde.

Außerdem sei sie in der Lage gewesen, ihre Stimme so einzusetzen, dass die Männer ganz verrückt nach ihr wurden. Manche behaupteten darüber hinaus, dass sie unsterblich wurde, als sie sich im Alter zwischen 16 bis 18 Jahren dazu entschlossen hatte, absichtlich von einem englischen Vampir gebissen zu werden. Danach habe sie die Unsterblichkeit erreicht, konnte sich in eine Fledermaus verwandeln und sich sogar unsichtbar machen.

Cholera in Brasilien

Man sagte darüber hinaus, dass die derzeitige Cholora (1891-1896) Camille den Tod gebracht habe und daraufhin wurde sie im Alter von 27 Jahren in einem Mausoleum auf dem Friedhof Soledade in Belém beigesetzt. Ihre Gruft wirkt wie aus einem Märchen, mit einer kunstvoll verzierten Tür und einem alten Schloss versiegelt. Ihr Sarg ist mit einer weiblichen Büste aus feinstem Marmor geschmückt und an der Wand im Grabraum hängt das Bild einer schwarz gekleideten Frau, welche sich gothisch in Szene setzt.

Camilles Sarg ist leer

Doch in einer dunklen Nacht machte sich ein Grabräuber an ihrem Sarg zu schaffen und öffnete ihn, in der Hoffnung, sie trüge noch Schmuck. Als er ihren Sarg öffnete, so schwor er, war er leer! Einige Gerüchte behaupten, dass sie in Wirklichkeit eine Vampirin gewesen sei, die hier und da mal ihren Tod inszenierte, um nicht aufzufallen. Sie soll ihre sieben Sachen zusammengepackt haben und sei in ein anderes Land verschwunden.

Einige erklären mit voller Überzeugung, Camille habe sich 1896 nach Europa abgesetzt und lebe gegenwärtig dort im tatsächlichen Alter von mindestens 150 Jahren. Noch heute wird sie in der brasilianischen Folklore besungen als die Vampirin des Amazonas, die sich vom Blut junger Männer ernährte. In Brasilien geht man davon aus, dass sie mit der “La Llorona” (der weinenden Frau) verwandt sei, einer weiteren bekannten Figur in der lateinamerikanischen Folklore.

Existierte Camille Monfort wirklich?

Es gibt auch einige Menschen, die erklären, dass die ganze Geschichte um Camille Monfort nur eine Sage oder gar eine völlig erfundene Geschichte sei, um Klicks in den Sozialen Medien zu erhalten oder von einem Fantasy-Autor entwickelt wurde. Dies zu recherchieren, was wirklich dran ist an der (einstigen) Existenz von Camille, erforderte daher eine tiefere Recherche:

Es gibt einige Hinweise, die bei oberflächlicher Recherche durchaus darauf hindeuten könnten, das alles nur erfunden wurde, wie beispielsweise das Foto auf dem Titelbild (s.o). Das Foto soll die wahre Camille Monfort darstellen, ist aber ganz klar von einer KI erzeugt worden. Hinweise dabei sind u.a. das Notizbuch, das nicht sonderlich real aussieht und die Anordnung der Knöpfe der Bluse, die sehr unregelmäßig ist. Ein Punkt für die erfundene Geschichte.

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Original ———————– KI erzeugt

Bild gefälscht?

Das Bild stellte sich jedoch in weiteren Recherchen nicht als eine beabsichtigte Fälschung heraus, sondern als die Aufbearbeitung des Originalbildes mit Hilfe einer KI, um es aufzuhübschen. Auf dem Originalbild (l.) erkennt man, dass es nicht unbedingt von einer KI erzeugt wurde. Somit ist zu vermuten, dass das Originalbild durchaus authentisch sein könnte, auch wenn ihr Typ etwas modern wirkt für die damalige Zeit und daher Zweifel bestehen lässt.

Über Camilles Herkunft wird im Internet noch kräftig spekuliert, jedenfalls war sie keine Brasilianerin, sondern kam, laut Angaben, eines Nachts mit ihrem Geliebten, Francisco Bolonha (1872-1938), Architekt, aus Europa an, der sie mitgebracht hatte. Ein weiterer guter Recherchepunkt ist also dieser Geliebte und dessen Lebenslauf, da er eine bekannte Persönlichkeit darstellt…

Das Bolonha Mansion und Palacete Bolonha

Und tatsächlich, noch heute existieren einige seiner berühmtesten Bauwerke in Belém, das Bolonha-Mansion (Bolonha-Villa) und der Palacete Bolonha (Bolonha Palast). Dies bestätigt seine Existenz und vor allem auch die Aussage, dass die geheimen Treffen eines paranormalen Kultes in einem Palast in Belém stattgefunden haben könnten, denn der Palast gehörte ihm.

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Franciso Bolonha

Also ihr Geliebter, Franciso Bolonha, existierte tatsächlich und sein Lebenslauf passt durchaus gut zu der Geschichte über Camille: Er trat, als gebürtiger Brasilianer, im Alter von 18 Jahren in die Polytechnische Schule von Rio de Janeiro ein, wo er seinen Abschluss in Ingenieurwissenschaften und Architektur machte. Nach seinem Abschluss reiste er nach Europa und erhielt Einfluss von Innovationen im Einsatz von Eisen- und Hydrauliktechnologien. Als er nach Brasilien zurückkehrte, wendet er dieses Wissen in öffentlichen Arbeiten und Privatpalästen an.

Der Ingenieur starb 1939 im Alter von 67 Jahren. Sein Todesdatum verrät zudem, dass die Gerüchte darüber, dass Camille Männer aussaugte, nicht ernst zu nehmen sind. Ebenso wäre hier vielleicht sogar ein Motiv vorhanden, dass Camille ihren Tod derart aufwändig vortäuschen musste, um ihren einflussreichen und sehr reichen Geliebten loszuwerden. Wer weiß?

Camille Monfort kam aus Frankreich

Mehr zu Camille: Allem Anschein nach stammte sie tatsächlich aus Frankreich. Der Name Camille Monfort ist französischer Abstammung. Er kommt aus dem Französischen und Bretonischen, ein Siedlungsname, der von einem der zahlreichen Orte namens Montfort stammte – von altfranzösisch ‘Hügel’ (Mont) sowie von “fort, stark, uneinnehmbar (lateinisch: fortis).

Camille Monfort Vampire
Foto aus dem Mausoleum

Laut eines Zeugen unserer gegenwärtigen Zeit, der auf dem Friedhof Soledade in Belém im Viertel Batista Campos gewesen ist und dies auf Trip-Advisor veröffentlichte, bestätigte die Existenz des Mausoleums mit folgenden Worten: “Viele berühmte Persönlichkeiten halten sich dort auf: Die Sklavin Anastasia, Camille Monfort, Generäle und sogar eine Prinzessin, und viele andere, die durch die Choleraepidemie umgekommen sind. Auf Camilles Mausoleum steht die Inschrift: “Hier ruht Camila María Monfort (1869-1896) Die Stimme, die die Welt in ihren Bann zog”.” Hinzu kommt dieses Foto, das offenbar in ihrem Mausoleum gemacht wurde.

Offenbar existiert Camille auch weiterhin in einigen Legenden Brasiliens und geben klare Hinweise, dass sie wirklich existiert hatte – andernfalls gäbe es wohl nicht ihr Mausoleum auf dem erwähnten Friedhof. Ob sie über die angegebenen paranormalen Fähigkeiten tatsächlich verfügte oder gar eine Vampirin war, bleibt offen. Jedoch war es zu dieser Zeit auch beliebt, sich mit okkulten Wissen zu beschäftigen, auch in Brasilien, wo dies jahrhundertelange Tradition besitzt. Was jedoch die vielen manipulierten und veränderten Fotos betrifft, die es über sie gibt, kann durchaus zu Unstimmigkeiten führen und vermischt Wahrheit mit Legenden.


Quellen:
Vocal Media
Vanilla Magazine
Villains History Blog
Erevollution Blog
Acasasen Horial Blog

2024-04-03

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