Ein Haus im Osten: Im Muldental (Teil 2)

‘Ein Haus im Osten’ ist eine Rubrik, in der ich von meinem kürzlichen Umzug nach Ostdeutschland irgendwo in der Pampa, zwischen Leipzig und Zeitz jenseits der Zivilisation, vom Landleben, meinen Erlebnissen in der Umgebung sowie von seltsamen, magischen und spannenden Erfahrungen berichte.

Die Suche ging weiter. Sie führte mich ins grüne Muldental bei Tragnitz. Ein riesiges Herrenhaus mit 200 qm Wohnraum und einem riesigen Garten mit 1000 qm. Es handelte sich um ein ehemaliges Pfarrhaus mit lockeren sieben Zimmern und einem gelben Anstrich. Es besaß ein wenig den Charakter eines kleinen Schlosses mit einem Nebengebäude, das man noch hätte ausbauen oder kreativ verändern können. Vielleicht könnte man daraus ein Atelier basteln oder etwas in dieser Art. Irgendwie gefiel es mir sofort und ich wäre gern eingezogen, aber dann wurden mir die Nachteile bewusst:

Als Pfarrhaus befindet sich das Haus sehr nah an einer Kirche. Ich wollte ungern die nächsten Jahre oder gar Jahrzehnte alle 15 Minuten irgendein Gebimmel hören, nur um die Erinnerung an die Präsenz der Kirche zu gewährleisten.

Im Weiteren würde einem der Garten nicht wirklich gehören, denn das Pfarrhaus gehörte einst der Kirche und auf dem Garten lag eine so genannte Erbpacht, d.h. die Kirche verkaufte zwar das Haus, aber den Garten nicht und vermietet ihn nur gegen einen jährlichen Unkostenbeitrag. Ein solcher konnte dann auch mal 1000 Euro oder mehr kosten. Für mich war der Sinn eines Hauskaufs, zukünftig keine Miete mehr zahlen zu müssen, demnach kam mir das mit der Erbpacht etwas kontraproduktiv vor. Außerdem, und dies wiegt sicherlich auch seinen Teil, lag das Haus in einem Tal und dies machte es sehr anfällig für Hochwasser. Sollte es also wieder einmal so ausgiebig regnen wie in diesem Jahr und den halben Osten überschwemmen, dann könnte ich vermutlich das Auto stehen lassen und mit dem Boot aus der Haustür herausfahren. Folglich musste ein Haus her, das eine Hanglage besitzt und im Falle von Hochwasser nicht davon betroffen werden würde. Somit war das geräumige Pfarrhaus mit dem schönen Garten leider nicht geeignet. Schade, ich musste es wohl von der Liste streichen. Es passte nicht.

So ging die Suche natürlich weiter und es kreuzte bei Wurzen ein weiteres Haus meinen Weg. Dabei handelte es sich um ein uraltes Bauernhaus aus dem 19. Jahrhundert mit ca. 190 qm, sechs Zimmern, Kamin, Gartenterrasse, einem eigenen Brunnen und einem extrem verwilderten Garten. Das Grundstück war mit 2000 qm richtig groß und sah von außen und auf den ersten Blick einfach märchenhaft verträumt aus. Ich musste gleich an das Buch von Hodgson Burnett “Der geheime Garten” denken, das eine ganz eigene und bezaubernde Atmosphäre besitzt. In dieser Geschichte geht es um einen gelähmten Jungen, der von der Haushälterin unter strenger Obhut genommen wird. Doch nachdem er mithilfe einiger Freunde den geheimen Garten entdeckte, war dieser so faszinierend schön, dass er mit der Zeit gesundete und wieder Laufen lernte. Das Buch wurde auch zu einem Film umgesetzt, den ich sehr gelungen fand.

Leider war das alte Bauernhaus mit seinem verwilderten Garten und dem passenden Brunnen nur von außen hübsch anzusehen, von innen her war es jedoch eine komplette Katastrophe. Die Zimmer waren nicht nur völlig verwohnt, sondern teilweise völlig feuchte Wände, Putz und Mauergestein abgebröckelt, extrem veraltete Sanitäranlagen ohne Anbindung zur Kanalisation und das große Grundstück besaß eine Straße mit einem Straßenschild, bei dem sich gegenüber ein Haus befand und manchmal dort sogar mit dem Auto entlanggefahren wurde. Das Haus bot sich darum durchaus als Kaufobjekt an, aber der Preis hätte in keinem Verhältnis zu der Summe gestanden, die danach noch an Sanierungs- und Renovierungsarbeiten auf einen zugekommen wäre. Summa sumarum, auch dieses Haus musste ich links liegen lassen und wieder mal weitersuchen… Würde ich das perfekte Haus noch finden, in dem alles passte, oder musste ich mich vielleicht letzten Endes mit Kompromissen abfinden? Ich war gespannt, was sich mir noch bieten würde…

(Weiter geht’s in Kürze mit Teil 3)

3 Kommentare zu “Ein Haus im Osten: Im Muldental (Teil 2)

  1. Welch ein Nervenkitzel ! Und gekonnt am Spannungshöhepunkt: endet die Geschichte und erwartet die Fortsetzung, ala Flash Gordon.
    ;) nein, im Ernst alles Gute für deine Suche und ich bin gespannt was du findest :)

    Lg Frank

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