Ein Haus im Osten: Das Kinderheim des Todes (Teil 18)

Spukhaus‘Ein Haus im Osten’ ist eine Rubrik, in der ich von meinem kürzlichen Umzug nach Ostdeutschland irgendwo in der Pampa, zwischen Leipzig und Zeitz jenseits der Zivilisation, vom Landleben, meinen Erlebnissen in der Umgebung sowie von seltsamen, magischen und spannenden Erfahrungen berichte.

Nach dem abenteuerlichen Abend in Elias Küche, seinem unglaublich wohlschmeckenden Tollkirschenwein und dessen verrückten Auswirkungen (s. Teil 17), wollten wir es dieses Mal doch etwas ruhiger angehen lassen. Er hatte mich angerufen und gemeint, dass er mir etwas zeigen wollte. Es handelte sich dabei um ein äußerst und auffällig abgelegenes und bereits verfallenes Kinderheim ganz in der Nähe. Als er vor kurzem dort war, hatte er eine blaue Tür entdeckt, wohinter Kinder festgehalten und vielleicht sogar teilweise getötet wurden. Die dort herrschende Energie hatte ihn regelrecht überfallen und seit dem Moment an fühlte er sich etwas geschwächt. Er wollte wissen, was ich dort spürte und ob es vielleicht einen Zusammenhang zu seiner momentan geschwächten Energiekonfiguration geben könnte.

Also wollte ich mir das Kinderheim und diese blaue Tür einmal näher ansehen. Wir trafen uns erst einmal in Haynsburg. Ich erwähnte diesen Ort bereits in einem meiner vorherigen Teile. Darin berichtete ich von einem hübschen mittelalterlich-ritterlich eingerichteten Restaurant mit einem angenehmen Ambiente…

Hier erkennt man bereits den schönen Vorplatz zur Burg. Leider wurde das umliegende Gebäude erneuert und verlor damit an Charme des Mittelalters. Der Turm jedoch lässt noch erahnen, wie es einst ausgesehen hat…

Haynsburg Platz Burg

Ansonsten ist es wirklich schön dort und eine winzige Oase in dem allzu kleinen idyllischen Dorf.

Nachdem ich einige Minuten gewartet hatte, kamen Elias und Nikita mit einem Auto und sammelten mich auf. Kurz darauf fuhren wir aus Haynsburg heraus und einige Dörfer weiter. Irgendwann gelangten wir über eine kleine Landstraße auf einen einsamen Feldweg. Es ging dann bergauf und nach kurzer Zeit konnten wir den Wagen abstellen und zu Fuß weitergehen.

Hier waren wir an einem Waldrand und konnten hinunter ins Dorf blicken. Ein schöner Ausblick über das Feld, den weiten Himmel mit einem großen verwilderten Wald im Rücken.

Dann gingen wir einen langen Waldweg entlang. Wir wunderten uns, warum ein Kinderheim derart abgelegen errichtet worden war. Kein Auto konnte ohne Weiteres dorthin gelangen, es ging nur zu Fuß.

“Dieses Kinderheim hat einen sehr schlechten Ruf. Es wird gesagt, dass die Kinder hier damals zur Prostitution gezwungen wurden”, erklärte Elias. “Aus dem Grund ist es auch so abgelegen.”

Nun kamen wir an einem Waldstück vorbei, das mehrere Warnschilder besaß. Sie waren einfach an die Bäume genagelt und es wurde darauf hingewiesen, dass hier einst ein Kampfstoff-Testgebiet gewesen war und das Betreten auf eigene Gefahr stattfand.

“Ich möchte nicht wissen, welche Tests auch mit den Kindern gemacht worden sind”, meinte ich.

Elias nickte: “Davon kann man wohl ausgehen. Ich hoffe, du hast für das Kinderheim deine Schilde dabei…”

Damit meinte er, dass ich meine energetischen Schutzschilde ausfahren sollte. Wer weiß, vielleicht existierte dort noch eine negative Energie, die sich an einen haftet. In Elias Fall mag es bereits so gewesen sein.

Es konnte kaum sein, dass ein Kinderheim so abgelegen errichtet worden war, wenn man nicht noch einige andere Dinge damit geplant haben mochte. Es war ziemlich seltsam.

Nach einem Fußmarsch von vielleicht fünfzehn Minuten kamen wir auf eine Lichtung zu. Dort sah ich bereits einen Teil des Grundstücks mit dem erwähnten Kinderheim. Das Dach des ersten Nebengebäudes war eingefallen und es schien auch teilweise einmal darin gebrannt zu haben. Der untere Teil des Gebäudes war aus richtig altem Gestein zusammengesetzt. Es war absolut solide und sah chic aus.

Als wir um das Gebäude herumliefen, sahen wir das Kinderheim. Es war ziemlich zerfallen. Das Dach war stark eingestürzt, einige der Wände bröckelten bereits, die Fenster fehlten und überall lag Gerümpel herum. Das Haus war vermutlich an die 100 Jahre alt.

Als wir ins Haus gingen, sahen wir, dass die Fußböden an gewissen Stellen eingestürzt waren. Nur noch die nackten Stützbalken schienen intakt zu sein. Insbesondere der erste Stock war davon betroffen. Auch gab es nicht nur die blaue Tür, die in irgendeiner Weise unangenehm ausstrahlte, sondern auch noch ein, zwei andere Räume. Hier war offensichtlich viel Leid geschehen und gewiss nicht jedes Kind war so brav gewesen und hatte den Anordnungen der Heimleitung Folge geleistet. Kinder, die sich wehrten, wurden vermutlich eingesperrt. In einem der Räume, in denen es vielleicht so hätte sein können, spürte ich auch eine Anwesenheit. Ich konnte diese jedoch nicht näher bestimmen.

Wieder draußen machte ich einige Fotos von dem Grundstück…

Manche behaupten, dass in einem der Fenster ein Geist zu sehen sei, aber ich konnte keinen entdecken.

Man sieht, das ganze Grundstück ist bereits ziemlich verwachsen. Offensichtlich wird niemand mehr hier wohnen wollen. Das Gebäude wieder aufzupäppeln und instand zu setzen, würde viele Jahre dauern. Auch ist noch unklar, wem dieses Grundstück überhaupt gehört. Eventuell ist es nun im Besitz der Stadt.

Nikita reagierte an diesem Tag ebenfalls auf die Umgebung und fühlte sich nicht wohl dort. Sie empfand die Umgebung zwar als schön, aber alles um das Gebäude herum ließ sie nicht richtig atmen – wie sie erklärte. Sie blieb auch meistens auf Abstand.

Nach ungefähr einer dreiviertel Stunde gingen wir wieder langsam zurück zum Auto. Elias wollte mir noch ein anderes Grundstück zeigen, das er als “Feeninsel” bezeichnete. Dies schien sich nach einer wesentlich angenehmeren Umgebung anzuhören und ich stimmte zu.

Nach einer gewissen Zeit kamen wir an der Feeninsel an. Ich war gespannt, was es damit auf sich hatte. Seine Bezeichnung für den Ort erinnerte mich sehr an meine Jugend. Dort hatte ich am Waldrand gewohnt und wenn ich oft allein durch diesen Wald lief, benannte ich verschiedene Stellen aufgrund ihrer Ausstrahlung oder frei nach meinem Empfinden. Beispielsweise gab es einen kleinen Hügel, auf dem einige Bäume mit riesigen über dem Boden wachsenden Wurzeln standen. Die Wurzeln hatten mit der Zeit eine richtige Höhle geschaffen, in die man sich hineinsetzen konnte. Eine Wurzel wuchs sogar derart, dass man sich richtig wie auf einem Stuhl hineinsetzen konnte. Diesen Ort nannte ich “Die Koboldhügel”. Dann gab es z.B. noch eine kleine Lichtung, auf dem noch ein Baumstamm zu sehen war, auf den man sich setzen konnte. Ich fand diesen Platz richtig mystisch und benannte ihn als “Feenstamm”. An diesem Platz bin ich einst sogar einem Kobold begegnet, aber das ist eine andere Geschichte… Daher erinnerte mich die Bezeichnung “Feeninsel” durchaus an diese Zeit und den Wald aus meiner Jugend.

Das Grundstück war wirklich bezaubernd und romantisch. Das Haus stand seit Jahren leer und besaß auf einer Seite eine große, weiße Holzveranda im amerikanischen Stil. Auf der anderen Seite fand ich eine Rundtreppe mit zehn oder mehr Stufen vor, die in einen Wintergarten führte. Irgendwie wirkte der Ort wirklich mystisch und bezaubernd. Zwar war der ganze Platz verwachsen und überwiegend hatten sich Brennesseln hier breitgemacht, aber es war trotzdem ausgesprochen hübsch dort. Das Haus selbst schien auch einmal etwas gebrannt zu haben. Die Fenster waren kaputt und der Eingang zugenagelt. Man hätte dieses Haus einfach kaufen können, dachte ich mir. Wirklich ein schöner, verträumter Ort und sicherlich größer als mein jetziges Haus.

Elias führte uns dann zu einem Bach, der keine 50 Meter entfernt war. Er gehörte zum Grundstück, besaß ausgesprochen klares Wasser und war ungefähr fünf Meter breit. Wir mussten unsere Schuhe ausziehen, um auf die Insel zu kommen, die sich hinter dem Bach befand. Vermutlich ging der Bach um dieses Landstück herum.

Wir standen eine Weile in dem Bach herum und genossen das kalte Wasser, das mit unseren Füßen spielte. Es war ein heißer Tag und dies war eine schöne Erfrischung.

Offensichtlich gibt es so einige Grundstücke und Häuser im Osten, die niemand mehr benutzte. Ich berichtete auch mal von der einen oder anderen Stadt in der Umgebung, die teilweise ausgestorben wirken ob ihrer vielen verlassenen Gebäude. Niemand macht sich mehr die Mühe, diese Häuser zu renovieren, da es zu viel Geld kostet. Es abzureißen ist ebenfalls teuer, also stehen sie herum und verrotten langsam. Die Natur holt sich dann das Landgebiet zurück und die Häuser fallen ein und verwachsen mit der Natur. Ich mag diese verwachsenen Ruinen unglaublich gern, selbst dann, wenn sie bereits eingestürzt sind. Wenn noch Heizung, Strom und Wasser vorhanden wären, würde ich glatt in eins solcher Häuser einziehen und dem langsamen Verfall zuschauen.

Elias ging es mittlerweile wieder besser. Er hatte sich einige Zeit ausgeruht und schien den erneuten Ausflug zum Kinderheim ganz gut verkraftet zu haben. Es war immer noch nicht sicher, ob dies an dem Besuch in diesem Haus gelegen hatte oder an etwas anderem. Jedenfalls war es ein spannender und erholsamer Trip gewesen, der mit einem Kaffee und Wasser in einer verschwiegenen Dorfgaststätte endete.

Es war sehr angenehm und erholsam, dort zu sitzen. Ich kam auch noch kurz mit Nikita ins Gespräch, die gegenwärtig ziemlich in ihrer Persönlichkeitsentwicklung involviert war. Dabei erklärte sie mir, dass sie momentan nach Kraft jagte, um ihre Manöver zu überstehen. Dies ist eine Bezeichnung, die das Jagen nach Momenten beschreibt, in denen Energie abfallen und aufgenommen werden kann. Man kann es mit der Tätigkeit eines Jägers vergleichen, der ein Kaninchen jagt, um es dann zu essen. Das Jagen nach Kraft beschreibt eher den energetischen Vorgang.

“Wie jagst denn du nach Kraft, Jonathan?!”, fragte sie.

“Mir gelingt das vorwiegend durch den Akt der Dissoziation”, entgegnete ich. “Der Mensch setzt ungefähr 80% seiner Energien dazu ein, um zu denken. Wer also dissoziiert, kommt automatisch zu mehr psychischer Kraft.”

Ich hatte einmal mit meinem Willen Nikitas Gedanken angehalten und sie in einen Zustand befördert, in dem sie kaum noch denken konnte. Der Zustand hielt bei ihr nahezu 24 Stunden an und sie empfand es als ausgesprochen erholsam. Immerhin betrachtete sie sich als einen Menschen, der unwahrscheinlich viel und Unnötiges dachte und sich kaum in der Lage sah, dem Einhalt zu gebieten. Mittlerweile ist dies etwas besser geworden, so habe ich den Eindruck, da sie nun bewusst nach Momenten Ausschau hält, in denen sie weniger denkt.

Für mich persönlich nahm ich Nikita in einer schwierigen Phase wahr. Sie strebt gerade auf eine Erkenntnis zu, die mit ihrer Persönlichkeit und die der anderen Mitmenschen zusammenhängt, doch ist es auch eine gefährliche Phase, in  der man gelegentlich dazu neigt, alles hinzuschmeißen und tyrannisch und wütend den Rückzug antritt. Ich hatte das bisher häufiger von Menschen erlebt. Doch diese Erkenntnis lässt sich nicht durch das Denken erreichen und das macht es so schwierig, sie zu erlangen. Aus dem Grund gibt es nur zwei Wege, die notwendige und erforderliche Erkenntnis zu erlangen: Entweder durch die Dissoziation oder durch einen starken Konflikt, der einen innerlich spaltet. Diese Spaltung kann die notwendige Energie abwerfen, um zu einer solchen Erkenntnis zu kommen. Somit kann man sich darin trainieren, immer wieder zu dissoziieren oder aber jemanden zu finden, der diesen Konflikt auslöst und verstärkt.

Nun war es langsam Zeit, den Tag zu beenden. Es war mal wieder ein bezaubernder Ausflug gewesen.

“Und wenn wir uns das nächste Mal treffen, dann erkunden wir mal die vielen verlassenen Friedhöfe in der Umgebung. Aber bis dahin müssen erst mal wieder meine Schilde vernünftig stehen. Dann können wir gern losfahren…”, meinte Elias zu mir.

“Sehr gern”, entgegnete ich. “Friedhöfe mag ich und faszinieren mich immer wieder. Wir sollten aber wirklich warten, bis wir wieder intakte Schilde haben. Wir wollen ja nichts mit nach Hause nehmen, was wir gar nicht haben wollen…”

Auf dem Weg nach hause dachte ich über all die Geschehnisse nach, die ich den mittlerweile achtzehn Teilen zum “Ein Haus im Osten” verfasst habe. Ich erkannte plötzlich, dass diese ganze Geschichte einen abstrakten Kern besaß! Dies bedeutete, dass ich immer noch nicht mit 100%iger Sicherheit erklären konnte, warum ich aus dem wunderschönen Freiburg in den Osten Deutschlands gezogen war. Offenbar hatte sich hier eine höhere Kraft eingemischt, die mich dazu bewegt hatte, diesen Schritt zu tun. Aus dem Grund sage ich an dieser Stelle, dass meine Geschichte hier einen abstrakten Kern besitzt, einen Hinweis auf eine unglaubliche Kraft, die meinen Weg beeinflusst hatte…

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2 Antworten für “Ein Haus im Osten: Das Kinderheim des Todes (Teil 18)”

  1. Petra sagt:

    Hi Jonathan :-)

    Du schreibst, Du hast Nikitas Gedanken angehalten – ich wüßte gerne wie Du das gemacht hast ;-)
    Hast Du dafür dissoziiert? Hast Du ihre Energie mit Deiner überlagert? Oder wie kann man sich das vorstellen?

    Und: da die Dissoziation ja sooo wichtig ist ;-) hast Du mal einen Workshop geplant, in dem es nur um die Dissoziation geht?

    Herzliche Grüße

    Petra

  2. JonathanJonathan sagt:

    Hallo Petra,
    danke für Deinen Kommentar.
    Ja, ein Workshop über Dissoziation gibt es. Ich habe ihn bisher noch nicht gegeben, aber die Planung steht.
    Wie ich das gemacht habe? Tja… *g*
    Liebe Grüße, Jonathan

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