Die andere Seite: Jagdsaison

Die “Andere Seite” ist eine Traumrealität, in der unentwegt um Bewusstheit gekämpft wird. Sie ist ein sehr wertvolles Gut und wird dort gehandelt wie Geld in unserer Welt. Diese andere Realität kann einen Menschen zu einem Verlierer machen, wenn man nicht genügend Bewusstheit besitzt und wiederum zu einem König, wenn man viel davon aufbringen kann. Einiges ist dort anders als hier, auch wenn die Personen, Natur, Gebäude, Straßen, Kleidung usw. mit der aus unserer Welt nahezu identisch sind. Es gibt gelegentlich Abweichungen, die aber während des Aufenthaltes dort meistens nicht unbedingt gleich ins Auge fällt, vielmehr erst im Nachhinein. Diese Realität besuche ich gelegentlich und heute Nacht besonders häufig. Immer wieder erwachte ich, nur um kurz danach wieder präluzide oder luzide in diese andere Realität einzutauchen…

Ich komme in einem Zug zu mir. Neben mir befindet sich Esther. Wir sind auf dem Weg zu einem Spukhaus, zu dem man uns eingeladen hatte, um es uns anzuschauen und zu überprüfen. Der Zug ist seltsam aufgebaut: Auf der rechten Seite befinden sich drei Reihen Sitzgelegenheiten und auf der linken nur eine. Auch weisen alle Sitze in Fahrtrichtung und nicht wie bei unseren Zügen, abwechselnd. Dies bedeutete, dass der Zug in einem Bahnhof einmal im Kreis fahren musste, um die Lok wieder in Fahrtrichtung zu bringen. Außerdem befand sich am Ende eines Wagons in Blickrichtung ein Bildschirm auf jeder Seite, der abwechselnd die anderen Wagons zeigte oder das Vorankommen des Zuges aus der Luftperspektive gekoppelt mit einem GPS-Signal.

Der Umgang mit GPS ist in dieser Realität sehr stark vertreten. So erinnerte ich mich gleich an eine Situation, in der ich ganz offiziell über eine Art Anruf bei der “Auskunft” mithilfe eines GPS-Signals geortet werden konnte, damit ich einen Teleportationszugang zu einem anderen Ort erhielt. Manchmal muss man auch gegen Fabelwesen kämpfen, wie Werwölfe oder Vampire. Obwohl von müssen kann man nur sprechen, wenn man nicht genügend Bewusstheit besitzt.

Kurze Zeit später befanden wir uns in einem Hotel. Wir packten unsere Sachen aus, um sie in den Schränken zu verstauen. Esther ging ins Bad und ich schaute aus dem Fenster und schaute mir die Stadt an. Plötzlich hörte ich Geschrei und Türenknallen auf dem Flur. Nein, es war kein Türenknallen, sondern jemand hatte geschossen! Wenige Augenblicke trat jemand gegen unsere Zimmertür.

Ich rannte sofort ins Bad, um Esther zu warnen. Doch sie war verschwunden! Dann blickte ich in den Spiegel und überlegte: Die Situation war seltsam. Die friedliche Realität hatte sich in einen Krimi verwandelt und fremde Leute mit Schusswaffen standen vor meiner Zimmertür und Esther hatte sich einfach in Luft aufgelöst. Dann erkannte ich mit einem Mal, dass ich mich in einem Traum befand. Es war die einzig logische Erklärung für diese seltsamen Vorkommnisse. Oh wartet, dachte ich, jetzt drehen wir den Spieß doch einmal um…

Ich öffnete die Badezimmertür und mir fielen gleich drei Männer auf, die auf mich zurannten und mit ihren Pistolen auf mich zielten. Ich nahm spaßeshalber die Hände hoch, um mich zu ergeben. Sie lachten und einer von ihnen hielt mir selbstüberschätzt den Pistolenlauf an die Brust. Dann lachte ich und mit einem Schlag mit der flachen Handkante vor seinen Oberkörper flog er mehrere Meter durch die Luft gegen die Zimmerwand und blieb bewusstlos liegen. Der nächste schoss sofort auf mich, aber die Kugeln prallten von mir ab oder gingen durch mich hindurch. So flog er im hohen Bogen aus dem Zimmerfenster und sein Freund gleich hinterher.

Auf dem Flur befanden sich weitere von den Männern. Sie wirkten, als wollten sie das Hotel einnehmen oder sie machten einfach Jagd auf mich. Ich konnte es nicht mit Sicherheit sagen. Langsam vermutete ich eher letzteres. Doch seitdem ich diese Situation als einen Traum entlarvt hatte, machte ich mir einen Spaß daraus, Katz und Maus mit meinen Verfolgern zu spielen.

Ich ging auf den Flur. Sofort wurde das Feuer auf mich eröffnet. Gleich wie in dem Film Matrix wich ich den Kugeln aus, aber es machte auch nichts, wenn sie mich getroffen hätten. Mit erstaunten Gesichtern konnten sie nicht fassen, was sie sahen. Es ging in dieser Realität eben um Bewusstheit und wer genügend davon besaß, war den anderen gegenüber im Vorteil. Eigentlich ist es in unserer Alltagsrealität genauso, nur mit dem Unterschied, dass es keinem wirklich bewusst ist. Wer einen hohen Grad an Bewusstheit erlangt, kann seine Krankheiten verschwinden lassen, reich werden, wunderschön sein oder in Ruhm und Ehre baden. Ganz, wie es einem beliebt. Doch in dieser anderen Realität war es den meisten bewusst, dass es sich so verhielt. Esther besaß beispielsweise die Kunst der Teleportation. Sie konnte sich “hinbeamen”, wo immer sie hin wollte. Dies hat sie mir sogar ein, zwei Mal in der Alltagsrealität bewiesen, doch es ist ihr persönlich leider nie selbst aufgefallen. Sie muss sich dies noch bewusst machen. Jeder Mensch besitzt jedenfalls eine besondere Eigenschaft, die das Unterbewusstsein favorisiert.

Immer mehr Männer kamen aus den Fahrstühlen und dem Treppenhaus auf den Flur gelaufen und sie alle hatten mich zum Ziel. Es war, als ob sie die Jagdsaison eröffnet hätten und mich unbedingt kriegen wollten. Doch den Spaß gönnte ich mir und mit der besten Kampfkunst und übermenschlichsten Kräften, die aus meiner gestiegenen Bewusstheit resultierten, besiegte ich sie.

Nach dem großen Kampf machte ich mir Gedanken über die Situation. Irgendwie kam ich mir vor wie in dem Film “Inception”.  Dort konnten die Träumer in die Träume anderer Menschen eindringen und diese beeinflussen. Doch wenn das Unterbewusstsein bemerkte, dass sich ein fremder Träumer eingeschleust hatte, wurde die Jagd nach dem Fremden eröffnet und es wurde versucht, ihn zu töten – womit er dann aus dem Traum hinausgeworfen und in seiner eigenen persönlichen Realität aufwachen würde. Wie sollte es anders sein, als dass ich mich hier in einem fremden Unterbewusstsein befand? Ich weiß bereits seit vielen Jahren von meiner Eigenschaft als “Traumwanderer” und allzu oft bin ich als dieser bereits in die Träume anderer Menschen eingedrungen, um zu helfen, aber in wessen Unterbewusstsein war ich nun hier gelandet???

Über diese Gedanken erwachte ich in meinem Bett. Es war auffällig still nach all diesem Trubel. Ich schloss nahtlos an meine Gedanken an: Ist diese “Andere Realität” ein Betreten eines anderen Bewusstseins? Ich erinnerte mich in diesem Augenblick an einen Traum, in dem ich mit Esther zusammen eine Mutter und einen Vater übernommen hatten. Wir waren dann sie. Leider ist es später deren Tochter aufgefallen (siehe HIER). Kam ich nun dem Rätsel dieser “Anderen Realität” näher? Kam ich mit dieser Spur etwa einer ganz neuen Bedeutung und Interpretation des Sinns des Träumens auf die Schliche…? In wessen Psyche war ich denn heute Nacht gewesen…?

Ich beschloss, noch einmal in diese Realität einzutauchen, um dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. So konzentrierte ich mich, wandte die “Body-Freeze-Technik” an und jagte auch schon wieder zurück in den Traum, aus dem ich gerade noch gekommen war…

Auf dem Weg in diese “Andere Realität” verlor ich jedoch meine Luzidität. Der Sprung zurück war vermutlich zu abrupt gewesen: Ich befand mich wieder in dem Badezimmer des Hotels. Völlig verwundert fragte ich mich in diesem Moment noch, wo ich hier war. Meine Luzidität schwankte stark bzw. war kaum vorhanden und ich konnte mich an das vorherige Traumerlebnis nicht erinnern. Dann schaute ich in den Spiegel vor mir. Ich sah viel älter aus als sonst, auch viel “fertiger”, vielleicht sogar krank. Und während ich mich anschaute, erkannte ich erneut, dass ich mich in einem Traum befand! In diesem Augenblick strahlte mein Gesicht viel mehr und ich musste nur daran denken, gesund und jung auszusehen und im nächsten Augenblick war dem auch so! Gestärkt und bewusst verließ ich das Hotelzimmer. Wo waren die vielen Angreifer? Hatte sich das Unterbewusstsein des Menschen, in dem ich gewesen war, mit meinem Rauswurf von vorhin zufriedengegeben?

Ich ging nach draußen auf die Straße. Dort wirkte alles sehr irreal. Die Menschen gingen an mir vorbei und schienen zu tuscheln. Manche warfen mir verstohlene Blicke zu. Plötzlich ging es wieder von vorn los. Die Jagdsaison war erneut eröffnet…

Share:

1 kommentiert zu “Die andere Seite: Jagdsaison

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.