Die andere Seite: Die Zuflucht

‘Die andere Seite’ ist eine bestimmte Ebene in den Träumen, in der nicht um Geld, sondern vielmehr um Bewusstheit gekämpft wird und zwar um jedes Quentchen. Eine Traumwelt der Dualität, des Kampfes, der Verluste und Siege, kurzum eine Trainingsebene. Jeder Mensch besucht diese Trainingsebene gelegentlich in seinen Träumen.

Wir hatten uns hinter einem Hügel platziert und schauten in ein Tal mit großflächigen Wiesen und vielen Waldstücken. Das Tal war riesig groß mit mehreren Kilometern Durchmesser und nicht ein Haus war zu sehen. Rechts von mir befand sich ein mir unbekannter Mann und links von mir Esther. Der Kleidung nach zu urteilen schien es mir, als befänden wir uns gerade im Mittelalter. Wir überlegten gerade, wie wir unsere Leute durch das Tal bringen konnten. Dabei befand ich mich hier mit ungefähr 30 Personen hinter dem Hügel und ich sollte sie durch das Tal führen. Doch gab es einige Hindernisse, nämlich eine andere Gruppe von Personen, die weit in der Überzahl war und die uns daran hindern wollte auf die andere Seite des Tals zu gelangen, wartete dort bereits auf uns.

Ich drehte mich zu meinen Leuten um: “Am besten teilen wir uns auf. Die eine Hälfte von uns geht westlich am Rand des Tals entlang, während wir kurze Zeit später von östlicher Seite versuchen, durch das Tal zu gelangen. Der Plan ist, wenn die erste Gruppe im Westen erscheint und die Horde in eure Richtung jagt, tauchen wir dann kurze Zeit später vom Osten her auf. Sie müssen dann entscheiden, welcher Gruppe sie hinterherjagen wollen und so schafft es zumindest eine Hälfte von uns weitgehend kampflos durchzukommen. Und mit etwas Glück kommen beide Gruppen durch, falls unsere Gegner sich nicht schnell genug absprechen können.”

Die Chancen waren gleich verteilt und sie stimmten weitgehend zu. So lief die erste Gruppe los und führte den Plan aus, während ich mit der anderen Gruppe ging, um das zweite Ablenkungsmanöver auszulösen. Nachdem wir erfolgreich unsere Ablenkungsmanöver gestartet hatten, schien sich die gegnerische Gruppe kurz darauf doch schneller abzusprechen, als wir erhofft hatten. Da sie uns zahlenmäßig weit überlegen waren, teilten sie sich auf und nun wurde jede  unserer Gruppen verfolgt. Dieser Plan war nicht richtig aufgegangen und wir liefen zum Schutz in die Wälder.

Unterwegs versteckten wir uns in den Wäldern hinter einem großen Felsen und hofften, dass die Verfolger an uns vorbeilaufen würden. Als sie tatsächlich an uns vorbeigezogen waren, hatten wir eine kurze Verschnaufpause und konnten die nächsten Schritte planen.

“Wir teilen uns in Dreiergruppen auf!”, empfahl ich den anderen. Auf eine andere Weise sah ich keine Chance, dass zumindest einige von uns durchkamen.

Esther trat an mich heran: “Ungefähr 20 km nördlich gibt es eine Passage, die zur Zuflucht führt. Ich habe dort schon alles vorbereitet! Wer den Verfolgern entkommen kann, wird sich dort einfinden. Das ist unsere letzte Zuflucht, die wir noch haben!”

Ich nickte und bedankte mich bei ihr, dass sie diese Zuflucht für uns vorbereitet hatte – auch wenn ich mir nicht vorstellen konnte, wie diese aussehen sollte. Esther und ein Freund waren in meiner Dreiergruppe.

Nachdem wir uns dann erfolgreich in Gruppen aufgeteilt hatten und unseren Weg fortsetzen wollten, wurden wir bereits eine halbe Stunde später von mehreren Gegnern überrascht, die uns im Dickicht des Waldes gehört hatten. Sie kamen auf uns zugelaufen und wir kämpften mit ihnen. Wir konnten sie besiegen, aber die Kampfgeräusche hatten Aufmerksamkeit erregt und als weitere Gegner nahten, verloren wir uns in dem Tumult.

Einige Zeit später traf ich meinen Begleiter wieder: “Du hast es geschafft! Sehr gut!”, sagte ich erleichtert zu ihm.

“Ja, ich konnte ihnen entkommen. Wir sind jedoch leider definitiv in der Unterzahl und kräftig aufgescheucht worden.”

“Wo ist Esther?”, fragte ich.

“Sie wurde gefangen genommen!”, äußerte er bedrückt.

“Das hatte ich mir schon gedacht. Wie sehen die Chancen aus, sie zu befreien?”

“Im Moment wird sie zu gut bewacht. Wir kommen nicht an sie heran!”, erklärte er mir. “Sie ist ins Lager gebracht worden und wird dort nun festgehalten.”

“Dann müssen wir zuerst die Zuflucht finden, uns dort sammeln und eine Befreiungsaktion für die Gefangenen planen. Sie wird nicht die Einzige sein, die von denen einkassiert wurde”, entgegnete ich und wir setzten unseren Weg fort.

Nach vielen Stunden kamen wir in der Zuflucht an. Es war eine Burg, die auf einem Berg stand. Während wir den Weg zur Burg hinaufliefen, war ich von der bezaubernden Umgebung ganz angetan. Sie bot einen hervorragenden Schutz und war dennoch gleichzeitig ganz verträumt im Grünen mit Blumen, Wiesen und großen Bäumen gelegen. Allein der steinige Pfad zur Burg hinauf versetzte uns gleichzeitig in eine märchenhafter Stimmung.

Oben angekommen betraten wir die Burg. Als wir ins Hauptzimmer gelangten, war ich völlig begeistert, wie Esther den Raum eingerichtet hatte. Eine unglaubliche Klarheit hatte mich auch seit Betreten der Burg erfasst und schärfte meine Wahrnehmung auf eine ganz neue Weise. Sie musste auch den Standort der Burg wohl geplant haben.

Der Raum war ohne Zweifel völlig im mittelalterlichen Stil von ihr eingerichtet worden. Inmitten des Raumes stand ein polierter, sehr langer massiver Holztisch mit Kerzen darauf. Mehrere Stühle mit sehr hohen Rückenlehnen standen davor. Links befand sich ein sehr hübscher Kamin mit zwei Fahnen an jeder Seite platziert. Die Wände waren aus altem Gemäuer und doch wirkte alles so durchgestyled und hübsch arrangiert.

In dem Moment gedachten wir Esther, wie wundervoll sie die Zuflucht eingerichtet hatte und sie den Moment nicht genießen konnte, wie wir mit den überraschten Augen kleiner Kinder ihr Werk bestaunten. Es rührte uns im Herzen, dass sie sich derartig aufgeopfert hatte. Leider war sie nun leider gefangen genommen worden. Wir konnten sie nicht zurücklassen…

 

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2 Kommentare zu “Die andere Seite: Die Zuflucht

  1. Hallo,

    hatte auch erst letztens in einem Traum mit mehreren Angreifern gekämpft. Aber wozu ein Kampf?
    Geht es denn nicht ohne?

    Lieben Gruß
    Kerstin

  2. Hallo Kerstin,
    in unserer Realität kämpfen wir ja irgendwo auch, wenn es um Geld geht. Auseinandersetzungen, Streits, Betrug und sogar Krieg usw. können in unserer Welt in Erscheinung treten. Auf dieser Trainingsebene geht es um Bewusstheit, die gesammelt wird. Eine vergleichbare Funktion haben z.b. auch Albträume. Sie sollen die Bewusstheit steigern. Vermutlich wird unser Ego durch die Erziehung eher auf Kampf ausgerichtet als auf Frieden. Kampf um Sieg und um Gewinn, Verlustvermeidung, Kampf gegen Krankheiten, gegen Bösewichte, gegen den Tod u.v.m. Allein das Wissen darum, dass es den Tod gibt, auch wenn er eigentlich eine Illusion ist, lässt den Kämpfergeist in einem erst erwachen. Doch davon unabhängig sind wir im Alltag förmlich darauf gedrillt worden zu kämpfen. Der Kampf ist nur so alltäglich geworden, dass es uns gar nicht mehr richtig auffällt. Es fängt ja schon im Supermarkt an der Kasse an: Wer kommt schneller dran? Welche Schlange ist kürzer? Oder auch: Wer kriegt den tollsten Partner? Wer kriegt das beste Schnäppchen? Wer fährt das schönste Auto…? Man kann so vieles aufzählen.
    Liebe Grüße, Jonathan

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