Traumnacht: Die Stadt Assantipoutilis – oder so

Traumnacht” ist eine Reihe, in der ich mich bewusst darauf konzentriere, einen luziden Traum oder eine außerkörperliche Erfahrung zu erleben bzw. in der ich von einen interessanten oder außergewöhnlichen Traum berichte.

Nachdem ich mich ins Bett gelegt hatte, dissoziierte ich ein oder zwei Minuten und plötzlich hörte ich ausgesprochen deutlich eine Stimme in meinem Kopf, die etwas zu mir sagte. Es war jedoch nicht in meiner Sprache, das ist sicher, ich glaube sogar, es war in einer nicht-menschlichen Sprache, denn eine solche hatte ich bisher noch nie gehört. Wenn ich diese nachahmen sollte, dann würde ich sie phonetisch wie folgt darstellen: “Ssarr ti kassor ri ssakamm rann ssa lakuu ssidahrr grraa.” Die Sprache klang wie ein hartes Japanisch mit völlig befremdlichen zischenden Lauten, wie das englische th und einem scharfen S gleichzeitig ausgesprochen.

Diese Sprache wurde teilweise sehr hart gesprochen, aber dann auch mal wieder erstaunlich weich. Ich hörte noch eine Weile diesen Worten zu, aber nach ca. 30 Sekunden verschwand die wohl schwer übersetzbare Botschaft. Vielleicht war diese auch gar nicht für mich gedacht, ich weiß es nicht. Im Anschluss überlegte ich, welche Spezies denn zu solch einer interessanten Sprache passen würde und ich hatte dabei eine Art Echse vor Augen.

Kurz darauf muss ich wohl eingeschlafen sein, fand mich danach aber in einer alternativen Realität wieder, in der ich einen Professor bei seiner Arbeit beobachtete. Er forschte an einer Art Portal herum, das ihn wiederum dazu befähigte, in andere Realitäten zu reisen. Wie es mir schien, hatte er bisher erst eine Realität mit diesem Portal erreichen können. Ich wunderte mich schon sehr, denn dies war nun der dritte Traum in den letzten sechs Wochen, der mit einem Portal zu tun hatte, das in eine andere Welt führte! Ich fragte mich, was mir das damit sagen soll? Immerhin kommen drei solcher Träume in dieser kurzen Zeit hintereinander mit dem gleichen aber außergewöhnlichen Thema doch eher selten vor.

Der Professor stand dabei mit einem Mann in Kontakt, der sich seine Aufzeichnungen anhörte und diesen auch bereits einmal durch dieses Tor geschickt hatte. Manchmal wechselte ich in den Mann hinein und dann wieder in den Professor. Kurz darauf durfte ich einem Experiment beiwohnen. Wir befanden und dazu in einem normalen Raum, an dem eine Wand mit einem Vorhang verhangen war. Er zog den Vorhang zur Seite und dort zeigte sich dann ein fensterähnliches Gebilde. Dieses hier besaß keinen Ereignishorizont oder dergleichen, sondern das Gebilde in Fenstergröße war einfach etwas dunkler als die Wand, das war alles. Weder erschien mir irgendetwas flüssiger oder instabiler als die Wand selbst. Ich vermutete, dass erst dann etwas zu sehen sein würde, sobald die  Apparatur aktiviert wurde, die aus einem kleinen Metallgerüst bestand und neben dem Vorhang stand. Doch dazu kam ich nicht, mir das anzusehen, denn ich war jetzt mit meinem Bewusstsein in dem des Mannes und ging sozusagen mit ihm durch das Tor.

Der Wechsel von dieser in die andere Realität war erstaunlich schnell. Es britzelte und zischte und kurz darauf war ich “drüben”. Die andere Realität erschien mir sehr veraltet. Ich möchte nicht sagen frühes Mittelalter, aber vom technischen Stand her würde ich das zeitlich ungefähr dort einordnen, wenn nicht noch viel früher. Es handelte sich hier um ein Dorf und es gab viele kleine Häuser – obwohl sie wirkten eher wie Hütten. Rund, vermutlich aus irgendeinem weißlichen Lehm erbaut, mit Strohdächern und bräunlicher Eingangstür aus Holz. An die vierzig, fünfzig Hütten dieser Art konnte ich wahrnehmen, wenn nicht sogar noch mehr. Interessanterweise kamen die Bewohner auf mich zu, weil sie mich ganz offensichtlich sehen konnten. Kurze Zeit später war ich von ungefähr fünfzig oder mehr Personen umgeben und mein Erscheinen hatte sich rasend schnell herumgesprochen. Immer mehr kamen herbei und wollten den fremden Besucher sehen. Ich wusste sogar den Namen dieses Dorfes. Der Professor hatte ihn “mir” vorher verraten. Es hieß Assantipoutilis oder Assiantipoutilis oder so.

Es waren in jedem Fall Menschen, Männer, Frauen und Kinder, die sich nun vor mir versammelt hatten. Deren Kleidung erinnerte mich auch etwas an die Zeit vor dem Mittelalter. Einer von ihnen, der unmittelbar vor mir stand und nicht gerade vertrauenserweckend ausschaute , machte auf mich den Eindruck eines Diebes, der mich derart schelmisch ansah, dass ich glaubte, er würde mich jeden Moment überfallen und ausrauben wollen. Er trug eine dunkle weite Hose aus Stoff und eine braune Lederweste mit großen Metallösen. Sein Haar war schwarz und das Gesicht braungebrannt. Dem Namen des Dorfes und dem Aussehen der Menschen nach hätte man glatt Griechenland vermuten können. Eines seiner Augen war nur halb geöffnet, als hätte er einmal im Kampf eine Schwellung erlitten und konnte daraufhin dieses Auge nicht mehr weit genug öffnen. Er grinst mich an, aber nicht unbedingt freundlich, sondern eben wie ein Räuber, der sich bereits darauf freute, meine Taschen zu durchsuchen.

Einige der Personen sprachen mich an und gaben ihrem Erstaunen Ausdruck: “Herzlich Willkommen!” und: “Wie hast du es geschafft, in unsere Welt zu kommen?”, aber auch: “Wir freuen uns immer darauf, wenn Fremde hier ankommen. Ganz besonders, wenn sie aus einer anderen Welt kommen.” usw.

Sie stürmten mit ihren Fragen auf mich ein und ich versuchte sie so gut wie möglich zu beantworten. Offensichtlich waren sie sehr begeistert und hocherfreut. Niemand war mir feindlich gesinnt, nun gut, bis auf diesen Dieb mit der äußerst schicken Weste.

Nach einer gewissen Zeit befand ich mich plötzlich wieder in dem Raum mit dem Wissenschaftler. Er begrüßte und beglückwünschte mich zu meiner gelungen Reise in eine andere Zeit. Ich schilderte ihm daraufhin, was ich erlebt hatte und er machte sich eine Menge Notizen. Er war begeistert und wollte, dass ich noch ein weiteres Mal in dieses Tor hineingehe und mich auf eine zweite Reise einlasse. Ich war dermaßen begeistert, dass ich sofort zustimmte – auch wenn mir ziemlich übel war durch die Rückkehr.

Wir hielten uns nicht lange auf und ich ging ein zweites Mal durch das Portal.

Ich landete exakt an der gleichen Stelle wie zuvor, nur erblickte ich jetzt nicht mehr ein Dorf aus der tiefen Vergangenheit, sondern ich stand hier vor einer riesigen, futuristisch aussehenden Stadt mit gewaltigen Hochhäusern, Türmen, Flugverkehr und unzähligen kleineren Häusern mit hohen Stockwerken. Ich vermutete stark, dass ich mich erneut in dem Dorf befand, aber weit in der Zukunft. Mittlerweile war daraus eine Großstadt geworden. Ich schätzte grob, dass es ungefähr das 24. Jahrhundert sein musste, aber kann mir dahingehend natürlich nicht sicher sein.

Wie bei meinem ersten Besuch, kamen plötzlich Leute auf mich zu. Sie begrüßten mich völlig locker, als wäre es normal, dass jemand aus dem Nichts mitten in der Stadt auftauchte. Einige unter ihnen stellten sich vor mich hin und meinten solche Sätze wie:

“Hallo Fremder. Ein herzliches Willkommen! Wir wissen, dass du nicht lange bleiben kannst. Wir erinnern uns noch sehr gut an dich. Wir haben in unseren Aufzeichnungen aus der damaligen Zeit von dir gelesen und einige unserer Forscher meinten, dass es möglich wäre, dass du noch einmal zurückkommen würdest. Wir haben nicht mehr daran geglaubt, aber nun bist du nach dieser sehr langen Zeit jetzt doch gekommen.”

Daraufhin erklärte mit eine Frau, dass sie begeistert wären, dass ich diese Reise auf mich genommen und noch einmal vorbeigeschaut hätte. Sie wies auf die Stadt und meinte, dass dies nun ihr Wohnort sei, den sie gemeinsam aufgebaut und verschönert hätten.

Ich musste lachen. Verschönert war gut, denn hätte ich nicht mit Sicherheit gewusst, wieder am gleichen Ort wie beim letzten Mal zu stehen, dann hätte ich auch niemals angenommen, dass dies einst das Dorf mit den Lehmhütten war. Sie waren stolz auf das, was sie erreicht haben und meinten zum Abschied, dass ich den Leuten aus meiner Zeit mitteilen sollte, dass sie sie herzlichst grüßen und sich über einen weiteren Besuch sehr freuen würden.

Wenige Zeit später war ich wieder auf dem Weg zurück. Mir war speiübel und auf dem Rückweg musste ich mich übergeben. Als ich endlich wieder bei dem Wissenschaftler in seinem Raum saß, war ich mit Sicherheit kreideweiß im Gesicht. Es ging mir richtig übel und es dauerte mehrere Minuten, bis ich wieder einigermaßen meine Sprache wiederfand.

“Scheinbar sollte man nicht mehrmals hintereinander reisen”, erklärte er mir. “Ein dritter Versuch bleibt somit aus. Doch müssen wir achtgeben, es dauert dieses Mal Stunden, bis sich das Portal wieder richtig schließt. Es kann also sein, dass sich noch einiges an Zellmaterial im Raum manifestieren wird. Achten Sie darauf, wenn es sich zeigt. Sie können es dann aufnehmen und entfernen.”

Daraufhin erklärte er noch einige andere Punkte und darüber erwachte ich langsam aus diesem spannenden Traum.

Im Nachhinein frage ich mich, was es mit dieser Art Träume mittlerweile auf sich hat. Dies ist nun innerhalb von exakt sechs Wochen der dritte Traum, indem es um ein Portal geht, das ich betrete. Das erste Mal war es “Realitätswechsel mit Hindernissen” und der zweite Traum mit dem Titel “Das Einweg-Portal“. Diese Synchronizität ist äußerst seltsam und scheint eine unterbewusste Botschaft an mich zu sein. Das neue Jahr nimmt ja einen interessanten Anfang…

5 Kommentare zu “Traumnacht: Die Stadt Assantipoutilis – oder so

  1. Hallo Jonathan!

    Also das geht ja richtig los bei Dir 2014…

    Wie sagte die Verona:

    es kommt immer „Besser als wie man denkt“

    LG Albert

  2. Hallo Jonathan,

    als ich das Wort”Assantipoutilis” gelesen habe, musste ich auch gleich an Griechenland denken…

    Wer weiß, was das mit deinen “Portal-Träumen” auf sich hat. Du weißt ja: nichts passiert rein zufällig! Aber wenn es einer erforschen und herausfinden kann, bist du das! :)))))

    Herzlichen Gruß
    Ostara

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