Die andere Seite: Die interdimensionale Raketenmaschine

Eine wunderschöne Villa, draußen am Wald, war unsere Residenz und Zufluchtsort. Mittlerweile war es Nacht geworden und wir saßen zu Dritt an einem Tisch und planten unsere Flucht in eine andere Welt. Dabei war es für uns wichtig, gewisse Verfolger abzuschütteln, die mit Sicherheit in Kürze eintrafen und in unsere Villa einbrechen würden. Meine beiden Freunde, ein Mann im Alter von ca. 35 Jahren, mit dunklem Haar, und eine Frau, im Alter von maximal 30 Jahren, mit langen, dunkelblonden Haaren, brüteten eine sehr seltsame Idee aus…

“Unsere Verfolger dürften schon vor unserer Tür stehen. Wir müssen schnell handeln!”, sagte die Frau.

“Richtig. Wir könnten die interdimensionale Raketenmaschine nehmen, um damit in eine andere Realität zu springen. Übergriffe in andere Realitäten hat es immer wieder gegeben. Weshalb sollten wir nicht auch einmal diesen Weg wählen?”, erklärte der Mann.

“Die sollen wir nur im äußersten Notfall einsetzen! Außerdem werden sie uns solange verfolgen, bis sie uns gefunden haben. Daher müssen wir unserern Verfolger einen Anlass geben, nicht mehr nach einem zu suchen,” meinte ich. “Immerhin haben sie große Kräfte und ich kann mir gut vorstellen, dass sie auch wissen, wie man die Realität wechselt.”

“Das sehe ich auch so! Aus dem Grund müssen wir uns einen guten Plan überlegen.”

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“Ich habe eine Idee! Wann sucht man nicht mehr nach einer Person? Doch nur, wenn sie tot ist!”, sagte der Mann.

“Eine gute Idee! Wir könnten ihnen vorgaukeln, dass wir tot sind”, rief die Frau begeistert.

Von nun an verselbständigten sich die Vorgänge. Wie aus dem Nichts wurden drei Särge herbeigeschafft und in drei unterschiedlichen Räumen aufgestellt. In jedem Raum wurde alles so arrangiert, als stünde eine Trauerfeier bevor. Kerzen, Schleier, Gedenktafel, Stühle usw. wurden aufgestellt, um den Eindruck zu vermitteln, morgen würde eine Trauerfeier stattfinden.

“Wir werden uns jeder in einen Sarg legen. Sobald unsere Verfolger hier einbrechen, werden sie sehen, dass wir bereits tot sind! Das wird dafür sorgen, dass sie nie wieder nach uns suchen werden.”

“Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie sich so täuschen lassen werden”, meinte ich. “Können wir nicht noch irgendwie einen Plan B hinzufügen? Ein Plan ohne Plan B ist mir zu riskant. Wenn sie vor unseren Särgen stehen und uns die Story nicht abkaufen, sind wir dran!”

“Was könnten wir für einen Plan hinzufügen?”

Die Frau schien einen Plan B entdeckt zu haben. Sie verschwand für einen Augenblick und kehrte dann mit drei Walkmans zurück. Das sind solche kleinen Geräte, ähnlich einem Discman in den jedoch nur Musikkassetten passen. Diese wurden in den 80er Jahren häufig verwendet.

“Passt auf! Diese Musikkassetten besitzen eine magische Tonspur. Wenn man sie aufsetzt, hört man eine Geschichte, aber wenn man die Kopfhörer der Person wegnimmt und sie sich dann selbst aufsetzt, werden andere Tonfolgen ausgelöst und bewirken eine Art Schock.”

“Was macht dieser Schock?”

“Der Schock versetzt die Person in eine Starre und sie kann sich dann erst einmal nicht mehr bewegen. Danach kann es passieren, dass die Person das Gedächtnis verliert oder sogar stirbt.”

“Genial! Wenn unser Plan nicht funktioniert, werden sie mindestens so neugierig sein und wissen wollen, wieso wir im Sarg liegen und Ohrhörer tragen. Sie werden wissen wollen, was das ist und es sich anhören”, rief der Mann begeistert.

Ich war mir nicht wirklich sicher, ob dieser Plan funktionieren würde, aber da wir keine Zeit mehr hatten, blieb uns nichts anderes übrig.

Plötzlich hämmerte es gegen die Eingangstür unten in der Halle. Immer wieder knallte es lauter und lauter gegen die schwere Tür, bis sie irgendwann mit einem lauten Bersten zerbrach.

Wir schnappten uns die Ohrhörer und die Walkmans, liefen los und legten uns schnell in die Särge. In der Zwischenzeit hörte ich, wie sie das Haus nach uns durchsuchten. Immer mehr  bekam ich Zweifen an der Wirkung dieses Plans. Ich glaubte, dass weder Plan A noch B funktionieren würde und schlich mich wieder aus dem Sarg heraus. Dann ging ich in den Nebenbraum, wo der Mann seinen Sarg aufgebaut hatte, und versteckte mich dort. Ich dachte mir, wenn es bei dem Mann funktionieren würde, könnte ich mit etwas Glück wieder zurück in meinen Sarg schleichen. Doch innerlich war ich von diesem unsinnigen Plan nicht wirklich begeistert. Ich besaß das Gefühl, dass das alles nach hinten losgehen wird.

Ich versteckte mich hinter einem schweren Vorhang. Lange musste ich nicht warten und dann kamen sie schon herbei. Es waren an die sechs Personen, wenn ich das mal so benennen darf. Einige von ihnen sahen sehr seltsam aus, geradezu bedrohlich. Einer von ihnen, daran erinnere ich mich noch gut, besaß eine orangefarbene Haut, einen dicken, langen Schwanz und einen großen Kopf. Er glich eigentlich sehr einem Reptil mit einem großen Maul und Fangzähnen. Der Anführer war ein dunkel gekleideter Mann, der aber eine bedrohliche Ausstrahlung besaß. Geradezu wie ein Bösewicht aus einem Film. Dieser Mann stellte sich an den Sarg des Mannes und riss ihm die Kopfhörer von den Ohren, ohne sich weiter um sie zu kümmern. Dann packte er den Mann, mit dem ich diese Pläne durchgearbeitet hatte, an der Kehle und zerrte ihn aus dem Sarg. Dieser strampelte wie wild mit den Füßen.

Im gleichen Augenblick schaute dieses Reptilienwesen in meine Richtung und muss mich irgendwie aufgespürt haben. Es ging also alles schief, was nur schief gehen konnte.

Ich rannte los und sprang durch das Fenster an der hinteren Wand. Das Reptilienwesen und zwei andere folgten mir fauchend. Draußen auf der Wiese kam es zu einer Auseinandersetzung. Zuerst begegnete mir das Reptilienwesen. Wir kämpften und ich spürte während unseres Kampfes, dass Traumenergie durch meine Adern floss. Sie gab mir die nötige Energie, um alle drei Angreifer zu besiegen. Ich wusste jedoch, dass diese Energie nicht ausreichen würde, um auch noch den Anführer zu besiegen. Vermutlich suchte er noch in der Villa nach den anderen.

Plötzlich erkannte ich die Frau. Sie musste es geschafft haben, die anderen auszutricksen und lief in Richtung Hügel, wo die interdimensionale Rakete stand. Sie wollte in die Rakete steigen!

Diese Rakete befand sich noch neben einer silbernen Rampe aufgebaut mit einer Unmenge von Stufen. Diese Stufen rannte sie hinauf. Es würde Minuten dauern, bis sie oben sein würde. Ich lief hinterher. Alle Pläne waren gescheitert, also konnten wir nur noch mit dieser Rakete fliehen, in der Hoffnung, die Verfolger würden uns dann nie wieder finden.

Dann folgte ganz unvermittelt eine Durchsage über Lautsprecher: “Der Raketenstart beginnt in 60 Sekunden…”.

Ich rannte, so schnell ich nur konnte. Die Frau hatte vielleicht noch einen Vorsprung von einigen Etagen, als ich die Stufen der Rampe erreichte.

“Sollten Sie noch als Passagier mitfliegen wollen, müssen sie innerhalb der nächsten 30 Sekunden die rote Markierung an der oberen Plattform erreicht haben.”

Mir war klar, dass es für mich unmöglich war, diese Distanz in der kurzen Zeit hinter mich zu bringen. Daher hoffte ich, dass sie es schaffen und vielleicht den Countdown ein wenig in die Länge ziehen würde, damit ich noch mit an Bord konnte. Sie brauchte nur noch zwei Plattformen hinter sich bringen.

Wenige Sekunden später starteten die Triebwerke und die interdimensionale Raketenmaschine verschwand nahezu lautlos im Nichts.

Als ich oben auf der Plattform ankam, saß sie auf eine der Stufen. Sie schnaufte und war erschöpft.

“Wir haben es nicht geschafft! Verdammt! Es war so knapp!”, sagte sie.

Ich stand genau vor ihr. Die Stufen waren so steil, dass wir uns trotzdem Auge in Auge gegenüber standen.

“Und nun?”, fragte ich. “Jetzt sind wir aber geliefert.”

“Nein, das sind wir nicht!”, meinte sie überzeugt. “Wir werden einfach bis zum nächsten Jahr warten. Dann wird diese Maschine wieder hier auftauchen und wir können sie wieder benutzen.”

Ich nickte. Das war die einzige Möglichkeit. Sie hatte vollkommen Recht. Es würde eben nur sehr schwer werden, ein weiteres Jahr unseren Verfolgern zu entkommen.

“Wir werden uns trennen müssen!”, schlug ich vor.

“Ja, das müssen wir…”

Sie knöpfte ihre Bluse auf und zog mich an sich heran. Dann küsste sie mich zärtlich und lächelte mich an.

“… aber in einem Jahr treffen wir uns wieder hier! Ja? Ganz bestimmt! Und nun küss mich, damit du weißt, was du verpasst, wenn du hier nicht erscheinen wirst.”

Wir küssten uns.

Danach erwachte ich in meinem Bett. Das war mal wieder ein sehr langer, filmreifer Traum mit überraschenden Wendungen und skurrillen Ideen.

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4 Kommentare zu “Die andere Seite: Die interdimensionale Raketenmaschine

  1. Wirklich, das geht als Aktionfilm mit Fantasieelementen durch, lieber Jonathan ;-)

    Hihi, da haben die nun so tolle Technik in ihrer Realität, mit Weltenwechselrakete und bösartigen Kopfhörern, aber was sie sich da ausgedacht haben, um zu entkommen, wirkt irgendwie kindisch.

    Immerhin hast du ja mit dem Erwachen den Realitätswechsel doch noch hin bekommen!

    Das finde ich schon spannend, in welche Abenteuer du dich immer “auf der anderen Seite” stürzt.

    Lieben Gruß
    Momo

  2. Diese Kindlichkeit taucht bei mir manches Mal in normalen Träumen auf. Allein Begriffe wie Raktetenmaschine, Drakulagebäude oder Schattenmann deuten darauf hin. Der Plan in diesem Traum war auch ziemlich kindisch, das stimmt. Im Alltag mag man wen damit täuschen können, aber im Traum ist das doch sehr schwer. Immerhin sind dort die Intuition und Empathie viel stärker ausgeprägt.
    Liebe Grüße, Jonathan

  3. Lieber Jonathan, ich finde es schon sehr interessant, was immer wieder in den Träumen passiert, wie und was für Bilder kommen, und auch spannend, wie man es dann interpretiert – das erfahren wir ja aber meistens leider nicht in dem Traumtagebuch :-) Ich denke das es oft Botschaften sind, die uns anregen wollen in unserem Leben und das wir da mit einem „dritten“ Auge oft wunderbare Sachen wahrnehmen können. Es kann natürlich auch lustig sein und manchmal wie in einem Märchen oder in einem Film, die Symbolik dahinter ist aber oft das Interessante. Ich versuche manchmal ein Traum so zu sehen, als ob es die Bühne meiner eigenen Seele wäre und des eigenen Bewusstseinszustands. Und dann auch wieder den gleichen Traum übertragen auf die soziale Situation, d.h. das es in der Situation in der ich mich gerade im Alltag befinde, das es sich da eben auch mein Bewusstseinszustand spiegelt, in meinen sozialen Beziehungen. Wenn ich es z.B. schaffe, das ich meine eigene weibliche und männliche Seite in Harmonie bringe, dann harmonisiert sich dieses auch im Alltag in meinen Beziehungen zu den Mitmenschen. Es ist auch lustig, wie die Bilder manchmal an Märchen erinnern. Oft muss man ziemlich viel kämpfen, bevor dann ein „happy end“ möglich ist. :-) Diese Beweglichkeit und Fantasie mag ich so in den Träumen, da kann man immer etwas lernen für unseren „geregelten“, aber nicht immer lebendigen Alltag :o). LG Sarah

  4. Hallo Sarah,
    danke für Deinen kreativen Kommentar. Ich denke, Du machst das genau richtig, wie Du mit Deinem driten Auge umgehst und wie Du die Symbolik dahinter zu erfassen versuchst. Für mich sind die Träume der “anderen Seite” eine spezielle Welt, in der wir alle anders sind und in der Traumenergie dazu genutzt wird, um innere Kräfte zu erwecken und sie im Träumen anzuwenden.
    Liebe Grüße, Jonathan

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