Traumnacht: Armee der Zukunft

Ich stellte meinen Rucksack auf den Boden und das Lunchpaket, das wir erhalten hatten. Es hatten sich bestimmt an die 200 Leute in diesem Raum zusammengefunden. Er war brechend voll und vorn auf einer Bühne stand ein Offizier, der uns zuvor begrüßt hatte:

“Bitte gehen Sie nun zu ihren Unterkünften und richten Sie sich häuslich ein. Unser Feldwebel wird sie eben hinüber geleiten.”

Nun sprangen alle gleichzeitig auf und strömten durch den engen Ausgang ins Freie. Draußen erblickte ich einen riesigen Platz, auf dem wir uns in Reihe aufstellen sollten. Der Feldwebel beobachtete kritisch die Symmetrie der Aufstellung und dann nickte er mit dem Kopf. Der Pulk setzte sich in Bewegung…

Wir liefen auf ein großes Tor mit einem Rundbogen zu. Dort hätten sicherlich zwei Panzer nebeneinander hindurch gepasst. Nun trotteten wir durch dieses Tor in Zweierreihe. Ich war einer der letzten in dieser Reihe. Bisher hatte ich mich noch nicht umgedreht, um nachzusehen, wer sich hinter mir befand. Doch nach kurzer Zeit vernahm ich ein seltsames Geräusch. Es klang äußerst mechanisch und mit einer bestimmten Regelmäßigkeit, dass ich neugierig wurde und mich umdrehte.

Augenblicklich erblickte ich genau hinter mir einen zwei Meter großen hochpolierten Droiden in silberner und teilweise goldfarbener Lackierung! Er sah etwas ungelenk aus, aber er konnte mit Leichtigkeit Schritt halten. Ihm zuzuwinken ersparte ich mir, auch wenn er absolut nicht feindselig wirkte. Vermutlich war er ein handwerklich-orientierter Roboter und nicht für den Kampf programmiert. Überhaupt sah diese ganze Kaserne nicht so militant aus, wie ich es erwartet hatte. Gerade liefen wir auch auf einen weiteren Platz zu, auf dem Flohmarktstände aufgebaut und Süßigkeiten, Reiseproviant und andere Nahrung und Getränke angeboten wurden.

“Möchtest du vielleicht ein paar Weingummis kaufen?”, sprach mich eine Frau an, nachdem ich an einem der Stände stehen geblieben war.

Sie besaß mehrere Glaskästen, in denen die unterschiedlichsten Weingummis und Gummibärchen zu sehen waren.

“Nein danke, sehen aber sehr lecker aus”, entgegnete ich. “Auch bin ich noch ganz ergriffen von diesem Droiden hinter mir.”

“Ach,” meinte sie, “warte erst einmal, wenn du dir die Morpher angeschaut hast…”

“Morpher? Was ist denn das?”

“Dort hinten kommt gerade einer vorbei… Dann weißt du schon Bescheid!”, meinte sie und zeigte mit dem Finger auf den Platz.

Ich drehte mich um und erblickte ein französisches Auto, das gerade auf den Platz gefahren kam. Auf den ersten Blick wirkte es wie ein normales Auto, aber als ich genauer hinschaute, war ich sehr verblüfft von diesem Ding. Die Autoscheinwerfer waren am auffälligsten. Sie waren irgendwie dauernd in leichter Bewegung, mal waren sie ein bisschen größer, dann wieder kleiner. Es war, als würden sie an ihrer Position schwimmen und im stetigen Fluss sein. Ja, es war fast ein menschlicher Charakterzug in diesen Scheinwerfern zu erkennen. Auch die Räder erschienen mir in Bewegung zu sein, mal war das Auto etwas höher, dann wieder tiefer gelegt.

“Diese Autos können auch andere Formen annehmen. Es sind Morphinggeräte…”

Ich war wirklich sehr überrascht, so etwas zu sehen. Scheinbar war es den Menschen gelungen, eine neue Form der Technologie zu nutzen, ein flüssiges Material, das in der Lage war, sich zu verformen und dann wieder an Dichte zuzunehmen.

So sah also die Zukunft aus, dachte ich. Die Armee hat ihr Einsatzspektrum erweitert, die Soldaten können sich freiwillig zum Dienst melden und müssen nicht mehr einberufen werden und ihre Gerätschaften sind Droiden und Morphinggeräte. In der Fernsehserie Star Trek ist es ja das Militär, das den Weltraum erkundet und die ersten Kontakte mit Außerirdischen und interplanetarischen Konförderierten aufnimmt. Vielleicht würde auch unser Militär eines Tages einmal diesen Weg gehen und als Entdecker des Universums das selbige durchkreuzen…

Dann fiel mir siedend heiß ein, nachdem wir bereits eine halbe Stunde gelaufen waren, dass ich meinen Rucksack vergessen hatte. Er stand noch in dem Gebäude, wo der Offizier die Ansprache gehalten hatte. Ich dachte, dass ich nachher bestimmt den ganzen Weg noch einmal zurück müsste, um meine Sachen zu holen. Über diese belanglosen Gedanken erwachte ich langsam in meinem Bett.

Share:

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.