Traumnacht: Das Objekt

In der letzten Nacht ist mir etwas Seltsames widerfahren: Ich war in Indien und besaß dort eine schöne, große Wohnung. Ich forschte darin in alten, indischen Büchern und Schriftrollen. Während meiner Forschungsarbeit geschah plötzlich etwas Unerklärliches! Es war ein ungefähr 1,50 m hohes Tongefäß in meinem Wohnzimmer aufgetaucht und daraufhin wieder verschwunden. Das Gefäß war vielleicht maximal für dreißig Sekunden erschienen. Es sah aus wie ein großer Krug, der auf den ersten Blick wirkte, als wäre er aus Felsgestein hergestellt worden. Seine Außenseite war sehr hell und vermittelte mir den Eindruck, wie wenn jemand einen Steinblock genommen und diesen geformt und entsprechend ausgehöhlt hätte. Dabei muss er wohl vergessen haben – oder hat dies mit Absicht getan – dass die Außenseite überhaupt nicht sonderlich bearbeitet worden war.

Sie war alles andere als glatt oder eben. Viele Nasen und Knubbel waren zu sehen und sie wirkte uralt. Bevor ich dieses ominöse Gefäß näher untersuchen konnte, war es auch schon wieder verschwunden. Eins stand jedenfalls fest, das Objekt bestand definitiv aus physischer Materie und war somit auch physisch in meinem Wohnzimmer erschienen.

Ich habe gleich meinen Freund für einige Tage zu mir eingeladen, um einige Untersuchungen anzustellen. Dieses seltsame Erscheinung eines physischen Gegenstandes ohne jede Ursache oder Erklärung, hatte verständlicherweise meine Aufmerksamkeit erregt. Jetzt galt es nur, eine Analyse und Testreihe zu starten, die für das Erscheinen des Objektes verantwortlich gewesen war.

Als mein Freund das Gästezimmer bezogen hatte, haben wir sofort mit der Arbeit angefangen. Ich vollführte einfach noch mal die ganzen Handlungen, die ich zuvor getan hatte, in der Hoffnung, dass dies für ein erneutes Erscheinen des alten Tongefäßes sorgen würde. Nach einiger Zeit tauchte mit einem Mal wieder das Gefäß auf. Mein Freund war völlig perplex, hatte er mir doch vorher nicht so recht Glauben geschenkt, wie ich dann entdecken durfte. Umso überraschter sein Gesicht als er nun das Tongefäß sah!

“Das… das kann nicht sein! Es ist einfach so aufgetaucht! Beweg’ dich bloß nicht! Bleib genau so stehen. Mach nichts! Wir müssen nachsehen, aus welcher Zeit es kommt und wie es überhaupt möglich sein konnte, dass es hier aufgetaucht ist…”

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Während ich wie angewurzelt stehen blieb und mich keinen Millimeter mehr rührte, lief er wie ein aufgescheuchtes Huhn um das Tongefäß herum.

“Ich weiß nicht, ob es aus Ton ist. Das sieht eher aus wie Felsgestein. Wie konnte jemand einen Felsen derartig bearbeiten? Außen ist es nicht so schön geworden, aber innen wirkt es schon viel ebener und schöner.”

“Darf ich mich jetzt bewegen?”, fragte ich.

“Nein! Bist du wahnsinnig! Bleib’ genau so stehen.”

Ich fragte mich derweil, ob es wirklich damit zu tun haben könnte, dass ich an einer bestimmten Stelle in meinem Wohnzimmer stand. Es wird doch bestimmt nicht verschwinden, wenn ich einen Schritt nach vorn machen würde… Das konnte ich nicht glauben. Es musste eine andere Erklärung geben. Also wagte ich einen Schritt in Richtung Gefäß. Es verschwand nicht. Dann wagte ich noch einen weiteren Schritt. Jetzt stand ich fast neben dem Gefäß.

Mein Freund wollte gerade lauthals rufen, dass ich doch stehenbleiben sollte, als er mit offenem Mund in Richtung Flur schaute.

“Das… das gibts doch nicht!”, stammelte er.

Nun erkannte ich, was ihn so verblüfft hatte. Es war ein Mann im Flur erschienen, der im Türrahmen stand und zu ins Wohnzimmer hereinschaute. Er war vielleicht 5-6 Meter von mir entfernt. Er war ungefähr 165 m groß, trug einen Schlabberpulli und trug schulterlanges, gewelltes, schwarzes Haar. Er war eindeutig indischer Abstammung.

“Das… das bist ja du!”, rief mein Freund.

Da bekam ich eine Gänsehaut. So sah ich in dieser Realität also aus. Kein Wunder, dass ich mich nicht erkannt hatte. Doch nun, wo er es sagte, spürte ich, wie etwas in mir “mich” wiedererkannte.

“Was mache ich denn jetzt zwei Mal hier in meiner Wohnung?”, fragte ich mich laut.

Mein Freund zuckte die Schultern. Er war mit Ehrfurcht gefüllt und wagte nicht einen Schritt in Richtung meines zweiten Selbstes.

“Wenn ich zwei Mal in diesem Raum sein kann, dann bewirkt dieses Gefäß eine Art Zeitverzerrung. Diese Verzerrung oder Anormalie bewirkt dieses Phänomen.”

“Das ist richtig”, entgegnete er, “doch kommt es von dem Gefäß selbst oder ist es eine Art Feld, welches dafür sorgt, dass das Gefäß hier auftaucht?”

Dies war eine gute Frage, die er stellte. Ich hatte die ganze Zeit gedacht, es läge an diesem Gefäß. Es gab somit also noch eine weitere Möglichkeit.

Plötzlich verschwand die Erscheinung meines “Doppelgängers” als wäre er niemals hier gewesen. Das Gefäß stand jedoch noch immer vor uns. Manchmal, so schien es mir, flackerte es ein wenig, so, als würde es wieder verschwinden wollen, aber es blieb sichtbar.

Dann sah ich, wie mein Freund zu meinen Büchern griff und wild darin herumblätterte. Er dachte, dass er vielleicht einen Hinweis auf ein solches Phänomen darin finden könnte. Ich hatte plötzlich die Idee, mich vorzubeugen und in das Gefäß hineinzugreifen. Ein wenig Angst hatte ich schon um um meine Hand, denn was würde geschehen, wenn meine Hand in dem Gefäß steckte und es dann plötzlich wieder verschwinden würde? Ich griff tief in das Gefäß hinein und brachte dann eine Schriftrolle zum Vorschein! Sie war völlig vergilbt, dass es mich nicht gewundert hätte, wenn es sich plötzlich in Staub auflösen würde, sobald ich versuche, es auszurollen. Vorsichtig rollte ich das Schriftstück auseinander und sah darauf einige Skizzen. Darunter befand sich dieses Gefäß und weiter unten erkannte ich vier Würfel. Sie standen nebeneinander und jeder Würfel erschien mir aus mehreren Elementen zusammengesetzt zu sein. Manche der oftmals quadratischen Teile eines einzelnen Würfels waren leicht rötlich eingefärbt worden, andere gelb. Ich besaß für einen Augenblick das Gefühl, ich hätte diese Würfel schon einmal gesehen. Sie wirkten wie recht große Boxen. Unter den Würfeln war auch einiges an Text zu erkennen. Ich konnte es nur schwer entziffern, aber dort stand etwas von der Veränderung der Zeit.

“Ich habs!”, rief ich. “Schau mal. Dieses Pergament war in dem Gefäß und darauf sind Würfel eingezeichnet. Du hattest Recht. Diese Würfel sind verantwortlich für die Zeitverzerrungen.”

Er klappte einige Bücher wieder zu und schaute dann auf das Pergament: “Die habe ich doch schon mal gesehen… Warte, ich schau mal nach.”

Und kurz darauf wälzte er andere Bücher. Irgendwie hatte ich das unbestimmte Gefühl, dass er in den Büchern nichts über diese “Zeitwürfel” finden würde. Woher kannte ich diese Würfel nur…?

Über diesen Gedanken erwachte ich aus diesem sehr langen Traum. Ich habe einiges ausgelassen, wie z.B. als “meine” Frau nach Hause kam und das Auftauchen das Gefäßes ebenfalls beobachten konnte und wir uns einen Spaß daraus gemacht hatte. Auch war das Objekt wesentlich häufiger verschwunden und wieder aufgetaucht als hier von mir beschrieben. Wer immer ich in dieser anderen Realität war, ein Inder, Wissenschaftler, vielleicht im Bereich Archäologie, alte Sprachen oder auch Geschichte, optisch im Alter von ca. 50 Jahren und verheiratet.

Kurz dachte ich auch darüber nach, ob es der gleiche Wissenschaftler gewesen war, der in der Zukunft die Entdeckung des phasenverschobenen Raumes machen wird, aber dieser war nicht indischer Abstammung gewesen. Diese Box oder Würfel kam mir persönlich nur aus dem Film “Die letzte Mimzy” bekannt vor. Dieser Film soll auf eine wahre Geschichte basieren bzw. auf einer vergleichbaren, in der ein paar Kinder einen Würfel finden, der als Orion-Würfel bezeichnet wurde und eine intelligente Computereinheit besaß, die die verschiedensten Phänomene bewirken konnte. Ansonsten konnte ich die Würfel nicht einordnen, zumal sie auf der Schriftrolle uralt aussahen als sei dies ein Zeugnis aus längst vergessenen Zeiten.

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2 Kommentare zu “Traumnacht: Das Objekt

  1. deine träume haben irgendwie häufig mit anderen menschen zu tun. du gehst bei denen rein oder so. wie in deiner geschichte walk-in. eigentlich müsstest du doch total viele perspektiven kennen hab ich mir gedacht! du kannst denken wie die denken. der traum mit dem rentner war auch toll. da ist mir das das erste mal aufgefallen. viele grüsse von geri

  2. gut geschrieben. voll packend irgendwie. ich hab so lange nach so einem blog gesucht, wo jemand seine erfahrungen reinschreibt und man auch spürt das alles autentisch ist. dg

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