Die Magische Einstellung (oder: Die wahre Bedeutung des 1. Aprils)

Ich habe mit einigen Übersetzern das Buch “The Magical Approach” (Die Magische Einstellung) von Jane Roberts ins Deutsche übersetzt. Es ist ein Buch, indem sehr gut erklärt wird, wie der Verstand arbeitet und was seine Stärken und Schwächen in esoterischer, philosophischer und bewusstseinserweiternder Hinsicht sind. Als “Gegenstück” zum Verstand wird von der Geistpersönlichkeit Seth in diesem Buch die “Magische Einstellung” erklärt, die man alternativ nutzen kann, um tatsächliche Antworten auf seine Fragen zu erhalten bzw. die richtige Verhaltensweisen an den Tag zu legen und die besten Entscheidungen zu treffen. Die Aufgabe des Verstandes ist es primär, Wahrscheinlichkeiten zu berechnen, mögliche, anwählbare Realitäten bzw. mögliche angewählte Realitäten anderer. Doch kann er leider nicht sagen, welche angewählte Realität anderer nun tatsächlich zutrifft bzw. welche der selbst angewählten Realitäten das Allerbeste für einen selbst ist. An dieser Stelle muss er raten. Meist bedient er sich dann den Informationen, die er besitzt oder orientiert sich an anderen Personen, die mit bestimmten Verhaltensweisen und bestimmten angewählten Möglichkeiten recht gut ausgekommen sind.

Der Verstand ist ein Rechenkünstler, aber niemand, der stets die optimale Möglichkeit kennt bzw. findet. Wer sich zu sehr auf den Verstand verlässt, wird darum evtl. dazu neigen, nicht die besten Entscheidungen zu treffen oder welche, die er später bereuen könnte. Aus dem Grund gibt das Buch “Die Magische Einstellung”, um eine äußerst brauchbare Alternative zu bieten. Es ist ein sehr gutes Buch und kann viele neue Perspetiven und Erkenntnisse vermitteln! Leider kann man die Magische Einstellung nur schwer mit dem Verstand erklären und beschreiben. Sie ist für den Verstand abstrakt. Vielmehr muss man, um sie zu erreichen und anwenden zu können, intuitiv verstehen lernen, während man sich mit der Magischen Einstellung auseinandersetzt. Das ist nicht einfach, aber ich möchte anhand des 1. Aprils demonstrieren, wie man diese Einstellung anwenden kann, denn für mich hängt sie unmittelbar mit diesem zusammen:

Der Aufbau eines Aprilscherzes ist eigentlich eine temporäre Realitätskonstruktuion, d.h. es wird eine Situation erschaffen, die nicht wirklich Teil des Alltags ist. Vielleicht wird einem mitgeteilt, dass das Auto gestohlen wurde, das Bankkonto leergeräumt oder dass Aliens vor dem Weißen Haus gelandet sind. Der Kreativität sind hierbei keine Grenzen gesetzt. Ein Aprilscherz muss also so aufgebaut werden, dass man den Verstand einer anderen Person anspricht. Würde man die Intuition ansprechen, fliegt der Realitätsschwindel schnell auf.

Am 1. April treffen sich darum mehrere Punkte: Zuerst einmal hat man für einen Tag die Möglichkeit, Situationen, Geschichten usw. zu erfinden, ohne dass es jemand einem gleich übel nimmt. Man hat eine Ausrede “April! April!” und dann folgt auf Entsetzen erleichtertes Gelächter. Mit einem Satz kann man eine komplett konstruierte Situation in der soeben erschaffenen Realität wieder in sich zusammenfallen lassen. Auch beinhaltet der 1. April Humor, denn fast jeder reagiert mit Humor, wenn es aufgelöst wird.

Der Aufbau eines Scherzes muss also so aussehen, dass der Verstand darauf zuerst anspringt und nicht die Intuition. Der Verstand besitzt einige Schwachpunkte, auf die er gern hereinfällt. Sobald er eine Information erhält, von der er glaubt, dass sie nicht jeder besitzt, bildet er sich etwas darauf ein. Er neigt dazu, zu denken, dass er die besten Informationen besäße und die meisten Menschen in seinem Umfeld werden oftmals als schlechter informiert betrachtet. Also muss der Scherz so aufgebaut sein, dass der Verstand einer anderen Person glaubt, er sei informierter. Viele Menschen neigen im Gebrauch des Verstandes dazu, überheblich zu sein und nutzen jede Chance, als jemand Besseres dazustehen. Somit muss man für einen gelungen Aprilscherz vorschützen, man sei nicht korrekt informiert bzw. man sei besser informiert. Gibt man vor, man sei besser informiert, möchte jemand anderes die Information ebenfalls erhalten und verwerten. Der Verstand reagiert zuerst. Das Gleiche gilt, wenn man sich als schlechter informiert oder naiver darstellt, aber trotzdem eine Finte anbringt, um die andere Person dazu zu bewegen, zuerst mit dem Verstand darauf anzuspringen. Nicht umsonst wird im englischen Sprachraum der 1. April als “Fools Day” bezeichnet, denn es soll ausdrücken, dass der, der zuerst auf den Verstand hört, der Narr ist. Der Verstand ist ein Berater, aber nicht der König. Leider hat er sich in unserer Gesellschaft zum König hinaufgearbeitet.

Die “Magische Einstellung”, wie im Buch beschrieben, behandelt genau dieses Problem. Während der Verstand sich mit einem aufkommendem Problem beschäftigt und wie besessen darüber nachdenkt, so reagiert man auf der Magischen Einstellung völlig anders. Die Magische Einstellung ist nicht unbedingt die Intuition, sondern vielmehr eine magische Betrachtung des Lebens. Das Leben mit Leichtigkeit zu betrachten, zu wissen, dass sämtliche Menschen Teil eines riesigen Theaterstücks sind und jeder seine Rolle darin spielt, die man aber tatsächlich nicht ist. Die Rollen, die wir im Alltag spielen, sind nicht mit unserer Persönlichkeit oder wahren Identität zu verwechseln. Der Verstand hingegen besitzt seine starken Muster, mit denen er die Welt betrachtet. Er teilt die Welt in Besser/Schlechter, Gut/Böse, Negativ/Positiv, Opfer/Täter, Schlau/Dumm usw. ein. Wer nicht weiß, wann er den Verstand nutzt, kann ihn an diesen Mustern erkennen.

Dies soll nicht bedeuten, dass der Verstand fehl am Platze wäre, doch sollte er auf seine Zuständigkeitsbereiche begrenzt werden. Er mischt sich allzu oft in Bereiche ein, die er nicht korrekt einschätzen kann. Und genau an diesen Umstand soll uns der 1. April erinnern.

3 Kommentare zu “Die Magische Einstellung (oder: Die wahre Bedeutung des 1. Aprils)

  1. Hallo Jonathan!

    Sehr interessant, dankeschön! Macht schon Sinn. Übrigens gibt es in Spanien keinen 1. April-Scherztag, aber einen Jahres-Scherztag wo jeder auf der Hut ist, weil man es ja kennt, gibt es sehr wohl, nämlich am 28. Dezember. Nach dem Scherz schreit man dann nicht “April April!!”, sondern übersetzt einfach “reingelegt!”.

    Zu der Theaterrolle die wir auf der Bühne des Lebens spielen:

    gehört die Persönlichkeit nicht zu der Rolle? Die eigene Persönlichkeit im Alltag IST doch unsere Rolle, oder? So wie ich das verstehe, gibt es eine Art “Überpersönlichkeit”, die alle Rollen in unseren Inkarnationen durchspielt, doch diese Persönlichkeit müsste auch nur eine Rolle sein in einem noch größeren Theaterstück. Die Wahre Identität wäre frei von Identität, man wäre Unpersönlich. Reines Bewusstsein, reines “Ich bin”, ohne Form und Ausdehnung, ohne Zeit, ohne alles.

    Oder gibt es doch einen “Überchef”? MIT Persönlichkeit? Wie sähe diese aus?

    Vielleicht finden wir es eines Tages tatsächlich raus!! Wäre doch schön!!

    In diesem Sinne;

    liebe Grüße

    Louis

  2. Hallo Louis,
    hier muss man wegen der Definitionen aufpassen. Fast allen Menschen ist die Persönlichkeit jenseits der Rolle im Alltag kaum bewusst. Man kann sich sogar mit den Persönlichkeiten hinter der Rolle unterhalten, ohne dass es die Rolle mitbekommt. Der “Überchef” wäre der Schauspieler, der sich seiner ganzen Rollen bewusst ist.
    Das über Spanien und deren 1. April wusste ich noch gar nicht. :-)
    Liebe Grüße, Jonathan

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