Traumnacht: Die geheimnisvolle Stimme

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Heute Nacht war ich in einem Traum bei einigen unbekannten Leuten zu Besuch. Wir saßen im Wohnzimmer und tranken etwas, während wir uns angeregt unterhielten. Oder besser sage ich mal, dass sie sie unterhielten, den ich saß ein wenig abseits und schaute ihnen zu. Sie sprachen darüber, dass einer von ihnen von der Polizei gesucht würde, aber ich habe das Thema nicht weiter mitverfolgt. Plötzlich hörte ich eine weibliche Stimme:

“Siehst du das Glas auf dem Tisch?”

Ich war erst einmal irritiert, wie es zu dieser plötzlichen Aufforderung kam und das noch von einer warmen, weiblichen Stimme, die ich so deutlich in meinem Kopf hören konnte, als würde sie neben mir sitzen. Doch niemand saß neben mir und es konnte auch keiner von denen sein, die am Wohnzimmertisch saßen und in ihrem Gespräch vertieft waren. Ich einigte mich darauf, dass es sich dann wohl um meine innere Stimme handeln musste.

“Ja, ich sehe das Glas.”

“Nimm den Henkel und schlage dabei leicht mit der Tasse auf den Tisch und sage ‘eins'”, verlangte sie weiter von mir.

Ich folgte ihrem Rat und ergriff den Henkel, der sich an der Tasse befand und sagte ‘eins’.

“Und nun mache dasselbe nochmal und sage ‘zwei’.”

Wieder schlug ich leicht mit der Tasse auf die Tischplatte und sagte dieses Mal ‘zwei’.

Plötzlich spürte ich eine Veränderung in mir. Ich wurde misstrauisch gegenüber der ganzen Situation und dann erkannte ich, dass es sich hier nur um einen Traum handeln konnte! In diesem Augenblick wurde mir ein Schleier von den Augen genommen. Die ganze Umgebung wurde glasklar und überdeutlich. Das Wohnzimmer, der Schrank, der Tisch, die Gegenstände auf dem Tisch. Alles war nun klar und deutlich erkennbar. Jetzt sah ich direkt den Unterschied zwischen der Wahrnehmung, die ich zuvor hatte und erfreute mich darüber, eine so nette Hilfe erhalten zu haben.

Dann ertönte wieder die Stimme in meinem Kopf und meinte: “Und jetzt geh ins Badezimmer und schaue in den Spiegel.”

Ich besaß noch ein wenig Probleme die erlangte Luzidität (Traumklarheit) aufrechtzuerhalten und beschloss, besser dem Traumgeschehen zu folgen, um sie noch stabiler zu machen. Ich schaute kurz auf meine Hände und fokussierte mich, danach ließ ich den Blick im Raum umherschweifen, um die Klarheit nicht zu verlieren. Dann erhob ich mich und ging ins Bad.

Dort angekommen schaute ich in den Spiegel. Er war dreckig, aber ich konnte mich gut erkennen.

“Nun sage wieder ‘eins’!”, meinte die Stimme und ich folgte ihrem Wunsch.

“Eins.”

In dem Moment geschah eigentlich nichts Besonderes. Ich sah mich im Spiegel, ein vertrautes Gesicht.

“Zwei.”

Und in diesem Moment verwandelte sich mein Gesicht in ein anderes. Ich war zwar immer noch Jonathan, aber mein Gesichtsausdruck und mein Charakter wirkten ganz anders und unvertraut. Meine Augenbrauen waren viel schräger gestellt und die Augen funkelten wild und übertrieben aufmerksam. Hinzu gesellte sich eine noch viel stärkere Klarheit in meiner Wahrnehmung.

“Eins.”

Nun nahm die KLarheit ein wenig ab und ich sah im Spiegel, wie ich mich wieder zurückverwandelte in den vertrauten Jonathan.

“Zwei.”

So kehrte ich wieder zurück zur geschärften Wahrnehmung und dem ‘Falkenblick’ dieses anderen Selbst. Mit dieser Klarheit verließ ich das Badezimmer und stellte mich im Wohnzimmer auf. Die unbekannten Leute waren mittlerweile aufgestanden und wollten vermutlich um die Häuser ziehen. Es waren zwei Männer und eine Frau. Ich beschloss, dem Traumverlauf zu folgen, aber die Klarheit unbedingt zu behalten. Sie lud mich innerlich immer mehr mit Energie auf und belebte mich immer mehr. Ich fühlte, wie meine innere Stärke immer mehr zunahm.

Draußen dämmerte es gerade. Auf der Straße waren wir kaum einige Schritte gegangen, als sich ein Polizeiwagen näherte.

“Scheiße!” rief einer der Männer.

Im ersten Moment verstand ich nicht, worum es ging, aber dann wurde mir klar, dass einer von ihnen doch von der Polizei gesucht wurde. Er schien nichts Schlimmes verbrochen zu haben, aber er wurde halt gesucht. In dem Moment schaute ich zum Himmel auf und erkannte, dass auch unsere Welt einst von bewussten Träumern besucht worden war, die daraufhin mit ihren besonderen Kräften und Heldentaten in die Geschichte eingingen, so wie Beowulf, Samson oder andere dieser Art. Dann ergriff ich den Mann neben mir und hob ihn mit Leichtigkeit über meinem Kopf. Ich drehte ihn in der Luft immer schneller und schneller. Nun kam der Polizeiwagen gerade an uns vorbei. Sie musterten uns kurz, aber fuhren dann weiter. Als sie um die Ecke gebogen waren, ließ ich den Mann los und er flog wie eine Stoffpuppe mehrere hundert Meter durch die Luft, hinweg über einige Häuser.

“Keine Angst”, sagte ich sofort. “Er wird dort hinten sicher und wohlbehalten aufkommen.”

Die beiden anderen schauten mich mit großen Augen an: “Wie… wie hast du das denn gemacht? Das war ja unglaublich! Das ist doch physikalisch überhaupt nicht möglich!”

“Das würdet ihr nie verstehen…”, entgegnete ich und beschloss an diesem Punkt die Szenerie zu wechseln.

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