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Traumnacht: Im Schleudersitz

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Nach einer Schlafunterbrechung ging es dann wieder um 5.45 Uhr ins Bett. Ein wenig spät, wie ich fand, weil man gegen 7 Uhr bereits die ersten Arbeitgänger auf den Straßen hören kann. Ich hoffte, dennoch erfolgreich zu sein. Leider schlief ich auch erst nach einer halben Stunde ein, was es nicht einfacher machte. Während ich versuchte, meinen Körper einschlafen zu lassen, erreichte ich es mit meiner neuen Technik, mich auf die Seite zu drehen, indem ich nur daran dachte. Sofort war ich in meinem zweiten Körper, ohne dass mein physischer vollends eingeschlafen war oder ich einen Blackout erfahren musste, d.h. mit eingeschlafen zu sein. Plötzlich übernahm jemand anderes in mir die Führung und drehte meinen Körper auf den Rücken. In der nächsten Sekunde schoss ich mit einer rasenden Geschwindigkeit aus meinem physischen Körper hinaus hoch in die Luft. Es fühlte sich original so an, als befände ich mich in einem Schleudersitz! So raste ich durch den Himmel immer höher und höher. Dann ließ die Kraft mich wieder los und ich war wenige Sekunden später wieder in meinem Bett. Irgendwie hatte ich das Gefühl als wollte mir jemand damit sagen: “So geht das! Nun bist du dran!”

Nun gut, also lag es jetzt an mir. Sodann versuchte ich meinen Körper zu verlassen. Ich wollte auch so galant aus meinem Körper schießen, aber es gelang mir nicht. Im Gegenteil, ich blieb in Höhe des Bauches ständig stecken. Mit aller Kraft versuchte ich mich zu lösen, aber es zerriss mir förmlich den Bauch. Es schmerzte höllisch! Ich lenkte meinen inneren Sinn auf diese Stelle am Unterbauch und konnte dort eine Art Lederseil wahrnehmen, das sehr eng um meinen Bauch gebunden und an der Seite festgebunden war. Ich griff mit meinen Händen nach dem Seil und wollte es zerreißen, es von mir entfernen, aber ich zögerte und mein Verstand mischte sich ein: Was ist, wenn ich es damit nur noch schlimmer mache? Vielleicht ist es irgendwie mit den Organen meines Körpers verbunden. Ist es vielleicht etwas Karmisches, aus einem anderen Leben, das mir noch hinterherhängt? Wie auch immer, es schmerzte noch immer sehr und ich musste den Loslösungsprozess wieder unterbrechen und eine andere Taktik versuchen. So entschloss ich mich, das Switching anzuwenden, damit ich mich einfach aus meinen Körper herausbeamte. Das Problem beim Switching ist, ich landete dann immer irgendwo und konnte nie wirklich sagen, wo ich mich befand. Meistens waren es dann alternative Realitäten, in denen ich ebenfalls lebte und meine Erfahrungen machen konnte. Diese anderen Selbste besitzen andere Freunde, einen anderen Wohnort usw.

Wenige Augenblicke später stand ich in einer mir fremden Wohnung. Ich schaute mich um und konnte niemanden entdecken. Plötzlich klopfte es. Ein Mann stand vor der Wohnungstür.

“Möchtest du jetzt mitkommen? Wir wollen durch den Park und dann rüber zum Platz”, meinte er.

Ich bekam gerade das Update herein. Es war in dieser Realität mein Nachbar, zwei Stockwerke tiefer wohnte, oder war es höher? Ich war mir nicht sicher. Jedenfalls war es wichtig, mir nicht anmerken zu lassen, dass im Moment der Jonathan, der vor ihm stand, nicht derjenige ist, den er sicherlich gewohnt war.

“Ja, okay, lass uns gehen.”

Ich zog einfach die Tür hinter mir zu und wir gingen los. Dabei hoffte ich, dass es mir dieser Jonathan hier verzeihen würde, dass ich scheinbar keinen Schlüssel eingepackt hatte. Wir gingen durch einen schönen Park, es war vielleicht gerade Herbst in dieser Realität und die Luft mild. Das Laub fiel bereits von den Bäumen und bedeckte teilweise schon die Wiesen. Wir gingen einen Weg entlang und links von mir erblickte ich einen größeren See. In der Mitte des Sees befand sich eine kleine Insel mit einer wunderschönen Trauerweide darauf. Es erinnerte mich ein wenig an den Park, in dem ich als Kind gern gespielt hatte.

Nun stieß ein weiterer Mann zu uns. Er schien ein Freund des Nachbarn zu sein. Er wirkte ein wenig wie ein Landstreicher. In seiner Hand eine alte Plastiktüte, langer grauer Mantel und ziemlich unrasiert. Bestimmt befand sich in seiner Tüte eine Flasche Wein. Wir gingen weiter und verließen den Park. Es gab ein wenig Small Talk. Während wir weitergingen, versuchte ich mich in das Geschehen einzumischen, aber sobald ich es versuchte, drohte ich aufzuwachen. Dies war sehr seltsam, denn nur die geringste Form der Kontrolle, die ich anwenden wollte, hätte dafür gesorgt, dass ich erwache. Sollte ich mich also einfach wieder von den Geschehnissen führen lassen? Es blieb mir anscheinend nichts anderes übrig im Moment.

Wir erreichten einen sehr großen Platz. Überall standen Wohnwagen herum, alte, verlassene Häuser. Viele Menschen liefen dort herum und schienen irgendwas zu tun.

“Sie bereiten sich schon für die Veranstaltung am Samstag den 13. Oktober vor. Du wirst doch sicherlich auch kommen?”, meinte mein Nachbar.

“Natürlich komme ich am Freitag. Ich werde dort sein.”

“Nein, am Samstag!”, meinte er lachend.

Ich nickte ihm zu. Dann stürzten wir uns in die Menge. Ich schätzte die Zahl der Leute mindestens auf über 50-100 Personen, die ihre Vorbereitungen trafen. Wir drei bewegten uns auf einen Tisch zu, an dem mehrere PCs standen.

“Ich helfe immer hier mit”, meinte der Nachbar. “Wir steuern mit den PCs die ganze Musik. Es muss doch Musik laufen auf der Veranstaltung. Es werden bestimmt tausend Leute kommen, kann ich mir vorstellen.”

Sein Freund kramte aus seiner Plastiktüte erst einmal eine Flasche Bier heraus und öffnete sie gekonnt mit einem Feuerzeug.

“Prost!”

Ich grinste. Mittlerweile spürte ich durch die Länge des Traumes, wie ich immer mehr Energien erhielt. Langsam sammelte ich Tropfen für Tropfen und gewann an Stärke.

“Dieser PC hier läuft überhaupt nicht. Ich kann tun, was ich will! Der muss Samstag perfekt laufen, sonst müssen wir einen neuen besorgen und das kostet Geld!”, meinte der Nachbar und öffnete das Gerät.

Es war ein altes Desktopgehäuse. Ich warf einen Blick ins Innere und berührte die Festplatte. Es kribbelte kurz in meinen Fingern und plötzlich sprang der PC an.

“Häh! Was ist das denn?? Der läuft ja wieder! Wie hast du das denn gemacht?”, meinte der biertrinkende Freund. Der Nachbar war nicht minder überrascht.

“Du kennst dich doch gar nicht mit PCs aus…”, meinte er und wunderte sich.

“Ähm, richtig”, entgegnete ich. “Es ging von ganz allein. Ich hab ihn nur berührt und dann lief er wieder. Ich glaube, ich wollte einfach, dass er läuft.”

Es stimmte auch. Ich hatte mir einfach gewünscht, dass er lief und daraufhin die Festplatte berührt.

Die beiden wirkten sehr verblüfft von diesem Geschehen. Da sich sein Freund ziemlich lautstark geäußert hatte, waren bereits einige von den anderen Leuten zu uns getreten und fragten, was denn geschehen sei. Innerhalb von Sekunden, wie es mir schien, sprach es sich herum, was ich in meinem Leichtsinn getan hatte. Man sollte sich eben nicht zu auffällig verhalten, wenn man als Träumer fremde Realitäten besucht…

Kurz darauf trat ein Mann auf mich zu. Seine Augen waren leer und blutunterlaufen. Er war vielleicht Ende 30 und trug einen grauen Anzug:

“Sie müssen mir helfen!”

“Ich kann nicht helfen. Das war alles nur ein Zufall”, erwiderte ich.

“Ich klebe an meiner Mutter wie eine Schmeißfliege. Ich komme nicht von ihr weg. Es ist schlimm! Noch immer wohne ich bei ihr und ich kann keinen Moment ohne sie sein! Bitte helfen Sie mir, von ihr wegzukommen!”

“Sind Sie sicher?”, fragte ich noch einmal nach.

“Ja, ganz sicher! Es ist mir alles egal. Tun Sie es! Berühren Sie mich! Verändern Sie es in mir!”

“Sie wissen, dass, wenn ich Sie berühre, Sie Ihre Mutter verlassen werden? Sie werden gar nichts mehr mit ihr zu tun haben wollen und sofort ausziehen und gehen. Sie werden Sie verlassen, für immer. Also, seien Sie ganz sicher, wenn Sie es sich wünschen…”, ermahnte ich ihn.

“Das ist mir egal! Tun Sie es!”

Mittlerweile hatten sich schon viele Leute im Halbkreis um uns geschart und schauten interessiert zu. Ich holte mir einen jungen, kräftigen Mann aus der Menge und bat ihn, sich hinter den Mann zu stellen, der geheilt werden wollte. Ich erklärte, dass es sein könnte, dass er kurz in Ohnmacht fallen könnte. Der kräftige Mann nickte und posierte sich hinter ihm.

“Sind Sie bereit?”, fragte ich den Mann in seinem grauen Anzug noch einmal sicherheitshalber.

“Ich bin bereit! Machen Sie es!”

“Nehmen Sie die rechte Hand hoch! Strecken Sie sie mir entgegen…”

Er nahm seine Hand hoch und streckte sie mir entgegen. Dann fühlte ich wieder dieses Kribbeln in meinen Händen. Ich nahm meine rechte Hand und ergriff seine. Das Kribbeln wurde stärker und er riss seine Augen weit auf. Er fühlte dieses Kribbeln auch und war überrascht. Kurz darauf verdrehte er die Augen und sank in sich zusammen. Er ging auf die Knie und fiel sogar auf die Seite.

Der hilfreiche, kräftige Mann hatte dafür gesorgt, dass er nicht zu hart fiel, denn er fiel tatsächlich in Ohnmacht und lag jetzt schon auf dem Boden und seine Augen waren geschlossen. Die Zuschauer waren interessiert und warteten auf den Moment, wo er wieder seine Augen öffnen und erzählen würde, was geschehen war. Nur wenige Sekunden dauerte seine Ohnmacht und er schlug seine Augen wieder auf.

“Ich bin wieder da! Alles okay!”, meinte er und erhob sich leicht schwankend.

Wir halfen ihm, damit er einen festen Stand erhielt. Eine Frau in den 40ern brachte ihm etwas zu Trinken: “Hier, Herbert, trink.”

Nachdem er sich wieder gesammelt hatte, bedankte er sich bei mir.

“Ich fühle mich bestens und fühle deutlich die innere Stärke, die mir die Kraft gibt, das zu tun, was ich schon immer tun wollte. Ich danke Ihnen vielmals!”

Mit diesen Worten verschwand er in der Menge.

Der Nachbar kam neben mich und klopfte mir auf die Schulter: “Man, Jona, das war ja was! Du kommst aber zu der Veranstaltung, oder? Du musst einfach kommen!”

“Klar, ich komme am Sonntag. Ganz bestimmt…”, antwortete ich.

“Nicht am Sonntag! Am Samstag!”

Wir lachten. Ich konnte es mir einfach nicht merken.

“Jetzt musst du aber mitkommen! Ich muss dir was zeigen!”, meinte er und zog mich am Ärmel mit sich.

Er führte ich zu einem großen Wagen, der an der Seite eine geöffnete Klappe besaß, ähnlich diesen Losbuden auf einer Kirmes. Nur dass es dort keine Kuschelbären zu gewinnen hab, sondern die Regale waren mit bestimmt 20 Monitoren bespickt. Jeder Monitor schien etwas anderes zu zeigen. Zu sehen waren Szenen aus Computerspielen, Musikclips, bunte Farbenspiele und vieles mehr. Es war eine unglaubliche Fülle an Bildern, die einem entgegenschlug und ich musste fast um meine Klarheit in dieser Realität fürchten, so eindringlich wirkte es auf mich.

“Na, ist das nicht geil?!”, rief er gegen die Geräuschkulisse an.

“Hammer! Ich bin beeindruckt!”, gab ich vor.

Er lachte und schlug mir wieder auf die Schulter: “Das ist so cool! Du wirst sehen, das wird der große Erfolg am Samstag…”

“Sicherlich”, meinte ich und nickte.

Plötzlich spürte ich meinen physischen Körper. Es war wohl Zeit zurückzukehren.

“Ich muss jetzt leider los!”, sagte ich zu ihm.

“Ok. Dann sehen wir uns ja spätestens am Wochenende hier wieder!”, rief er mir nach, während ich mich umdrehte und ging.

“Klar, ich bin am 15. Oktober bestimmt da! Bis dann!”, rief ich und kurz darauf lag ich wieder in meinem Bett.

Ich schaute auf die Uhr. Es war halb acht. Immer wieder verblüffend. Dann drehte ich mich auf die andere Seite und wollte mal schauen, wohin ich jetzt springen konnte…

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