Träumen und Pirschen: Ein Zimmer im Osten (Teil 20)

Spukhaus‚Pirschen und Träumen‘ ist die Weiterführung von ‚Ein Haus im Osten‘ und eine Rubrik, in der ich irgendwo im Osten jenseits der Zivilisation, vom Landleben, meinen Erlebnissen sowie von seltsamen, magischen und spannenden Erfahrungen berichte. Für Castaneda-Fans genau das Richtige…

Nachdem ich mein Haus im Osten verkauft habe, kann ich nun kaum diese Reihe weiterhin „Ein Haus im Osten“ nennen. Aus dem Grund habe ich diese nun umbenannt zu „Pirschen und Träumen“. Die genaue Bezeichnung hängt damit zusammen, dass ich dort Nikita und Elias kennengelernt habe, die sich ebenfalls mit der Bewusstseinserweiterung und dem Träumen seit Jahren auseinandersetzen. Die beiden besitzen dort ein großes Gutshaus und haben mir ein eigenes Zimmer darin angeboten, damit ich auf meinen Reisen dort gelegentlich übernachten und die beiden besuchen kann.

Oft verbringe ich nun dort ein Wochenende und wir tauschen uns dann gemeinsam über unseren spirituellen Fortschritt aus. Nikita ist erst seit wenigen Jahren auf dem Weg und Elias‘ Schülerin. Sie erlernt bei ihm das so genannte Pirschen und durch meine Wenigkeit das Träumen. Mit den vielen Jahren meiner spirituellen Entwicklung habe ich meinen eigenen Weg gefunden, aber um einen brauchbaren Wortschatz unter uns zur Verständigung zu besitzen, benutzen wir gern die Terminologie Castanedas. Carlos Castaneda war ein Schüler von Don Juan Matus, einem Yaqui-Indianer, der im Träumen und Pirschen unglaublich weit fortgeschritten war und das Ziel besaß, die absolute Freiheit zu erreichen. Dabei handelt es sich um ein Ziel, das ich mit dem „Erreichen der Ganzheit des Selbst“ erklären würde. Wer seine eigene Ganzheit erreicht und zu seiner ursprünglichen Gesamtpersönlichkeit zurückkehrt, besitzt tatsächlich sämtliche Möglichkeiten, die man sich überhaupt vorstellen kann. Man kann an jedem Ort sein, den man sich wünscht, man kann jede Person sein, durch jede Welt reisen, die man bereisen möchte und erkennt sich als Schöpfer seiner eigenen Realität. Castaneda hat leider nicht davon berichten können, wie sich der Begriff „Absolute Freiheit“ definiert bzw. was man sich als Leser darunter vorzustellen hat, aber ich denke, dass ich genügend Einblick in meinen vielen Bewusstseinsreisen und Erkundung vieler Bewusstseinszustände erhalten habe, um die Definitionsfrage zu übernehmen. Zur Erreichung dieses Zieles gehört ebenfalls, dass man den gesamten Bereich verlässt, den wir als physisches Universum, astrale und mentale Ebene betrachten – begrifflich kurz zusammengefasst als die „49 Welten“ oder die „Erste und Zweite Aufmerksamkeit“. Der immerwährende Reinkarnationszyklus, in dem sich der Mensch befindet und somit unentwegt zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang und Sterben und Leben hin- und herpendeln muss, kann beendet werden, indem man die Ganzheit seines Selbst erreicht und daraufhin die Blase des gigantisch großen Bereiches verlässt, der eben als diese 49 Welten zusammenzufassen ist. Nachdem man sämtliche 49 Welten durchkreuzt hat, gelangt man in eine andere gigantische Blase der Unendlichkeit, ein komplett neues Universum. Dieses wird weitere 49 Welten umfassen und von einer ganz anderen Art sein. Diese andere Blase wird als die „Dritte Aufmerksamkeit“ bezeichnet. Bevor dies jedoch so weit ist, muss man die komplette 2. Aufmerksamkeit durchkreuzt bzw. übersprungen haben. Leider ist dies gar nicht so einfach, da sich der Mensch auf seinem Weg zur Ganzheit allzu gern ablenken lässt und immer wieder den Tod findet, der ihn dazu verdammt, erneut wiedergeboren zu werden. Die ständige Wiedergeburt wird als der „Reinkarnationszyklus“ bezeichnet und dieser Kreislauf kann nur unterbrochen werden, indem man seine Ganzheit erreicht.

Eigentlich hat Castaneda und auch sein Lehrer Don Juan Matus nichts anderes versucht. Im Gegensatz zu Castaneda hat dies sein Lehrer  tatsächlich erreicht und verschwand spurlos vom Antlitz der Erde. Er machte den gewaltigen Sprung in die Dritte Aufmerksamkeit.

Aufgrund unserer Gesellschaft, der Verstrickungen mit der physischen Welt des Alltags, ist es ziemlich schwierig, sich von der Identifikation mit dem Alltagsleben zu lösen. Nicht nur die Gesellschaft und Regierungen sind daran interessiert, dass man weiterhin ein folgsamer Diener ist, sondern man selbst ebenso. Die Angst vor dem Unbekannten und die negativen Suggestionen seiner Umwelt vereiteln meistens den Versuch, das Unsichtbare bzw. das Unbewusste zu untersuchen und die anderen Selbste und Realitäten, die in uns existieren, zu erforschen. Darum verbleibt man viel lieber in seinen gewohnten Verhaltensmustern und konditionierten Verhalten, damit alles bleibt, wie es immer war.

Eine lange Einführung zur Erklärung des Begriffs „Pirschen“. Hierbei handelt es sich um eine Kunst, zu begreifen, dass sich die Aufrechterhaltung eines beliebigen Bewusstseinszustandes, ebenso wie der gewohnte Alltagszustand, durch das Pirschen erst möglich wird. Man glaubt bestimmte Elemente und hält diese für die Realität. Dies verursacht eine Stabilität, die den Alltag unumstößlich macht und man kann sicher und geborgen weiterhin Teil der Welt sein, die man tagtäglich wahrnimmt. Doch basiert dies nicht auf einen möglichen Tatsachengehalt der Annahmen, die den Alltag bestimmen könnten oder in irgendeiner Weise zutreffen würden, sondern ausschließlich auf das Pirschen. Das Pirschen ist eine Verhaltensweise, die auf eine Ansammlung von Glaubensüberzeugungen basiert, die die wahrgenommene Realität erschaffen. Hat man einmal diese Überzeugungen erschaffen und verhärtet, bleibt man mit diesen ein Teil der wahrgenommenen Realität. Dies geschieht mit jedem von uns, sobald wir neugeboren wiederverkörpert und von unseren Eltern daraufhin trainiert werden.

Diese Glaubensüberzeugungen, die unsere Alltagsrealität nun bestimmen und entsprechend wahrnehmen lassen, können nur dann wieder eingerissen werden, wenn man sich daran erinnert, was das Pirschen überhaupt ist und es wieder erlernt. Erst durch diese Kunst kann man seine Realität derart erschüttern, dass man sich für andere Welten öffnen kann. Diese Kunst erlernt man aber nicht, indem man theoretisch begreift, womit man es zu tun hat, sondern sie muss unmittelbar und praktisch angewendet und begriffen werden. Anders funktioniert es leider nicht. Nun, aus diesem Grund habe ich diese Reihe nun „Träumen und Pirschen“ genannt, denn nichts anderes sind die Mittel, um diese Welt zu verlassen und die Ganzheit des Selbst und somit die Freiheit zu erreichen.

„Dies hier ist nun dein Zimmer“, meinte Elias. „Es liegt im Norden des Hauses und ist eines der schönsten, kann ich nur sagen. Du kannst jederzeit herkommen und hier leben. Für einen Tag, eine Woche oder so lange du eben möchtest.“

Ich stand nun in der offenen Tür und schaute hinein. Rechts stand ein großes Doppelbett aus stabilem Holz. Gegenüber der Tür befand sich das Fenster und auf der rechten Seite ein zweites, vor dem ein großer, langer Sideboard stand. Darauf standen die unterschiedlichsten Gegenstände, wie interessante Holzstäbe, Mineralien, Federn, Kerzen und andere. Nikita hatte sich für dieses liebevolle Arrangement entschieden und gab dem Raum ein indianisch-schamanistisches Flair. Ich fand es sehr schön und freute mich darauf, die erste Nacht darin zu verbringen…

(Teil 21 folgt in Kürze)

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Ein Kommentar für “Träumen und Pirschen: Ein Zimmer im Osten (Teil 20)”

  1. Elias sagt:

    Die Beschreibung des „Pirschens“ gefällt mir besonders gut!

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