Ein Haus im Osten: Kostenintensive Verarsche (Teil 15)

Spukhaus‚Ein Haus im Osten‘ ist eine Rubrik, in der ich von meinem kürzlichen Umzug nach Ostdeutschland irgendwo in der Pampa, zwischen Leipzig und Zeitz jenseits der Zivilisation, vom Landleben, meinen Erlebnissen in der Umgebung sowie von seltsamen, magischen und spannenden Erfahrungen berichte.

„Wir haben nun Ihre neue Kläranlage eingebaut! Für den Einbau der neuen Kläranlage mussten wir leider die rechte Seite Ihres Gartens aufreißen und ein Abflussrohr und ein Stromkabel verlegen. Wir müssen jetzt nur noch die aufgerissenen Löcher wieder mit Erde zuschütten“, sagte der Bauarbeiter.

„Aha…“, entgegnete ich.

„Wir hoffen, dass das nicht schlimm ist, denn nachdem wir fertig sind, sieht Ihr Garten auf der Seite immer noch aus wie nach einem Bombenangriff…“

„Oh, sie graben meinen Garten kostenlos mit um? Wem habe ich das nur zu verdanken?“, sagte ich.

„Der Staat braucht eben Geld! Darum hat er allen Häusern, die nicht an das Kanalisationssystem der Stadt oder an einer städtischen Kläranlage angeschlossen sind, eine neue Variation einer Kläranlage für die Hausbesitzer auf dem Land vorgesehen. Stellen Sie sich mal die vielen tausenden Hausbesitzer vor, die auf dem Land wohnen und nun für 6.500 Euro eine neue Kläranlage einbauen müssen. Es ist eine so genannte Bio-Anlage.“

„Wenn das eine Bio-Anlage ist, warum ist dann die neue aus Plastik und meine alte aus Stein? Ist dann nicht eher die alte Bio?“, fragte ich nach.

„Da haben Sie Recht! Die ist nicht wirklich Bio… oder besser gesagt, sie wird nur deshalb Bio genannt, weil die Anlage versucht, mithilfe von Bakterien das Abwasser zu säubern und zu zersetzen.“

„Klingt nach einer kostenintensiven Verarsche…“

„Allerdings! Wir sind nur die Firma, die das ausführt. Klar, wir verdienen uns daran ne goldene Nase, aber wir unterliegen ja auch der Pflicht, die einzubauen. Bestimmt wird es dabei nicht bleiben. Der Staat lässt sich da immer neue Sachen einfallen. Jetzt denkt er beispielsweise darüber nach, dass, weil die Landhäuser ja selten an die städtische Kläranlage angeschlossen sind, die einfach den Hausbesitzern berechnen, dass es regnet…“

„Den Regen berechnen? Wie wird das gerechtfertigt? Der Regen ist doch eine natürliche Sache“, fragte ich ungläubig.

„Der Regen auf Steine säubert die ja und wenn Sie keinen extra vorgesehenen Abfluss besitzen, der das Regenwasser auffängt, müssen Sie pro Quadratmeter eine Gebühr bezahlen. Wenn Sie also vielleicht einen asphaltierten Vorplatz mit 200 m² haben, dann können Sie jährlich vielleicht pro m² 30 Cent oder so bezahlen. So bezahlt man den Staat dafür, dass er es regnen lässt und ihren Vorplatz säubert und Sie natürlich das Grundwasser beschmutzen. Die Luft, die Sie atmen, wird er bald auch noch bezahlt haben wollen…“

„Wie kann der Staat das denn rechtfertigen? Er erschafft nicht nur den Regen, der alles säubert, sondern auch noch den Sauerstoff in der Welt?“, fragte ein anderer Bauarbeiter, der vermutlich noch nicht lange eingestellt war.

„Schau mal, das mit dem CO²-Ausstoß ist doch schon alles im Gange. Von wegen Klimaerwärmung und so einen Quatsch! Es geht nur darum, den Menschen weiszumachen, dass Sie auch noch für die Luft bezahlen sollen, die sie atmen, um denen dafür auch noch Geld aus der Tasche zu ziehen.“

Während die beiden in ihrer Zigarettenpause weiter zu dem Thema diskutierten, dachte ich darüber nach, wie ich den Garten auf der einen Seite wieder ansehnlich gestalten könnte. Die Bauarbeiter würden zumindest den umgegrabenen Bereich wieder anglätten, sodass ich nur noch mit einer Harke darübergehen und Wiesen- und Blumensamen aussähen könnte. Das war schon mal mein Plan…

In Ermangelung eines Zaunes um den Garten war es ja bereits mein fantastischer Plan gewesen, lauter Trichterwinden und andere Rankpflanzen dieser Art rundum der Gartengrenze in Form von Samen zu pflanzen, damit auf natürliche Weise ein Zaun entsteht. Diese sollten dann optimal zu meiner ungemähten Schmetterlingwiese passen und ein verträumtes Bild ergeben, das das Haus umgibt. Nun ist doch alles ein bisschen anders gelaufen als beabsichtigt…

Die eine Seite des Gartens sieht nun ziemlich schlampig umgegraben aus und wer sich noch erinnern mag, zweidrittel des Gartens ist mit einem langweiligen Maschendraht umzäunt und auf der Seite zum Nachbarn existiert überhaupt kein Zaun. Also fand ich im April einen guten Kompromiss und positionierte an der Grenze überall Samen von Kletterpflanzen. Leider sind nicht alle Samen aufgegangen oder besser gesagt, einen Teil haben die Vögel gefressen, einen weiteren Teil haben die Ameisen einfach verschleppt und irgendwo auf der Wiese abgelegt, sodass nun die halbe Wiese von zwar wunderschönen weißen und rosafarbenen Kletterpflanzen bevölkert ist, aber eben nicht an den Stellen, an denen ich sie ursprünglich haben wollte.

Zumindest hat mein Plan insofern funktioniert, dass eine Unmenge an Schmetterlingen aufgetaucht ist und den Garten nun als wahres Paradies entdeckt haben. Nun gut, Katzen, Vögel, Apfelwickler, Nachtfalter, Hummeln, Bienen usw. sehen das mittlerweile auch so, aber zum Glück in erträglichen Grenzen.

Vielleicht, so ist mir nun der geniale Gedanke gekommen, um auch einmal auf ironische Weise meine mangelhaften Gärtnerkenntnisse zum Ausdruck zu bringen, dass ich besser die Pflanzen in Töpfen oder Blumenkästen hätte vorziehen sollen, um sie bei erfolgreicher Keimung und Wachstum exakt an die Stellen einzubuddeln, an denen ich sie auch gern gesehen hätte. Nun überlegte ich gleichzeitig, ob es möglich wäre, einige der auf der Wiese verirrten Kletterpflanzen auszubuddeln und an den imaginären Zaun einzusetzen. Eine Pflanze in ihrer Lage zu versetzen, klappt jedoch nicht immer, weil sie an ihrem Ort der Einpflanzung nun einmal ihre Wurzeln hat und bei einer solchen Aktion verletzt man diese vielleicht und sie geht ein. Wie es aussieht, finde ich mich wohl so langsam damit ab, in diesem Jahr auf eine traumhafte Hexenblumenkräuterwiese  weitgehend verzichten zu müssen und dies aufs nächste Jahr zu verschieben.

Doch kann ich auch von einigen Erfolgen berichten! Die Samen, die ich am Zaun zur Straße hin eingepflanzt hatte, wurden scheinbar nicht gefressen oder verschleppt – zumindest nicht so viele – und gehen richtig gut auf. Mittlerweile erkenne ich 30-50 cm hohe Winden, die sich den Zaun vorgenommen haben und mit diesem bereits bestens kooperieren. Sie schlängeln sich an ihm hoch und werden mit der Zeit sicherlich aus dem Maschendrahtzaun eine verwachsene Rankenwand zaubern. Bereits jetzt sieht es schon sehr hübsch aus.

Auf der rechten Seite des Gartens, d.h. zur Straße hin, sind unwahrscheinlich viele Ranken aufgegangen und erobern mühelos besagten Zaun.

Dort ist auch noch ein Baumstumpf, der nun ebenso von Ranken umgeben ist und mit ihren schönen, weißen und rosa Blüten sieht dieser Teil richtig märchenhaft aus!

Also kann ich sagen, zwar erst noch im geringen Maße, dass mein Plan, einen kleinen Märchengarten zu schaffen, sehr langsam, aber sicher Formen annimmt. Nun gut, das mag jetzt noch aufgrund der aufgetauchten Schwierigkeiten und meiner Anfängerfehler ein Jährchen dauern, aber der Grundstein ist gelegt. Klar, ich werde noch mehr Samen einsetzen und vermutlich erst vorziehen müssen, um die „Lücken“ des imaginären Zauns zu schließen, aber irgendwann wird es funktionieren… da bin ich doch sicher!

Neben den Schmetterlingen, den vielen Rabenvögeln, die mittlerweile aufgetaucht sind und manchmal auf dem Dach oder im Garten herumsitzen, ist nun auch eine Katze aufgetaucht. Sie ist rotweiß und sehr anhänglich. Sie sitzt dann gern auf meinem Auto und hinterlässt dreckige Pfotenabdrücke oder liegt im überdachten Hauseingang und guckt dumm durch die Haustür, in der Hoffnung, jemand macht auf und lässt sie rein. Einige male konnte ich sie im Garten an einem bestimmten Platz entdecken, den sie als ihren Lieblingsplatz auserkoren hat und dort stets vorzufinden ist.

Manchmal erwische ich sie vor einem Baum, wenn sie nach Schmetterlingen oder Vögeln vergeblich zu jagen versucht oder auch mal im Gras, wenn sie meint, mich beim Kirschenpflücken oder irgendwas anderem heimlich beobachten zu können.

Apropos Kirschen. Der Kirschbaum ist schon sehr alt und die Kirschen sind nicht die größten, aber sie schmecken gut und ich habe schon manche Abwende damit verbracht, sie allesamt aufzufuttern. Ansonsten gibt es noch zwei Apfelbäume und einen Birnenbaum. Nutzpflanzen konnte ich noch keine entdecken.

Im Weiteren war ich auch wieder einige Male bei Nikita und Elias, dem Kriegerpärchen, wie ich sie nenne. Sie arbeiten auf hochspirituelle Weise an ihrer Persönlichkeit und erlernen die Gesetze und Künste der Natur der Psyche zu erkennen und leben weitgehend als Selbstversorger in einem verborgenen Landhaus mit einem riesigen Garten. Die Kirschen, die ich dort probieren durfte, waren die leckersten, die ich jemals gegessen hatte. Sie sind weder gespritzt noch in irgendeiner Form behandelt worden, außerdem sind sie riesig groß, zumindest im Vergleich zu den meinigen. Sie luden mich dann zu einem Feuer ein, das Elias gekonnt und mir zu Ehren entzündete. Doch von dieser Begegnung berichte ich im nächsten Teil.

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8 Antworten für “Ein Haus im Osten: Kostenintensive Verarsche (Teil 15)”

  1. Albert sagt:

    Hallo Jonathan!

    Hat Mister Kalle gekündigt?
    Na ja, so langsam wächst Dir auch der grüne Daumen.
    Die Mietze ist ganz lieb…

    Für den Zaun können Weidenstecklinge gesetzt werden. Die Stecklinge findest Du irgendwo an einem Bachufer. Eine handvoll Weidenruten, ergeben etwa 20 bis 30 Stecklinge a 15 cm. Die Ruten sollten schon holzig sein und Fingerdick.
    Hier eine genauere Vorgehensweise:

    Weiden-Stecklinge für den Zaun

    http://www.hausgarten.net/gartenpflege/pflanzenschnitt/weidenstecklinge-schneiden.html

    Jetzt schon gesetzt, hast Du nächstes Jahr einen Natur-Zaun. Wenn kein Regen, immer gut gissen!
    LG Albert

  2. Mala sagt:

    …..dass was ich sehe ist wunderschön…*grüner Daumen hoch* und erst die Katze, ein Gesichtsausdruck ,der es mir angetan hat.
    Beim deinem Kirschenessen, lief mir das Wasser im Munde zusammen…schmecken wirklich seerh gut…
    ….und das mit der Kläranlage etc. ist schon kurios..was es so alles gibt ;-)….

    LG
    Mala

  3. Corvin sagt:

    Eine angenehme Zerstreuung zu den tiefgreifenderen Themenbereichen.

    Vor allem bin ich aber von die wiedergegebenen Gespräch der Bauarbeiter fasziniert.
    Das wirkt ja beinahe unwirklich wie systemkritisch und reflektiert mittlerweile selbst die Menschen sind, die praktisch ganz unten als ausführende Organe an solchem Mumpitz direkt als erste verdienen.

    Lieben Gruß
    Corvin

  4. Jonathan Jonathan sagt:

    Hallo Albert,
    danke für den Tipp. :-)
    Meinst Du die normale Weide (Salix)?
    Liebe Grüße, Jonathan

  5. Albert sagt:

    Hallo Jonathan,
    richtig, die Salix alba, normale Weide.
    Da gibts noch mehr Info+ Bilder zum Weidenzaun.
    Du kannst auch die ganze Weidenrute 15-20 cm tief
    einsetzen und mit Erde einscharen. Bis sich in 2-3
    Monaten der Wurzelballen bildet-immer GUT+VIEL jeden Tag (fast) gissen. Mit ein Paar Pfählen gibst Du dem Ganzen mehr Halt. Aber schau Dir bitte auch diese Seite an (ist mit Bilder):

    Weidenzaun » http://www.cb-tg.de

    Alles Liebe,
    Albert

  6. joern sagt:

    und die Samen der Winden ergeben einen kräftigenden Traumzeit-Tee.

  7. Jonathan Jonathan sagt:

    Hallo Jörn,
    danke für Deinen Kommentar. Das habe ich bereits vermutet. ;-)
    Liebe Grüße, Jonathan

  8. mila sagt:

    Hallo Jona,

    Kletterhortensien sind auch Klasse, Du setzst einfach ein paar Stöcker und lässt sie daran hochwachsen, sie blühen fast das ganze Jahr und wachsen auch sehr dicht. Was auch geht ist Knöterich, der wächst aber wie der Teufel und ist dann schwer in den Griff zu bekommen ;) Kletterhortensienableger ham wa hier im Jarten, also falls Du mal in der Nähe bist…

    LG J

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