Traumnacht: Das dunkle Buch

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Heute Nacht hatte ich mal wieder einen hollywoodreifen Traum. Ich war Beobachter der ganzen Situation, wie so oft, und gleichzeitig der eine oder andere Charakter. Es war ein sehr langer Traum und leider habe ich nicht alles in den Alltag hinüberretten können. In diesem Traum waren vier Personen: ein älterer Wissenschaftler und drei jüngere Personen, vielleicht seine Studenten. Der Professor hatte aufgrund von Recherchen ein Buch entdeckt, das von einer Höhle in einem Wald berichtete. Sie waren zu dieser Höhle gefahren, um nachzusehen, ob es sie denn wirklich gibt. Als sie diese Höhle tatsächlich entdeckten, sind sie mit dem Buch hineingegangen.

Ich hatte mir das Buch genauer angesehen. Es war dick mit starkem Pergamentpapier. Auf dem braungoldenen Umschlag befand sich ein kaum sichtbares Pentagramm mit einigen Zeichen darauf. Oberhalb des Pentagramms war ein zitronengroßes, ovales, schwarzes Loch.

“Wofür ist dieses Loch hier?”, fragte einer der Studenten.

“Vermutlich hat sich einmal darin etwas befunden, was jemand entfernt hat”, antwortete der Professor. “Vielleicht war es ein Edelstein oder ein Emblem oder ähnliches gewesen.”

Der Höhlengang führte in eine riesige, unterirdische Höhle, die so groß war wie ein gewaltiger Flugzeughangar. Man konnte in dem Zwielicht nicht einmal die Decke sehen, wenn man nach oben schaute.

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“Das ist ja riesig hier!”, rief die Studentin aus und blickte immer wieder um sich.

Sie konnte ihr Glück kaum fassen, an dieser spannenden Expedition teilzunehmen. Genau so, wie die anderen beiden Studenten auch, die sich immer wieder breit grinsend anschauten.

“Ist das hier wirklich alles auf natürliche Weise entstanden? Das kann man sich kaum vorstellen?”

“Es gibt keinen eindeutigen Beweis, ob das hier auf natürliche Weise entstanden ist, aber solche riesigen Höhlen sind recht häufig. Man geht nur davon aus, dass man bisher zu wenige entdeckt hat oder dass sie zu tief im Erdinneren liegen”, erklärte der Professor.

“Und… und was ist das da? Ist das auch auf natürliche Weise entstanden?”

Sie blieben erstaunt stehen und blickten mit offenen Mündern auf eine Art Bunker, der sich in der Mitte der Höhle befand. Er war ihnen anfangs gar nicht aufgefallen, weil er maximal 2,50 Meter hoch war, aber nun konnten sie sehen, dass er rechteckig war.

“Dieser… dieser Bunker ist ja richtig groß. Bestimmt fünfzig Meter lang und dreißig breit! Wer hat den denn gebaut?”, fragten sich erstaunt die Studenten.

Als sie näher herankamen, fassten sie die Oberfläche des Bunkers an. Es war ganz glattes Gestein, definitiv bearbeitet und geschliffen worden.

“Wie lange der hier wohl schon steht?”

“Das ist schwer zu sagen, weil das Gestein so perfekt bearbeitet wurde. Es kann erst 50 Jahre hier stehen oder auch tausend. Aufgrund der Bearbeitung würde ich eher auf wenige Jahrzehnte tippen. Früher konnte man Steine nicht so glatt abschleifen.”

“Aber wenn es doch so riesig ist, wieso wird dann diese Höhle in dem alten Buch erwähnt. Sie sagten doch, dass das Buch einige hundert Jahre alt ist oder sogar älter.”

“Vielleicht gab es zu dieser Zeit noch nicht diesen ‘Bunker’ und wurde erst im Nachhinein geschaffen.”

Die Studenten nickten brav. Plötzlich rief einer von ihnen, dass er einen Eingang entdeckt hätte.

“Hier! Schaut mal hier! Ich glaube, da ist eine Tür.”

Kurz danach standen sie gemeinsam vor einer schweren Metalltür. Mit etwas Kraftaufwand konnten sie die Tür öffnen.

Innerhalb des Bunkers, wenn man ihn so benennen möchte, befand sich rein gar nichts. Ein riesiger, leerer Raum. Auf der einen Seite konnte man durch einen schmalen Spalt nach außen blicken. Dieser Spalt verlief die ganzen 50 Meter bis zum anderen Ende und war vielleicht nur 30 cm hoch.

“Wer baut denn so was? Ein Bunker wird doch eigentlich gegen Luftangriffe gebaut. Ich kann mir schwer vorstellen, dass hier ein Flugzeug reinkommen könnte. Was sollte dann dieser Bunker abhalten. Fledermäuse?”

Sie liefen immer weiter zur Mitte des Bunkers in der Hoffnung, noch irgendwas zu entdecken, dass ihnen mehr Erklärungen geben würde.

“Schaut mal dort oben!”, rief die Studentin.

Sie rissen ihre Köpfe hoch und blickten auf das gleiche Pentagramm, das sich auch auf dem Buch befand. Um das Pentagramm herum erkannte man deutlich einige Symbole und kreisförmig angeordnet einen lateinischen Text.

“Das ist Latein. Nicht das Schullatein, wie wir es gelernt haben, irgendeine abgewandelte Form davon.”

“Das ist richtig. Man kann es irgendwie schwer übersetzen. Und diese Schrift und Symbole sind direkt in die Decke eingebrannt worden.”

“Richtig. Diese Symbole und das Pentagramm kenne ich aus dem Buch. Es sind die gleichen. Nur die lateinische Schrift ist nicht in dem Buch zu finden”, erwähnte der Professor nachdenklich.

“Herr Professor. Eins verstehe ich aber nicht. Wenn der Bunker keine 50 Jahre alt ist, aber das Buch hingegen viele hundert Jahre, wieso ist der Weg zu dieser Höhle in dem Buch beschrieben und warum sind die Zeichen auch in dem Buch und hier unter der Decke? Müsste diese Anlage oder Bunker hier nicht genau so alt sein wie das Buch oder älter?”

“Das ist in der Tat eine unerklärliche Begebenheit. Dieser Bunker müsste dann wirklich mindestens genau so alt sein…”

“Wisst ihr, mir kommt das vor wie eine Formel. Dort steht etwas von Sprache und es wirkt wie eine Beschwörung… fast so als könnte man jemanden damit rufen.”

“Dann lies es doch mal laut vor und wir schauen, was passiert!”, schlug einer der Studenten vor.

“Und wenn das gefährlich ist?”, fragte die Studentin.

“Wieso soll das gefährlich sein. Das ist Aberglaube. Man kann doch keine Geister beschwören”, erhielt sie zur Antwort.

Die anderen lachten und einer fing an, die Formel laut vorzulesen…

Nachdem er geendet hatte, bebte der Boden. Sie rannten zu der einen Seite der Wand mit dem Schlitz im Gestein und hielten sich dort fest. Alles wackelte und bebte. Plötzlich hörten sie ein tiefes Grollen und Stöhnen, als würde etwas sehr Großes und Bedrohliches aus seinem urlangen Winterschlaf erwachen.

“Was… was ist das?”

“Ich habs euch gesagt! Ich habs euch gesagt!”, schrie die Studentin die anderen an.

Dann knallte etwas auf das Dach des Bunkers. Alles bebte erneut und was immer es war, es kam näher und näher.

“Da… da ist was auf dem Dach!”

Der Professor blätterte verzweifelt in dem Buch herum: “Hier steht etwas von einer Beschwichtigung des Wächters und dem Wechsel in eine andere Welt. Das weiß ich noch. Von einer Welt der Schöpfung und der Überbringung eines einzelnen Wunsches einer jeden anwesenden Person. Doch es ist schwer zu verstehen, weil dort etwas von einem Auge steht, das aktiviert sein muss, sonst geht es nicht. Das ist so verwirrend!”

Dann ließ der Professor vor Schreck das Buch fallen. Es knallte verhältnismäßig laut zu Boden und das Beben schien immer näher zu kommen.

Auf dem Buch fing die schwarze, ovale Stelle zu leuchten an und mit einem Mal wurde dort ein Augenlid sichtbar.

“Das ist ja ein… Auge!”, rief die Studentin und ging erschrocken einen Schritt zurück.

Das Augenlid öffnete sich und man sah ein blaues Auge, das wild um sich blickte.

“Das war also wörtlich gemeint mit dem Auge,” meinte der Professor und schaute interessiert, während sich die anderen zu Tode fürchteten.

“Was machen wir jetzt?”

“Beschwichtigen Sie diesen Wächter oder was das ist. Das ist unsere einzige Chance!”

Die Studenten schauten den Professor hoffnungsvoll an. Er nahm dann mit einem Widerwillen das lebende Buch mit dem Auge wieder auf. Das Auge blinkte ihn für einen Moment an, bis der Professor das Buch wieder aufschlug.

Plötzlich stoppte das Beben. Alles war ruhig. Was immer sich durch das Beben genähert hatte, es verharrte nun genau über ihnen. Manchmal hörte man noch ein leises Stöhnen und Grummeln, aber was immer es war, es schien sich ein wenig beruhigt zu haben.

“Hier steht, dass der, der das Auge anblickt und die Formel spricht, das Tor zur Welt der Schöpfung öffnet. Und… man darf nicht mit leeren Händen in diese Welt eintreten. Jeder der Anwesenden muss einen Wunsch äußern, den der Gesandte mit in die andere Welt nimmt. Geht er hinüber, wird er den Wächter beruhigen und er wird wieder in den Schlaf zurückkehren.”

Der Professor merkte sich die magischen Worte und schloss das Buch wieder, um das Auge auf dem Umschlag anzublicken. Dann sprach er die Formel laut aus und das Auge begann zu leuchten. Der Professor ließ das Buch erneut fallen. Kaum lag es auf dem Boden, ging von dem Auge ein Strahl aus und erschuf ein paar Meter weiter eine Art Lichtsäule, die nun mitten im Raum zu sehen war.

“Wisst ihr, das ist so was von abgedreht! Ich geh da jedenfalls nicht rüber”, meinte einer der Studenten.

“Ich kann keinen von euch dort hinübergehen lassen. Ich bin verantwortlich für das alles und habe euch in diese folgenschwere Situation geführt. Es ist meine Pflicht, diesen Wächter, oder was immer das ist, zu beruhigen und hinüberzugehen. Also, werde ich gehen”, erklärte der Professor.

Langsam ging er auf die Lichtsäule zu, die allem Anschein nach ein Tor in diese andere Welt darstellte.

“Warten Sie! In dem Buch stand etwas von Wünschen, die Sie von den Anwesenden mitnehmen müssen.”

“Gut, dann sagt mir eure Wünsche für die andere Welt, damit ich nicht mit leeren Händen komme.”

Sie überlegten kurz und dann äußerte jeder seinen Wunsch.

“Leben Sie wohl Herr Professor…”, sagten die Studenten und der Professor machte seinen letzten Schritt in die Säule.

Er war jetzt von dem Licht der Säule umgeben. Seine Studenten winkten zum Abschied bis er sich auflöste. Im selben Augenblick verschwand das dunkle Grollen und Stöhnen. Der Wächter war beruhigt und der Professor verschwunden.

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12 Kommentare zu “Traumnacht: Das dunkle Buch

  1. Hallo Jonathan,
    ich kann mir vorstellen, wie diese Lichtsäule aussieht, sehe sofort “meine Spirale” vor mir, welche ich immer als Spirale interpretiere, weil das Licht zu leben scheint. Aber sie gleicht mehr einer Säule.
    Bislang bewegte ich mich immer nur im unteren Teil, versuche beim nächsten bewussten Aufenthalt in ihr etwas weiter aufzusteigen. Überlege schon seit einiger Zeit, wo ihr Anfang bzw. Ende wohl ist, sehen kann ich es nicht.
    Auch wenn mein Licht kein Tor zur einer anderen Welt ist, bin ich doch sehr gespannt darauf, wie weit ich komme.
    Liebe Grüße
    Maureen

  2. Las den Eintag nochmal und bin etwas neben der Spur ;o)
    Nicht nur, dass ich beim Lesen nicht nur dieses Eintrages den Eindruck habe, du liest ihn vor, jetzt wird auch noch der passende Film dazu “geliefert”.
    Es ist so, wie bei der Schädelernergie, alles scheint irgendwie vertraut.

    Vielleicht haben meine Freunde Recht und ich verfüge über zuviel Fantasie. Wie auch immer, deine Einträge bleiben nicht ohne Wirkung.

    Liebe Grüße
    Maureen

  3. Das möchte ich bestätigen liebe Maureen! Jeder Traum hat seine ganz spezielle Wirkung, die ich hier lese, und das habe ich sehr selten erlebt! Vor allem im Internet.
    Gruß, Henry

  4. Hallo Jonathan, vielleicht gibt es noch eine Fortsetzung? Hast Du schon mal einen Traum geträumt, der irgendwann dann noch weiter ging? Sowie eine Serie im Fernsehen?

  5. Vor vielen Jahren habe ich eine zeitlang einige kleine Übungen gemacht, die das praktische Denken ausbilden sollten. Eine davon bestand darin, das ich mich jeden Tag zu gleichen Zeit an den gleichen Ort gestellt habe, und den Himmel dann kurz beobachtet habe. Dabei war auch wichtig, das Bild vom Vortag sich in Erinnerung zu rufen, und mit dem neuen es zu vergleichen. Diese einfache Übung brachte nicht nur eine grosse Lebendigkeit und Erfrischung in meinen Kopf und meine Fantasie, sondern ich merkte auch das diese schöne Bilder – ich beobachtete den freien Himmel immer im Zusammenhang mit dem Sonnenuntergang – diese Bilder waren also nicht jeden Tag beliebig anders, sondern ich konnte eine gewisse Logik feststellen, wie sich jeden Tag der Himmel verändert. Es war wie eine Geschichte, die sich immer weiter entwickelt.
    Und so denke ich das auch die Traumbilder, die man bewusst oder unbewusst wahrnimmt, nicht beliebig sind, sondern das da auch Zusammenhänge, „Gesetzmässigkeiten“ sind, die man nicht immer gleich sehen muss. Meine Träume stehen oft im direkten Zusammenhang mit dem, was mich am Tag beschäftigt, was ich erlebe. Begegnungen oder wache Träume am Tag spiegeln sich in den Träumen in der Nacht – hier gibt es dann oft noch andere Zusammenhänge, andere Möglichkeiten, andere Geschichten. Wir Menschen sind in den Träumen oft liebevoll, inspiriert und offen, im Vergleich mit dem, wie es dann im Alltag ist… Hier haben wir dann viel zu tun, wir sind verletzt, nicht ansprechbar, haben verschiedene Probleme. Aber unsere Geschichten gehen weiter, die Möglichkeiten und Entwicklungen sind stets durch die Träume möglich und auch kleine oder grosse Heilungen von unseren Streitereien.
    Diese Zusammenhänge finde ich so spannend. Wie sich eine Geschichte entwickelt, zu Ende geht, und etwas neues kommt, und wie immer wieder die verschiedenen Geschichten zusammenhängen…

  6. Heute habe ich noch ein schönes Gedicht von Chr. Morgenstern entdeckt, der zu der Gedankenübung gut passt.

    An die Wolken

    Und immer wieder,
    wenn ich mich müde gesehen
    an den Menschen Gesichtern,
    so vielen Spiegeln
    unendlicher Torheit,
    hob ich das Aug
    über die Häuser und Bäume
    empor zu euch,
    ihr ewigen Gedanken des Himmels.
    Und eure Grösse und Freiheit
    erlöste mich immer wieder,
    und ich dachte mit euch
    über Länder und Meere hinweg
    und hing mit euch
    über`m Abgrund Unendlichkeit
    und zerging zuletzt
    wie Dunst,
    wenn ich ohn Massen
    den Samen der Sterne
    fliegen sah
    über die Äcker
    der unergründlichen Tiefen.

    LG von Sarah

  7. Hallo Sarah,
    ich schließe mich Jonathan an, das Gedicht ist wirklich sehr schön :o),
    habe gestern in einer Buchhandlung auch mal wieder wahllos gestöbert und folgendes gefunden:

    Immer wieder und wieder steigst du hernieder
    in der Erde wechselnden Schoß,

    bis Du gelernt hast, im Licht zu lesen,
    dass Leben und Sterben EINS gewesen und alle Zeiten zeitenlos.

    Bid die mühsame Kette der Dinge
    zum immer ruhenden Ringe in Dir sich reiht,

    in Deinem Willen ist Weltenwille,
    Stille ist in Dir,

    Stille

    und Ewigkeit
    (Manfred Kyber)

    Liebe Grüße

  8. Hallo Maureen, Dein Gedicht gefällt mir sehr, es ist geheimnissvoll und es ist so viel drin. Danke! Lieben Gruss von Sarah

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