Traumnacht: Die anorganischen Watcher

Traumnacht” ist eine Reihe, in der ich mich bewusst darauf konzentriere, einen luziden Traum oder eine außerkörperliche Erfahrung zu erleben bzw. in der ich von einem interessanten oder außergewöhnlichen Traum berichte.

Ich war in meinem Traum bei Elias und Nikita zu Besuch, zwei neu gewonnene Freunde aus dem Wilden Osten Deutschlands, und saßen gerade bequem im Kaminzimmer. Elias hatte das Zimmer extra für solche spirituelle und bewusstseinserweiternden Gespräche und Erlebnisse in seinem alten Landhaus hergerichtet. Während der Kaminofen knisterte und wir bei gemütlichem Kerzenlicht in einem Gespräch waren, ging es darum, die Welt anzuhalten. Damit ist die Fähigkeit gemeint, mithilfe der Dissoziation die Welt zum kurzfristigen Stillstand zu bewegen, sodass alles Wahrgenommene regelrecht einfriert. Für den Verstand ein schwer vorstellbarer Zustand, die gesamte Realität anzuhalten, aber in der Praxis in jedem Fall erfahrbar, so, als würde man einen Film auf Pause stellen. Persönlich hatte ich diesen Zustand schon mehrere Male erfahren und besaß noch jedes Mal Gefühle extremer Angst, aber auch begleitet von Neugier und Faszination.

Als wir hier beisammen saßen und miteinander sprachen, hielt ich plötzlich die Welt an. Die Bewegungen der beiden verlangsamten sich, bis sie völlig einfroren. Dann vibrierte meine Wahrnehmung, als würde sie innerlich erzittern, und plötzlich wechselte ich die Realität…

Im nächsten Augenblick war alles um mich her ausgetauscht. Ich befand mich mit Nikita und Esther in einem mir unbekannten Zimmer. Elias war spurlos verschwunden. Wir waren von Wänden umgeben, weiter rechts befand sich jedoch eine Tür. In dem Zimmer stand ein Tisch, ein Stuhl und weiter hinten ein Schrank. Teilweise konnte ich durch die Wände dieses Zimmers blicken und erkannte dahinter einen Mann und eine Frau, die uns heimlich beobachteten. Sie wussten nicht, dass ich sie wahrnehmen konnte. Diese beiden Personen schienen eine Art Einfluss auf unsere Entscheidungen zu besitzen, sodass es uns überhaupt nicht auffiel. Jetzt, nachdem ich sie sehen konnte, schien deren Einfluss gedämmt zu sein. Auch Nikita schien nun diese Personen wahrzunehmen und in ihr ging das Gleiche wie in mir vor. Wir konnten deren Einfluss nun stoppen bzw. ausbremsen. Ich spürte, dass Nikita nun einige Dinge in sich erkannte und realisierte, die sie in ihrem Leben getan und dann teilweise doch falsch interpretiert hatte. Nun konnte sie eine andere Perspektive dazu einnehmen und war erleichtert, dass sie sich nun viel freier und offener sich selbst gegenüber fühlte.

Nachdem wir uns orientiert hatten, verließ Esther das Zimmer und wollte sich draußen umschauen. Sie öffnete die Tür und unter meiner Anweisung gelang es ihr, sich an den beiden vorbeizuschleichen.

Nikita ergriff meine Hand und zog mich zu sich hin. Sie legte ihre Lippen an mein Ohr und flüsterte:

„Sie beobachten uns noch immer, aber wir sind nun von ihnen befreit…“

Ich nickte, um ihr deutlich zu machen, dass ich sie verstanden hatte. Dann setzte sie sich im Schneidersitz auf den Tisch.

Wieder zog sie mich zu sich heran und flüsterte:

„Wenn Esther es geschafft hat, sich von dem Ort hier zu entfernen, dann sind wir dran! Wir werden versuchen, diese beiden Beobachter (Watcher?) zu neutralisieren…“

„Eine gute Idee!“, entgegnete ich und überlegte, wie wir das hinbekommen könnten.

Gleichzeitig erkannten wir, in welchen Punkten sie uns bereits beeinflusst hatten und wir mussten teilweise lachen, weil wir, und vor allem sie, damit nicht gerechnet hatten. Sie hatten geplant, uns gegeneinander aufzuhetzen. Nicht, dass wir uns dann abgelehnt hätten, sondern, uns einfach ganz subtil in einem falschen Licht zu betrachten und ein bestimmtes Bild voneinander aufzubauen. Es war schwierig zu erklären, aber wir hatten uns in diesem Augenblick so sehen können, wie es unabhängig aller Projektionen war. Das war ein erhabener Moment, vor allem für Nikita. Sie war dermaßen verblüfft, dass sie unaufhörlich vor sich hinkicherte und über alle Maßen erleichtert war.

Dann kam ein Moment, in dem die beiden Beobachter, die uns noch immer aus einer Art Nebendimension beobachteten, unaufmerksam waren. Wir liefen dann durch die Tür und suchten nach Esther.

Wir fanden sie wenige Minuten später. Sie hatte ein Fahrrad gefunden und wollte die Gegend erkunden. Ich schlug ihr vor, einen Hang heraufzufahren und dort ggf. nach Hinweisen zu suchen. Immerhin waren wir hier in einer anderen Realität gelandet und wussten nicht, ob wir jemals wieder in unsere alte Realität zurückkehren konnten.

„Wenn wir für immer hier bleiben müssen“, meinte Nikita, „dann werde ich einige Dinge aus meiner Alltagswelt schon vermissen…“

„Das wirst du sicherlich“, bestätigte ich ihre Aussage. „Ich vermute, wenn wir nun für immer hier bleiben, werden wir mit einigen unglaublichen Überraschungen rechnen müssen.“

„Wie meinst du das?“, fragte sie mich.

„Ich vermute, wir sind von Wesen in diese Welt gebracht worden, um uns von irgendwas abzulenken oder um uns auf etwas ganz Bestimmtes aufmerksam zu machen.“

„Was für Wesen meinst du? Anorganische Wesen?“

Sie bezog sich damit auf eine spezielle Art von Wesenheiten, die in der Lage waren, die Alltagswelt und auch die Traumwelt zu manipulieren. Sie wurden einfach als anorganisch bezeichnet, da sie keinen physischen Körper besitzen.

„Ich denke schon“, erklärte ich. „Immerhin ist die ganze Situation ein einziger Hinweis auf eine Einmischung von außen. Welchen Sinn dies jedoch besitzt, ist mir noch unklar…“

Kurz darauf begann das ganze Spiel wieder von vorn… Die ganze wahrgenommene Welt wurde immer zähflüssiger in ihren Bewegungen, bis sie einfror. Kurz darauf wechselte ich die Realität und erwachte in meinem Bett.

Es war ein interessantes Erlebnis gewesen und nicht nur ein simpler Traum. Mir schien es, als wäre es einfach eine andere Realität gewesen, der die gleiche Gültigkeit zukommt wie mein Alltag. Überhaupt war der Moment des Einfrierens und der Wechsel in die Alltagsrealität nicht anders verlaufen als der erste Wechsel in dieses seltsame Zimmer.

 

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