Filmkritik: Revolver – mit Jason Statham

Filmkritik Revolver, Guy Ritchie, Jason StathamNach sieben Jahren Haft kommt Jake Green (Jason Statham), einer der bekanntesten Trickbetrüger der Unterwelt, aus dem Gefängnis frei und es dürstet ihm nach Rache an dem Casinobesitzer Macha (Ray Liotta). Im Gefängnis hat Green nämlich eine Formel erlernt, die ihn befähigt, jedes Spiel zu gewinnen. So fordert er Macha heraus und gewinnt. Dies kann der unsympathische Casinobesitzer nicht auf sich sitzen lassen und befiehlt, dass man Green tötet.

Der Regisseur Guy Ritchie hat hier ein absolutes Meisterwerk fabriziert, das den eigenen Intellekt nicht nur fordert, sondern geradezu herausfordert. Ein Blick in die vielen Kritiken im Netz zu diesem Film lässt schnell verstehen, dass der Film äußerst schwierig zu verstehen ist. Die meisten Kritiker kapitulierten bereits im letzten Drittel des Films und wunderten sich, wie wenige ihn tatsächlich als hervorragend einstuften. Aus diesem Unverständnis heraus floppte der Film in den amerikanischen Kinos und erschien in anderen Ländern direkt auf DVD. Der Film “Revolver” jedoch erfordert ungeteilte Aufmerksamkeit und sicherlich auch, dass man ihn ein zweites Mal schaut, um hinter den subtilen aber genialen Move Ritchies zu steigen.

So beginnt das Werk wie ein unterhaltsamer und spannend inszenierter Action-Gangsterfilm im Tarantino-Style, auf dessen Bühne ein Krimineller nach dem anderen erscheint und sich an dem großen Spiel in der Gier nach Ge(o)ld beteiligen möchte. Daher geht man zuerst davon aus, es mit einem typischen amerikanischen Krimi zu tun zu haben, doch der Film nimmt plötzlich eine mysteriöse und schleichende Wende, als der angeheuerte Killer, der niemals daneben trifft, drei Mal sein Ziel verfehlt, als er versucht hatte, den Hauptcharakter auszuschalten.

Von diesem Zeitpunkt an verwandelt sich der Film zu einem intellektuellen Drama mit zuerst schwer verständlichen, mystischen Einflüssen. Doch dann erkennt man den hervorragenden Schachzug des Regisseurs, der auch das Drehbuch verfasst hat und einst der Ehemann der spirituell interessierten Sängerin Madonna war. Er erfand eine Figur namens Sam Gold, die alles zu wissen schien, jeden Schachzug vorausahnte, nur aus dem Untergrund agierte, ohne jemals entdeckt werden zu können, und den Protagonisten des Films das Leben schwer machte.

Jake ist sehr daran interessiert, endlich diesen Sam Gold das Handwerk zu legen, denn so lautet einer seiner Spielregeln, dass man nur dann schlauer wird, wenn man sich einen schlaueren Gegner wählt. So diskutiert er während des Films ständig in inneren Dialogen mit sich selbst. Dies kann für den Zuschauer auf den ersten Blick anstrengend wirken, ist aber unabdingbar für die Handlung und den Plan des Filmes an sich. Eine Erkenntnis kann nur dann erlangt werden, wenn der Aufbau hierzu gekonnt inszeniert und in einzelnen Schritten vermittelt wird. Somit entpuppt sich der vermeintliche Mafia-Krimi zu einem hinterhältigen Lehrstück erster Güteklasse, der eine unfassbare und geniale Lösung für all das Leid in unserer Welt bietet und wie man es auflösen kann.

Im Kampf gegen den ominösen Sam Gold fallen Kommentare wie: “Dort, wo man nicht hingehen will, dort wird man ihn finden.” oder “Niemand sieht Gold, aber Gold sieht alles und jeden!” oder auch “Wissen Sie, wer Sam Gold ist, Mr. Green? Das sollten Sie, denn er weiß, wer Sie sind!”

Erst im Laufe des Filmes, nachdem sich der Zuschauer hoffentlich an der Suche nach Gold beteiligt hat, gerät das Ganze in eine unheilvolle Richtung zu kippen: “Da ist etwas in einem, über das man nichts weiß. Etwas, das man solange verleugnet, bis es zu spät ist, um etwas dagegen zu tun. Es ist der einzige Grund dafür, dass man am Morgen aufsteht, seinen beknackten Chef erträgt und alles Blut und Schweiß und die Tränen. Und das nur, damit alle wissen, wie gut, wie attraktiv, großzügig, witzig und clever man ist. Fürchtet oder verehrt mich, aber bitte haltet mich für etwas Besonderes. Wir haben alle dieselbe Sucht: Wir sind Anerkennungs-Junkies! Wir gieren alle nach dem Schulterklopfen der goldenen Uhr, dem verdammten Applaus, dem Siegerpokal. Shine on you Crazy Diamond. Wir sind bloß Affen, in Anzüge gesteckt, die um Anerkennung betteln. Wenn wir das wüssten, würden wir das alles nicht tun. Irgendjemand versteckt diese Wahrheit vor uns.”

Erkenntnis und Selbsterkenntnis gehen in mancherlei Szenen dem Zuschauer rasend schnell voraus und man muss aufpassen, um noch folgen, die Sachlage korrekt interpretieren und die Aussagen auf die tatsächliche Quelle beziehen zu können: “Bin ich es, der Spiele mit Ihnen spielt, Mr. Green? Sie hören diese Stimme jetzt schon so lange. Sie glauben wirklich, es sei Ihre. Sie glauben, sie sei Ihr bester Freund. An welchem Ort sollte sich Ihr (größter) Gegner verstecken? Genau dort, wo man ihn zuletzt erwartet… Sie spielen ein Spiel, Jake. Sie spielen das Spiel… Jeder spielt sein Spiel und niemand weiß es. Wir spielen alle in seiner Welt. Sie ist sein Eigentum. Er kontrolliert Sie. Er sagt Ihnen, was Sie tun sollen und wann Sie es tun sollen. Er steckt hinter all dem Schmerz, der in der Welt ist und hinter jedem Verbrechen, das je verübt wurde. Und exakt jetzt, versucht er Ihnen einzureden, dass er gar nicht existiert. Wir schicken Sie in den Krieg gegen den einzig wahren Feind, aber Sie denken, er sei Ihr bester Freund. Sie beschützen ihn, Mr. Green. Aber womit? Wo versteckt sich ein Gegner am besten? Dort, wo man ihn am wenigsten erwarten würde. […] Wie sicher sind Sie, dass Sie wirklich Mr. Green sind?  […] Je größer Ihre Macht in der Welt von Mr. Gold ist, desto geringer ist Ihre Macht in der wirklichen Welt. Sie sind immer noch im Gefängnis, Jake. Genau genommen haben Sie es nie verlassen. Er kennt alle Tricks und hat immer die richtige Antwort parat.”

Zum Ende des Filmes werden sogar, um es auch den letzten Leuten klarzumachen, worum es in diesem Film überhaupt geht und welche Erkenntnis doch optimalerweise daraus gezogen werden sollte, Statements der bekanntesten Psychologen unserer Zeit eingespielt. Spätestens hier sollte man, wenn man sich ein wenig engagiert hat, das Meisterwerk erkennen. An dieser Stelle möchte ich jedoch nicht mehr verraten, denn eine Erkenntnis kann man nicht mitteilen, sondern nur selbständig erlangen.

Fazit: 10 von 10 Sternen. Unbedingt anschauen!

Dieser klasse Film ist HIER erhältlich!

Regie, Drehbuch: Guy Ritchie
Mit: Jason Statham, Ray Liotta, Vincent Pastore
Genre: Mystery-Thriller, 115 min., ab 16 Jahre
Land: England, Frankreich, Isle of Man 2005
Ähnliche Filme: Angel Heart, Lost Highway, Blueberry

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4 Antworten für “Filmkritik: Revolver – mit Jason Statham”

  1. Niemand sagt:

    Hallo

    Da hast du wirklich ein Juwel entdeckt, auch wenn der Film schon älter ist. Man bekommt Gänsehaut, wenn man die Wortwahl hört.

    Mit der Zeit spürt man überall das Wirken der Unendlichkeit.

  2. Moritz Löwenhonig sagt:

    `Wissen sie was mich an diesen Spiel fasziniert.
    Niemand weiß wer der Feind ist oder ob er gar existiert.
    Er infiziert den Intellekt eines jeden Einzelnen hier,
    und sie vertrauen Ihm,
    denn sie halten sich für Ihn.
    Wenn sie versuchen würden ihn zu vernichten um die alle zu retten,
    dann würde die sie vernichten um ihn zu retten.´

  3. Seppo sagt:

    Als ich Revolver geschaut hatte, war ich so fasziniert. Vor allem weil mein Verstand mir weis machen wollte, dass so ein Film mit Jason Statham nicht im entferntesten solch einen spirituellen Inhalt haben könnte.
    Der Beste Film den ich je gesehen habe, weil er das Leben eines jeden Menschen für immer verändern kann.

    “Man findet immer einen würdigen Gegner, vor allem dort, wo man ihn zuletzt erwartet.”

  4. Kevin sagt:

    Ein Klasse FILM!!! Kann ich nur bestätigen. Sehr coll umgesetzt!

    LG Kevin

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