Staatenlos: Der lange Trip nach Graz und die Lurgrotte (Teil 16)

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‘Staatenlos’ ist eine Rubrik, in der ich Artikel von meiner Reise durch Europa verfasse, über die Abenteuer, die auf mich warten und mit Fotos und Videos untermalt werden. Diese Artikel erscheinen nicht immer auf der Hauptseite! Also immer wieder mal auf der linken Seite auf diese Kategorie klicken und nachschauen, ob ein neuer Artikel, ein Foto oder Video veröffentlicht wurde…

So schön die Schweiz gewesen ist mit all seinen Bergen, Seen und Wälder, zog es mich nach Graz. Dort wohnte eine gute Freundin von mir, die mich zum März 2017 in ihr Haus bei Graz eingeladen hat. Die schöne Stadt lag nur 20 km von ihr entfernt und ich war gespannt darauf, diese kennenzulernen. Graz liegt in der zauberhaften Steiermark in Südösterreich…

Viele kleine Gassen und Gebäude im historischen Barock- und Renaissancestil bieten zudem noch unzählige Restaurants und Shops an.

Auf dem Weg nach Graz musste ich zwei Mal an einem Übergang halten, eine Bezahlstelle, um den einstigen Bau und für die Erhaltung der langen Tunnel finanziell zu unterstützen. Ich hatte mir natürlich bereits eine Vignette besorgt. Dabei handelt es sich um einen Aufkleber, der auf die Windschutzscheiube geklebt wird, damit man die Autobahnen nutzen darf – dies wird Mautgebühr genannt. Daher war mir nicht ganz klar, warum ich nun extra noch einmal für die Durchfahrt durch den Tunnel zahlen sollte. So sprach ich doch gleich die erstbeste Dame an, die in einem der Häuschen saß und von jedem Autofahrer 5 Euro kassierte…

“Servus“, rief die Frau, um den Motorlärm zu übertönen.

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“Servus“, entgegnete ich. „Ich brauche nicht bezahlen.“

“Wieso nicht?“, fragte mich die Dame.

“Ich habe bereits eine Vignette, schauen Sie mal…“

Sie lachte und meinte, dass dies nicht ausreiche, um weiterfahren zu können.

„Sie müssen wissen, dass die Gebühr, um ihre Reise fortzusetzen, für die Erhaltung der Bergtunnel gilt. Die Vignette ist nur für die allgemeine Nutzung der Autobahnen.“

Natürlich hatte ich mir das bereits gedacht, aber ich wollte mir diesen Spaß einfach erlauben. In dieser Welt muss man mittlerweile für alles Mögliche Geld berappen. Ein weiser Indianer sagte einmal, dass er sich wundere, weshalb die Regierungen dieser Welt noch keine Bezahlung dafür verlangten, dass man Sauerstoff atme.

Die öffentlichen Stellen, die hierfür ihr Geld verlangen, legen den Schwerpunkt vielmehr auf kleine Summen, die verlangt werden, leben aber von der großen Masse der Menschen, wodurch dann unzählige Millionen eingesammelt werden können. Wohin fließen diese Millionen und Milliarden? Werden sie wirklich ausschließlich für die Restauration der Tunnel eingesetzt? Niemand kann dies wirklich mit Sicherheit sagen, vor allem nicht der kleine Bürger, der keine Möglichkeiten besitzt, um effektiv nachzufragen.

Nachdem ich bezahlt hatte, ließ mich die nette Dame hindurch. Eine solche Bezahlstelle tauchte nach 100 km abermals auf und es wurden sogar 10 Euro verlangt. Vermutlich wurde dies auch an der Anzahl bzw. der Länge der jeweiligen Tunnel bemessen.

Meine Fahrt ging weiter durch die schöne Landschaft der Steiermark. Auch war es hier einige Grad wärmer und die Berge und Wälder faszinierten mich wie eh und je. Die Hinweisschilder, wie man nach Graz gelangte, waren bereits sehr früh aufgetaucht. Somit war es nicht schwierig, den Weg zu finden. Das Navi war somit nicht unbedingt nötig.

Ich hatte zwar noch immer mein Smartphone, das ich mir im letzten Jahr in Deutschland gekauft hatte, aber die Sim-Karte war noch eine aus Griechenland. Interessanterweise ist das Internet in Griechenland viel preiswerter. Da erhält man viel Datenvolumen für wenige Euro. In Österreich hingegen ist es zwar etwas teurer, aber erreicht bei weitem nicht die Preise Deutschlands.

Als ich mich auf dem Weg nach St. Marein bei Graz machte, um die Freundin namens Shiva zu besuchen, entdeckte ich Hinweisschilder zur Tropfsteinhöhle namens Lurgrotte. Dabei handelt es sich um eine Höhle, die 2 km lang ist und gilt als eine der aktivsten Wasserhöhlen in der Steiermark. Sie befindet sich ebenfalls nur ca. 20 km von Graz entfernt. Die Höhle wurde bekannt durch eine große Rettungsaktion vonseiten Kaiser Franz Joseph dem I., als neun Höhlenforscher in der Höhle festsaßen. Ganze tausend Mann konnte der Kaiser mobilisieren. Dies empfand ich als eine erstaunliche Aktion, denn ich weiß nicht, ob dieser Aufwand heutzutage noch von irgendwem in die Wege geleitet werden würde, wenn jemand vermisst wird.

In der Winterzeit gibt es stets eine Abenteuerführung durch die Höhle. Mit einem Führer gelangt man sogar bis zu 4 km tief in die Höhle und der Trip dauert um die fünf Stunden. Ich wurde durch atemberaubende Hallen und Höhlengänge geführt mit spannenden Tropfsteinformationen, Kletterstrecken und unterirdische Canyons. Ein unvergessliches Erlebnis.

Ich wurde zwar um 70 Euro erleichtert, um an der Führung teilzunehmen, aber es war das Geld in jedem Fall wert.

Die vielen Treppen, die man zu laufen hatte, waren nicht allzu beschwerlich zu nehmen, aber die Bilder, die sich einem boten, waren faszinierend.

Das Licht, das durch einige der Öffnungen in die Höhle fiel und durch mancherlei Lampen erleuchtet wurde, lieferten ein mystisches Licht. Ich kam mir vor wie in Herr der Ringe, als der Held in den Berg ging, um die Geistersoldaten zu treffen und für einen Kampf gegen den bösen Zauberer Sauron zu überzeugen.

Nachdem ich mir die Höhle ausgiebig angeschaut hatte, ging meine Reise weiter. Es lag noch ein wenig Schnell an den Straßenrändern und nach einer kurzen Strecke gelangte ich nach Marein. Ein bezaubernder kleiner Ort mit wenigen Einwohnern. Einsamer konnte man kaum wohnen, dachte ich.

Shivas Haus war wirklich sehr einladend. Ein riesiges Wohnzimmer und zwei weitere Zimmer luden sehr dazu ein, eine Weile dort zu verbringen. Sie war sehr praktisch orientiert, denn jeder Raum war mit automatischen Lämpchen ausgestattet, die über eine Zeitschaltuhr ihren leuchtenden Dienst verrichteten. Ebenso begrüßten mich zwei Katzen, Junk und Bo. Letzterer war ein dicker schwarzer Kater und Junk die dreifarbige Mutter mit Schwarz, Weiß und hellbrauner Farbe. Insbesondere Junk schien mir ein kleiner Gauner zu sein, allein sein Gang erinnerte mich an den von Krähen, die oftmals einen ähnlichen Eindruck vermitteln können. Es machte ihm einen Heidenspaß, stets durch das ganze Haus zu laufen und die Lichtquellen mit dem Bewegungsmelder zu aktivieren. So wurde sein Gang ehrfürchtig beleuchtet. Jedoch fassten mich die Katzen schnell ins Herz und kamen bereits nach einigen Tagen ebenso zu mir und kuschelten sich an.

Österreich ist ziemlich ähnlich zu Deutschland, doch gab es einige Elemente, die erst einmal zu lernen waren. Vor allem die so genannten Trafiks. Hierbei handelt es sich um Kiosks, die Zigaretten und Getränke anbieten. Trafiks gibt es fast an jeder Ecke in Graz, aber auch viele Kneipen und Eisdielen. Besonders gut gefallen hatte mir das Cineplex-Kino. Im Kino waren einige Kneipen enthalten, in denen stets viele Menschen saßen und eine angenehme Stimmung herrschte. Irgendwas hatte dieser Ort und übte seltsamerweise seine eigene Anziehungskraft auch mich aus.

Shiva hatte mich eingeladen, bei ihr einige Zeit zu bleiben. Danach hatte sie geplant, mit einem guten Freund eine dreimonatige Tour mit dem Camper durch die USA zu unternehmen. Sie bot mir an, in dieser Zeit ihr Haus frei nutzen zu können – unter der Bedingung, die Pflanzen zu gießen und mich um etwaige Erledigungen zu kümmern. Das bezaubernde Haus mit seiner sehr kreativen Einrichtung lud mich geradezu dazu ein und ich konnte nicht ablehnen. Sie bot mir sogar an, dass ich auf meinen Trips in andere Länder, immer wieder mal frei zurückkommen und dort übernachten zu können. Natürlich musste ich als Staatenloser darauf aufpassen, in keinem Land länger zu bleiben, als es erlaubt war. Denn sobald man eine bestimmte Zeit überschritt, wurde man in dem jeweilgen Land steuerpflichtig. Daher musste ich stets rechnen.

Österreich gefiel mir jedoch sehr und ich musste vor mir selbst zugeben, dass ich es sogar Deutschland vorzog. Ich überlegte, ob ich vielleicht in einem anderen Leben einmal in Österreich gewohnt haben könnte, denn anders konnte ich mir mein Wohlgefühl in diesem Land nicht erklären.

Nachdem ich mich einige Wochen eingelebt hatte, neigten wir dazu, des Öfteren ins Kino zu gehen oder in netten Cafés herumzuhängen. Irgendwie machte es Spaß, dort einfach den Tag zu verbringen und sich über nichts Gedanken zu machen. Irgendwann war es dann soweit, dass Shiva ihre Reise in die USA antrat. Ich brachte sie mit ihren Koffern und Katzen zum Flughafen und versprach ihr, sie nach den drei Monaten wieder mit dem Auto abzuholen. Nun hatte ich nicht nur mein geliehenes Auto zur Verfügung, sondern auch einen roten Audi A1. Ein rasanter Flitzer mit einer extra Einstellung für Speed, um auf der Bahn so richtig beschleunigen zu können. Nun gut, auf den Autobahnen Österreichs sind nur maximal 130 km erlaubt, somit konnte man den Extraschub nicht wirklich groß nutzen, aber die Anzugkraft des Wagens zu spüren, war schon ein kleines Erlebnis für sich. Und, wie soll ich es sagen, der Wagen musste ja manchmal gefahren werden, damit die Bremsen nicht anrosteten oder die Batterie ihren Geist aufgab.

Nachdem ich den einen oder anderen Trip in die Schweiz, Tschechien und Albanien unternommen hatte, war es auch schon so weit, Shiva wieder vom Flughafen abzuholen. Sie hatte viel von ihrer Reise zu erzählen, bei der si vom Westen aus quer durch die USA bis in den Osten gefahren war. Gewiss war dies ein atemberaubendes Erlebnis gewesen, all die Canyons und Schluchten zu besuchen und einfach mit dem Camper anhalten zu können, wo immer man wollte.

Gemeinsam überlegten wir, irgendwann einmal ein gemeinsames Videoprojekt auf Youtube zu starten. Thema sollte die Spiritualität und grenzwissenschaftliche Themen allgemein sein. Wir überlegten uns den Namen „Matrixxer“ als den Kanalnamen und würden sicherlich viel zun erzählen haben. Immerhin besaßen wir beide gleichermaßen ein Interesse für all diese hochinteressanten Themen.

Zwischendurch fuhr ich auch manches Mal für einige Wochen nach Deutschland, um Freunde zu besuchen. Immerhin verlor man seine Freundschaften nicht gleich, nur weil ich durch die Länder zog. Außerdem wusste ich nicht, ob ich diese umfangreiche und lange Reise für immer ausführen würde. Klar, ich dachte darüber nach, wo ich mich niederlassen könnte, wenn ich wieder sesshaft werden sollte. Ich überlegte schon eine ganze Zeit, wo dies sein würde. Irgendwie bot sich Österreich sehr an. Ich wusste nicht unbedingt warum, aber als ich vom Untersberg hörte, war ich einfach fasziniert. Denn es rankten sich viele mystische Geschichten um diesen Berg. Menschen, die den Berg besucht hatten, berichteten nicht nur von seltsamen Lichtersscheinungen, sondern vor allem von irritierenden Zeitphänomenen, die aufgetreten waren. Ein solches Zeitphänomen wollte ich ebenfalls erleben.

Bei Google Maps fand ich sogar einen Eintrag einer Frau, die meinte, dass sie den Untersberg hasse. Sie hatte den Berg besucht und sich im Regen unter einen Felsvorsprung gerettet. Dies war mitten im Sommer gewesen, aber als der Regen vorbei war und sie aus dem Felsvorsprung hervortrat, war es Herbst! Als sie daraufhin zu ihrer Familie und ihren Freunden zurückkehrte, waren diese sauer auf sie, dass sie sich all die Monate nicht gemeldet hatte. Ihr Auto und ihre Wohnung waren weg, da sie für diese nicht weiter bezahlt hatte. Ebenso ihren Job hatte sie verloren. Kein Wunder, wenn sie Monate lang nicht in der Lage gewesen war, sich zu melden bzw. darum zu kümmern. So stand sie allein auf der Straße und verfluchte die geheimnisvolle Kraft ders Untersberges, der sie in einen Zeitsprung verwickelt hatte. Diesen Zeitsprung hatte sie nur als kurz auftretende Schwärze wahrgenommen und das war es auch schon gewesen! Für alle anderen waren jedoch Monate vergangen. Niemand hatte ihre verrückte Geschichte glauben wollen. Doch auch viele andere Wanderer berichteten von befremdlichen Phänomenen, die sich hauptsächlich um Verschiebungen in der Zeit gedreht hatten. Doch darüber berichte ich noch später.

Wie bereits erwähnt, ich plante aus diesem Grund, mich Anfang des nächsten Jahres am Untersberg bei Salzburg niederzulassen. Dies empfand ich auch als sehr praktisch, denn so konnte ich auch schnell einmal nach Deutschland rüber, um Leute zu besuchen, aber gleichzeitig am Untersberg zu sein.

Doch bevor es so weit sein sollte, beschloss ich, einen Trip zum Untersberg zu unternehmen….

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