Suche nach Erleuchtung: Am Katzenschwanz (Teil 41)

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Heute hielt ich mich eine ganze Weile am Rand der Wahrscheinlichkeitsfraktale auf. Ich dachte dabei an Robert A. Monroe, der auf seinen außerkörperlichen Exkursionen von inneren und äußeren Ringen gesprochen hatte. Ich nahm diese Ringe überhaupt nicht wahr, so wie er sie beschrieben hatte, sondern ausschließlich diese Millionen Realitäten, die sich wie bei den Schichten einer Zwiebel präsentierten und die ich beliebig durchreisen konnte; sobald ich diesen Zustand erreichte, in welchem ich mich gerade befand. Gleichzeitig dachte ich über meine letzten Erfahrungen mit dem alten Mann und meinem Padawan nach. Ich hatte schon das Gefühl, dass es dem Mädchen gut ging, während ein anderer Teil in mir sich Fragen stellte, was sie denn wohl gerade machen würde und was sie von unseren Erlebnissen in ihrem Alltag erinnern könnte. Auf der einen Seite ist es für einige im Angesicht der vielen Realitäten und der Relativität der Zeit keineswegs verwunderlich, dass das Mädchen in meinen Träumen schon vor zehn Jahren dieses Alter besaß und es sich gegenwärtig nicht anders verhielt, aber auf der anderen Seite fragte ich mich, wie es denn um ihren Alltag stand. War sie dort auch noch ein Mädchen oder war sie bereits zu einer Frau herangewachsen?

In einigen Berichten von klinisch Toten wurde erwähnt, dass sie ihre verstorbenen Verwandten und Freunde wiedergetroffen haben. Sie waren jedoch oftmals viel jünger und wurden aus diesem Grunde manchmal kaum wiedererkannt. Vermutlich haben viele unter ihnen ihre Großmutter nicht wiedererkannt, wenn sie im wehenden Kleide und jüngsten Alters vor ihnen stand und riefen: “Mein Enkel!”. Der Einfluss auf den elektrischen Körper ist in seinem normalen Ambiente wesentlich freier zu gestalten. Mit ein wenig Übung kann man sich jede Erscheinung wünschen und nach eigenem Gutdünken aussehen. Freie Kleiderwahl ist ebenso möglich. Das Jenseits ist für einen Verstorbenen erst einmal ein ganz neues Umfeld und gewöhnungsbedürftig. Körperkontakte gibt es jedoch keine mehr. Physisch-sensorische Erfahrungen sind ausgeschlossen. Darunter fällt auch Sex, so wie wir ihn kennen. Jegliche Nahrungsaufnahme, Begegnungsstätten, Unterrichtskurse, Partys, Musik und Sport und weitere Betätigungen wird es weiterhin geben, doch keine, die direkten Körperkontakt ermöglichen würden. Die physische Welt über die Reinkarnation zu besuchen ist somit auch eine sensorische Erfahrung, die man sich gewünscht hatte.

Während ich darüber nachdachte, erinnerte ich mich daran, wie oft ich versucht hatte, dieses Labyrinth der unzähligen Realitäten zu überbrücken. Vielleicht einmal die Grenze zu überwinden und einen Blick auf die Welten jenseits dessen zu erhaschen. Manchmal erblickte ich gigantische Selbste, die in so weiter Entfernung voller Erhabenheit dahinschwebten, aber so flüchtig und vage, dass ich sie kaum näher ins Auge fassen konnte. Plötzlich wurden meine Gedanken unterbrochen, denn ich spürte die Anwesenheit mehrerer Personen. Ich konnte sie nicht optisch wahrnehmen. Sie verbargen sich vor mir, vermutlich ganz absichtlich, aber ich konnte ihre Anwesenheit überdeutlich spüren. Vor mir standen zwei von ihnen, eine Frau und ein Mann. Weiter abseits und rechts von mir ein weiterer Mann. Leider war es mir nicht möglich, noch mehr zu bestimmen als ihr Geschlecht.

“Wer seid ihr?”, fragte ich. “Und warum verbergt ihr euch vor mir?”

“Wir haben dafür unsere Gründe”, antwortete der Mann vor mir. “Doch wir möchten dir beiseite stehen, wenn du gleich einige Dinge in Erfahrung bringen wirst.”

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“Wie meinst du das?”

“Du stehst kurz davor, einige Dinge für dich zu verstehen und wir sind dazu da, damit du nicht überschwänglich wirst”, entgegnete er auf meine Frage. “Aus dem Grund bitten wir dich, einfach weiter über die Grenze nachzudenken und das, was du bisher wahrgenommen hast.”

Sekunden später traten sie wieder in den Hintergrund oder ‘dimmten’ einfach ihre Ausstrahlung. Warum hielten sie es für nötig, dass ich sie nicht sah? Waren es vielleicht alte Bekannte, die verhindern wollten, dass ich sie wiedererkannte? Oder sind sie dermaßen gruselig anzuschauen, dass sie mir das ersparen wollten? Letzteres war vielmehr ein amüsanter Gedanke, da ich wusste, dass sie meine Gedanken lasen.

Erkenntnisse aber auch normale Gedankengänge in diesem Zustand bzw. am Rande der Wahrscheinlichkeitsfraktale sind immer intensiver und nachdrücklicher. Gedanken und Imaginationen sind hier Realität und können genauso schnell umgesetzt werden, wie man sie denkt. Doch während ich weiter über alles nachdachte, erblickte ich vor meinem geistigen Auge nur als gefühlte Ahnung die Ganzheit des Selbst auf ihrer Reise durch die vielen Welten jenseits der Grenze. Jede größere Verschiebung in Geiste ist eine Veränderung, die die Ganzheit des Selbst vornimmt und die wir Menschen in unserem Alltag nicht verstehen. Es ist wie der Vater, der sein Kind vom Lande zum ersten Mal mit in die Stadt nimmt. Das Kind versteht die ganzen Vorgänge nicht richtig und kann nicht nachvollziehen, was die Menschen dort alles tun. Ein schwacher Vergleich zu dem, was ich sagen möchte, doch erklärt es vielleicht ein wenig meine Gedanken. Der Tod ist eine dieser größeren Verschiebungen der Ganzheit des Selbst und auch diese verstehen wir nicht wirklich. Wir schauen eigentlich dem Prozess zu, während man im Bett liegt und vor sich hinstirbt. Doch was wir als Tod interpretieren kann für die Ganzheit des Selbst eine ganz andere Verschiebung der Elemente seiner Persönlichkeiten oder seiner internen Prozesse sein. So bleiben wir zwar immer mit vielen Vermutungen und Ahnungen zurück, aber dennoch unwissend, unklar und in mehr oder auch mal weniger freudiger Erwartung auf den kommenden Prozess. Eigentlich sind wir doch am Katzenschwanz und vermutlich jene, die es zuletzt mitbekommen, was die Ganzheit für Bewegungen vollführt. Wie ein Kind, das zu Weihnachten in sein Zimmer geschickt wird, damit es nicht mitbekommt, was das Christkind Schönes vorbereitet. Nur das Rascheln und Füßetippeln kann es leise vernehmen… wartend auf den süßen Klang der hellen Glocke. Und wenn wir am Ende der Verlaufskette sind, wie ein Fabrikarbeiter, der am Fließband kleine Teile zusammensteckt, ohne jemals zu wissen, wozu sie überhaupt gehören, so können doch Dinge jenseits unserer Wahrnehmung ablaufen, die wir besser hätten vorher wissen sollen. Eventuell wird man gerade in diesem Augenblick wie ein kleines, verlorenes Kätzchen zum Einschläfern gebracht und man hat in seinem Schuhkarton nicht die blasseste Ahnung. Natürlich stachele ich die Situation weiterhin mit solchen Gedanken an, nur um einen Konflikt oder eine Position in mir zu finden. Denn es war oft meine Einstellung, dass die Verstärkung eines Pols die Sicht auf den gegenüberliegenden Pol erleichtert. Auf diese Weise können wesentlich besser Entscheidungen getroffen werden. In diesem Sinne führte ich meine Gedanken weiter…

Es gibt also nur eine Möglichkeit, sich dieser allumfassenden Unwissenheit seines eigenen, beschränkten Selbstes zu entziehen, indem man immer wieder versucht, flüchtige Einblicke der Wahrnehmungen der Ganzheit zu erlangen, um die Situation jenseits der Grenze einschätzen zu können. Und wenn die psychische Energie dazu nicht reicht, muss sie ohne Rücksicht erlangt werden – sei es durch bewusstseinserweiternde Substanzen oder Extremsituationen. Plötzlich begehrten mehrere Persönlichkeiten in mir auf und wünschten sofortige Maßnahmen, um nicht mehr so unwissend am Katzenschwanz zu hängen und Jahrhunderte darauf warten zu müssen, endlich vollends aufgeklärt zu werden. Und während diese Gefühle in mir aufbrausten und mir meine vernünftige, ruhige Sicht auf die Dinge nahmen, erinnerte ich mich an die Worte des Mannes, der vorhin zu mir gesprochen hatte. Nun wusste ich, warum er gekommen war…

Doch ohne jede Ankündigung öffnete sich für einen Bruchteil einer Sekunde ein Kanal in meinem Kopf. Es war, als würde jemand etwas Unglaubliches, ja Unfassbares gesehen haben und es die ganze Zeit mir unter Anstrengung vorenthalten, damit es telepathisch nicht zu mir dringen konnte. Diese Gedanken und Bilder kamen von der Frau und so kurz der Einblick in ihre Gedankenwelt war, so fesselnd, unbeschreiblich schön und nahezu wahnsinnig aufregend waren sie. In diesem Moment hätte ich den Tod mit offenen Armen empfangen und mir keinen weiteren Moment auf Erden gewünscht…

Doch enthielten diese Gedankengänge auch unfassbare Geheimnisse, die ich an dieser Stelle nicht weitergeben kann. Sie sind nicht nur nahezu unbeschreiblich, sondern einfach unbegreiflich. Trotzalledem konnte ich einen Einblick erhaschen, weil die Frau vermutlich nicht dicht genug war, um nichts zu mir durchdringen zu lassen. Sie hatte sich sozusagen telepathisch verplappert!

“Sei ruhig! Das kannst du ihm doch nicht verraten!”, hörte ich den Mann neben der Frau denken.

Die Frau sagte nichts.

“Was…was war das da eben??”,  hakte ich sofort und noch etwas irritiert nach.

Es folgte keine Antwort. Die drei Persönlichkeiten hielten sich mit weiteren Kommentaren zurück. Trotz weiterer Fragen reagierten sie nicht mehr.

Meine Vermutung war, dass durch die Steigerung des Konfliktes in mir zwei Pole geschaffen worden waren, die für die Frau besorgniserregend gewesen sein mussten oder in ihr einfach etwas aktiviert wurde, das ihre Gefühle verstärkt und diese Bilder, die sie jenseits der Wahrscheinlichkeitsfraktale erblickt hatte, nur schwer zurückhalten konnte. Wir sind wirklich am Katzenschwanz…

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4 Kommentare zu “Suche nach Erleuchtung: Am Katzenschwanz (Teil 41)

  1. Hallo, Jonathan

    “Es gibt also nur eine Möglichkeit, sich dieser allumfassenden Unwissenheit seines eigenen, beschränkten Selbstes zu entziehen, indem man immer wieder versucht, flüchtige Einblicke der Wahrnehmungen der Ganzheit zu erlangen, um die Situation jenseits der Grenze einschätzen zu können.”

    soweit ich weiss geht man durch die Fragestellung und Erforschung “wer ist sich seines beschränkten Selbstes bewusst?” oder “wer nimmmt die Beschränkung wahr” über diese Beschränkung hinaus.

    Liebe Grüsse
    Uwe

  2. Hallo Jonathan,
    Hast du schon mal jemanden in deinem Alltag getroffen, den du zuvor in einer anderen Realität kennengelernt hast (und das auch noch erinnerst)? Habe mich schon öfter gefragt, ob das geht bzw. ob ich es mal erlebe. Manchmal trifft man ja Leute und hat das Gefühl man kennt sie schon lange.

    Neulich hatte ich seit langem mal wieder ein AKE-ähnliches Erlebnis und während dessen hab ich mich erinnert, dass ich kurz zuvor in deinem Eintrag gelesen hatte man könne sein Aussehen beliebig verändern. Ich bin dann direkt vor den Spiegel und habe herumexperimentiert. Das war was! :-)

    Noch etwas anderes: du schreibst “…und wenn die psychische Energie dazu nicht reicht, muss sie ohne Rücksicht erlangt werden”. An anderer Stelle sagte der alte Mann mal, alles wäre dazu erlaubt ausser physische Gewalt. Ich finde das etwas gewagt und kann da gefühlsmässig nicht zustimmen. Heisst es vielleicht, so lange man anderen damit nicht vorsätzlich schadet (physisch, emotional, mental usw.)?

    Liebe Grüsse, Christine

  3. Hallo Chistine,
    danke für Deinen Kommentar.
    Bisher ist es mir schon einige Male passiert, dass ich von jemanden träumte und mir diese Person später im Alltag begegnet ist. Doch nicht mehr als drei oder vier Male.
    Spiegel sind sehr interessant in Träumen und AKE. Sie können zu Selbsterkenntis (über seinen Zustand) und zur Luzidität führen. Seltsame Effekte können auch auftreten.
    Ja, das denke ich auch, dass eben damit gemeint ist, dass man anderen nicht schadet. Nur weiß man nie, wo hier die Grenze liegt, da sie für jeden eine andere Toleranzschwelle besitzt. Somit empfinde ich die der Gewaltvermeidung zumindest schon mal als eine richtungsgebene Grenze.
    Liebe Grüße, Jonathan

  4. Hallo Jonathan,
    spannend, dass du das erlebt hast!
    Vor dem Spiegel bin ich schon einige Male gelandet aber ich habe meistens nur kurz geschaut und es ist nicht viel passiert. Werde künftig mal darauf achten.
    Ja, stimmt die Toleranzgrenze ist eine individuelle Angelegenheit. Der Gewaltverzicht ist da schon mal ein gemeinsamer Nenner, der sicher für die meisten zutrifft.
    Liebe Grüsse, Christine

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