Filmkritik: Vanishing Waves

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Für ein Forschungsprojekt der besonderen Art, meldet sich Dr. Lukas (Marius Jampolskis) freiwillig. Hierzu liegt er in einem Isolationstank und besitzt mittels hochmoderner Technik nun die Möglichkeit, in das Bewusstsein komatöser Patienten einzudringen. Als er seinen ersten Patienten Aurora (Jurga Jutaite) erhält, gelingt es ihm, in ihr Unterbewusstsein vorzustoßen und erlebt eine neue Welt, in der er mit ihr herumspielt, sich sexuell betätigt und sie gemeinsam seltsame Tiere am Strand beobachten. Die sexuelle Begegnung verschweigt er den anderen teilnehmenden Wissenschaftlern und so baut sich zusehends ein verwirrendes Lügengerüst seiner eigentlichen Partnerin und dem Team gegenüber auf. Lukas verliebt sich immer mehr in seine Patientin und es beginnt eine neurologische Romanze mit Leidenschaft.

Die erfolgreiche und preisgekrönte Regisseurin Kristina Buozyte stellt hier unterschiedliche Zustände des Geistes dar, Szenen mit surrealen Bildern und modern-aufdringlicher Opernmusik untermalt. Die meisten Szenen kommen mit wenig Text aus und Buozyte gelingt es mit ihren Stilmitteln, eine ganz eigene Atmosphäre zu erschaffen. Während sie anfangs mit endlos langen Stränden in natürlicher Umgebung arbeitet, nehmen irreale und verdrehte Bilder Überhand und zaubern eine abstrakte Landschaft emotionaler Höhen und Tiefen.

Wer hier Action erwartet, ist sicherlich fehl am Platz, denn es wird mit einer ähnlich akribisch-absurden Detailgenauigkeit vorgegangen, wie man es vielleicht von Lars von Trier gewohnt ist. Gewiss könnte man hier von einem Science-Fiction sprechen, doch übermittelt er keineswegs die gewohnten Muster dieser Art Filme, sondern die einzigen fiktionalen Momente sind Insekten mit mehreren Augen oder eine dunkle Sonne am Himmel. Somit bleibt Buozyte treu in der Alltagsebene, zersetzt ihr Werk  schrittweise zu einem Social Sci-Fi-Drama mit erotischen Elementen und demonstriert auf ihre ureigene Art, zu was ein liebender Mensch fähig ist. Die beteiligten Rollen gewinnen jedoch immer mehr an Unberechenbarkeit und entfremden sich dem Zuschauer völlig. So kann es mal vorkommen, dass der Protagonist gefühlte drei Minuten lang auf eine Person einschlägt, in der lauten Hoffnung, mit dieser Tat die Patientin zum Erwachen aus dem Koma zu bewegen. Lukas zerbricht immer mehr an seiner  ehrgeizigen Aufgabe und hängt sich mit vollem Herzblut hinein. So endet das dramatische Spiel am Ende doch in allzu harter Alltagsprofanität und liefert Ergebnisse bekannter Art.

Fazit: 6,5 von 10 Sternen. Sehenswert.

Regie: Kristina Buozyte
Mit: Marius Jampolskis, Jurga Jutaite, Brice Fournier
Buch: Bruno Samper, Kristina Buozyte
Musik: Peter von Poelh
Genre: Sci-Fi-Drama, 124 min., ab 18 Jahre
Land: Litauen/Frankreich/Belgien 2013
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