Traumnacht: Der Changer

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In der letzten Zeit erlebe ich des Öfteren Träume, wie z.B. “Das leckere Abendessen“, die augenscheinlich wie Filme aufgebaut sind. Solcherlei Träume habe ich bereits oft erfahren können und viele meiner Kurzgeschichten sind hiervon inspiriert worden. Ende der 90er Jahre hatte ich meine erste Webseite unter dem Slogan “Stories out of Dreams” geführt. Dabei habe ich meine Träume zu Kurzgeschichten verwandelt. Und noch heute tauchen solche Träume auf, die manchmal so spannend seind, dass ich daraus eine Kurzgeschichte verfassen könnte. Doch gegenwärtig schreibe ich diese unbehandelt in dieses Traumtagebuch hier. Nicht ganz so detailliert, wie in einer Kurzgeschichte, aber dennoch lesbar – möchte ich hoffen. Leider sind diese Träume nicht luzid. Wenn ich in einem solchen Traum luzide werde, verändert er sich sofort und ein anderes Geschehen setzt sich an diese Stelle.

Am heutigen Nachmittag in der Meditation schlief ich ein, landete dafür aber wieder mal in einer solchen Realität…

Ich war Polizist, besser gesagt, ein Inspektor, der mit seiner Partnerin Vera zu einem Fall ermittelte. Es ging um einen Mordfall, in dem ein Mann tot aufgefunden wurde. Er wurde von Kindern entdeckt, die ihn am Hinterausgang eines Hochhauses entdeckt hatten. Die Kinder hatten wir bereits befragt. Es gab jedoch noch eine weitere Zeugin namens Olga. Ich kannte sie aus der Nachbarschaft und hatte mich schon einige Male mit ihr verabredet.

“Ich kam gerade nach Hause und im Flur habe ich die Kinder schreien hören. Dann bin ich zum Hintereingang gerannt und habe den toten Mann gesehen. Er trug diese graue Hose und das weiße Hemd, das blutverschmiert war. Jemand muss ihn getötet haben, das habe ich sofort gedacht.”

“Wir haben einige Tannennadeln an seiner Kleidung entdeckt. Hier in der Umgebung gibt es keine Tannen. Was denkst du, woher diese stammen könnten?”

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“Ungefähr 10 km von hier gibt es einen Tannenwald. Ich war dort früher öfter mit meinen Eltern. Vielleicht war er dort auch…”, erklärte Olga.

Daraufhin fuhren wir zu diesem Wald. Dort angekommen irrten wir im Wald herum und versuchten einen Anhaltspunkt zu finden. Plötzlich hörten wir es rascheln. Zu unserer Überraschung entdeckten wir einen Mann im weißen Hemd. Er lief plötzlich von uns weg und wir verfolgten ihn. Leider verloren wir seine Spur.

Als wir wieder vor dem Hochhaus standen und keinen großen Schritt weiter gekommen waren in unseren Ermittlungen, glaubte Vera gesehen zu haben, dass der Mann in den Wäldern genau so ausgesehen hatte wie das Mordopfer.

“Ich sage dir, der Mann sah exakt so aus wie die Leiche, die wir gefunden haben. Sie trug sogar die gleiche Kleidung!”, versicherte Vera.

“Vielleicht hat er einen Zwillingsbruder oder etwas dergleichen”, gab ich zu Bedenken.

“Nein, das Opfer war über 50 Jahre alt. In dem Alter kleiden sich Zwillinge nicht mehr identisch. Irgendwas Seltsames geht hier vor! Das geht nicht mit rechten Dingen zu!”

“Ich muss zugeben, dass mir auch aufgefallen ist, dass der Mann im Wald die gleiche Kleidung trug, aber da wir ihn nicht gefasst haben, können wir das nicht wirklich überprüfen. Es kann auch ein Zufall gewesen sein…”

Vera schaute mich grinsend an: “Das glaubst du doch nicht wirklich! Hier ist was faul!”

Wir diskutierten das Thema weiter und ich schlug vor, Olga noch einmal zu dem Thema zu befragen. Vielleicht wusste sie etwas darüber, ob es einen Zwillingsbruder gab. Einen anderen Anhaltspunkt hatten wir nicht.

“Nur einmal rein hypothetisch: Wenn die Person aus dem Wald das Opfer war und uns die Leichenhalle bestätigt, dass das Opfer noch immer brav in seiner Schublade liegt und es auch keinen Zwillingsbruder gibt, dann ergibt der ganze Fall keinen Sinn!”, spekulierte Vera weiter.

Ich nickte. Sie hatte völlig Recht!

Plötzlich öffnete sich die Fahrstuhltür und Olga kam heraus. Sie grüßte uns nicht einmal, obwohl sie direkt an uns vorüberging.

“Hey Olga”, rief ich. “Warum grüßt du uns nicht? Ist etwas passiert?”

Sie drehte sich um und schaute mich an: “Entschuldigung, ich war ganz in Gedanken…”

Irgendwie wurde mir mulmig zumute. Olga war für gewöhnlich eine nette, aufgeschlossene Frau, die keinen Moment ausließ, um mich zu begrüßen und mit mir zu reden. Ich versuchte es mit einer Finte!

“Ach Schatz, was ist denn mit dir? Was beschäftigt dich denn so?”

Ich umarmte sie und wir gingen ein Stück. Vera blickte uns irritiert hinterher.

“Nichts ist, ich war nur in Gedanken, aber es ist lieb, dass du dich um mich sorgst…”, entgegnete Olga.

Mein Plan war aufgegangen! Ich hatte so getan, als wären wir ein Paar und sie hat entsprechend reagiert.

Ich schaute sie nun wissend an und nickte mit dem Kopf, um ihr zu zeigen, dass ich sie entlarvt hatte. Sofort griff ich zu meiner Waffe, um sie festzunehmen.

Vera kam herbeigerannt und stellte sich neben mich. Olga hob langsam ihre Hände und verschränkte sie hinter dem Kopf. Ihre ganze Ausdrucksweise, ihr Verhalten… all diese wirkten wie die eines Mannes.

Was war das für ein seltsames Wesen, das sich zuerst in das Mordopfer und nun in Olga verwandeln konnte? Ich hatte das dumpfe Gefühl, dass die richtige Olga nicht mehr lebte.

“Was ist das für ein Wesen…?”, fragte Vera nachdenklich.

“Ich glaube, es ist ein Changer, ein Formwandler, der das Aussehen anderer Menschen annehmen kann.”

An dieser Stelle erwachte ich aus dem Traum.

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