Filmkritik: Trance – Gefährliche Erinnerungen

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Simon (James McAvoy) überfällt ein Auktionshaus und stiehlt das sehr wertvolle Gemälde “Flug der Hexen” des berühmten Malers Francisco de Goya. Mit dem millionenschweren Raub in der Tasche wird er von anderen Gaunern überfallen und niedergeschlagen. Das Gemälde ist jedoch plötzlich spurlos verschwunden. Simon leidet nun an einer starken Amnesie und kann sich an den Verbleib des Gemäldes nicht mehr erinnern. Die Gangsterbande will aber alles versuchen, um seine Erinnerungen wieder aufzufrischen, diese soll daraufhin die Hypnosetherapeutin Elisabeth (Rosario Dawson) wieder ins Bewusstsein hieven. Sie lässt es sich aber nicht entgehen, sämtliche Beteiligten zu hypnotisieren und von diesem Moment an kann weder die Bande noch der Zuschauer wirklich sagen, welche der dargestellten Ereignisse der tatsächlichen Realität entsprechen.

Dieser Film, der wie ein klassischer Actionfilm nach nur allzu ausgenudeltem Schema beginnt, erfährt plötzlich eine unerwartete Wende, nachdem die höchst raffinierte und ausgebuffte Hypnosetherapeutin – und “Hexe” – auftritt. Sie spielt mit dem Wissen der Gauner und deren Erinnerungen, tauscht sie aus, ersetzt die Figuren durch andere in diesem verrückten Spiel und verfolgt einen irrwitzigen Plan. So entpuppt sich der Film als eine Gratwanderung zwischen Realität, Wahnsinn und Illusion. Die unterschiedlichen Realitätsversionen, die dem Zuschauer präsentiert werden, lässt ihn mehr oder minder nicht viel mehr durchblicken als Boyles Figuren in seinem Film.

Ein sehr spannender und inspirierender Film, auch wenn er zuweilen an die Grenze reicht, welche Möglichkeiten Hypnose denn wirklich bietet. Auch irritiert ein wenig die sehr wohl umfangreiche Arbeit des Cutters (Filmschnitt), aber hätte durchaus besser inszeniert werden können. Die Schnitte verwischen teilweise den roten Faden und lassen die Inszenierung zwischenzeitlich allzu wirr erscheinen, sodass der Zuschauer temporär jeden Bezug zum Film verliert. Ansonsten ist die Idee hervorragend, basiert jedoch auf einem Film aus dem Jahre 2001 mit ähnlichem Thema.

Die Botschaft des Films ist fast offenkundig und lässt die Frage offen, inwiefern der Mensch überhaupt von seiner wahrgenommenen Welt hypnotisiert ist und in welchem Grade er glauben kann, was er überhaupt wahrnimmt, ob die Alltagsrealität eine Illusion darstellt oder nicht – kurzum: ein labyrinthisches Verwirrspiel voller Finten und Tücken. Boyle möchte m(it)unter darauf hinweisen, dass das menschliche Gehirn sehr schnell irgendwelchen Realitätsversionen aufsitzen kann, die sein Handeln und Denken fortan bestimmten können, wie unsicher Wahrnehmung und Interpretation sein und voller Fallstricke bestehen kann.  Der “Flug der Hexe”, wobei die Hexe die Hypnosetherapeutin darstellen könnte, so lässt sich Boyle nicht entgehen, zeigt, wie elegant und trickreich die Welt der Illusionen benutzt werden kann, um jene zu benutzen, die selbst nur allzu gern benutzen.

Fazit: 7 von 10 Sternen. Sehr empfehlenswert.

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Regie: Danny Boyle
Mit:  James McAvoy, Rosario Dawson und Vincent Cassel
Buch: Joe Ahearne, John Hodge
Genre: Psychothriller, 101 min.
Land: England 2013
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1 kommentiert zu “Filmkritik: Trance – Gefährliche Erinnerungen

  1. Hallo Jonathan,

    eben auf Deine Empfehlung hin den Film gesehen.

    Was soll ich sagen, eine irre Achterbahnfahrt.
    Es stimmt, daß die Schnitte reichlich überambitioniert sind und dennoch, mit der Thematik als solche kenne ich mich recht gut aus und weiß was mit Hypnose generell möglich ist.
    Unter den Bedingungen, die der Film zeigt, halte ich derartige Suggestionen für mehr als unwahrscheinlich, zu viele unkontrollierbare Situationen.
    Doch was solls´, Boyle liefert mal wieder eine tolle Arbeit, mir hat der Film einen vergnüglichen Abend bereitet.

    Danke für den guten Hinweis und Deine sehr stimmige Kritik

    Herzliche Grüße
    petro dollar

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