Ein Haus im Osten: Der Elfenpfad (Teil 13)

Spukhaus‚Ein Haus im Osten‘ ist eine Rubrik, in der ich von meinem kürzlichen Umzug nach Ostdeutschland irgendwo in der Pampa, zwischen Leipzig und Zeitz jenseits der Zivilisation, vom Landleben, meinen Erlebnissen in der Umgebung sowie von seltsamen, magischen und spannenden Erfahrungen berichte.

„Hier, ich gebe Ihnen mal 20 Liter Gift, dann können Sie die Weinstöcke in Ihrem Garten ein paar Mal einspritzen“, erklärte der Weinbauer trocken.

„Nein, danke. Ich möchte kein Gift“, erwiderte ich.

„Ich mache das seit über 20 Jahren, ich weiß, wie man da vorgehen muss.“

„Nein, nein, hier kommt mir kein Gift ins Haus… äh, ans Haus oder drumrum.“

„Aber dann bringen die Reben doch keine Trauben…“

„Nicht schlimm… Sollten die Rebstöcke keine Trauben bringen, dann ist mir das lieber als Gift herumzuspritzen. Außerdem haben die dann immer noch einen dekorativen Wert.“

„Ja gut, wenn Sie das nicht anders wollen… Vielleicht haben Sie ja Glück und es kommen trotzdem Trauben. Das könnte bei der Sorte der Fall sein…“

Ach plötzlich? Sicherlich kommen welche,  dachte ich, aber sprach den Satz nicht aus.

Wenn man sich eine längere Zeit im Garten aufhält, gelangt man mit der Zeit zu gewissen Erkenntnissen, die sich zwar nicht wie eine Erleuchtung, sondern vielmehr wie eine kleine Einsicht äußern. Solche sind z.B. dass Hummeln tatsächlich fliegen können, obwohl es rein physikalisch gar nicht möglich sein dürfte. Ich kann jedoch versichern, Hummeln können fliegen – vor allem, wenn diese im Sturzflug gegen die Stirn knallen, dann bleibt dies ebenfalls eine Weile als deutliche Einsicht erhalten. Und ich kann versichern: Es gibt definitiv mehr Ameisen als Menschen auf der Welt! Allein im Garten konnte ich beim Erstellen einer Bepflanzungsschneise ca. 423000 Stück entdecken. Ebenso die Einsicht, dass Maulwürfe nicht die Wiese kaputtmachen oder den „Gärtner“ ärgern wollen, sondern pünktlich zum Frühlingsanfang den Boden auflockern, damit dieser atmen kann und bereit ist für neue Samen. Selbst „Ungeziefer“ und „Schädlinge“, wie man sie in Fachkreisen nennt, sind gar keine, sondern dazu da, die Pflanzen zu beschützen und nicht, um sie zu zerstören. Es mögen manche darunter sein, die dann gern mal in die Blätter beißen, aber diese ziehen wiederum andere Insekten und Tiere an, die diese dann wiederum verspeisen. Auch Wespennester sind ein weiterführendes Beispiel. Diese schwarzgelbgestreiften trägen Flieger sind wie eine Ungeziefervertilgungsmaschinerie und futtern gern mal ein Kilo Ungeziefer täglich. Offenbar hat sich der Schöpfer bei allem etwas gedacht und die Natur arbeitet mit sämtlichen Tieren zusammen. Die Natur hat keinen Wettbewerb und Kampf zwischen Flora und Fauna erschaffen, sondern ein endloses und ewiges Miteinander. Andernfalls hätte die Natur nicht seit Millionen von Jahren erfolgreich überlebt. Klar, der Schöpfer konnte ja nicht ahnen, dass es Menschen gibt, die ihre Wiese dermaßen kurz schneiden möchten, dass daraufhin sein Maulwurf das einheitliche Bild stört, aber überlässt man eine Wiese sich selbst, und hilft noch ein bisschen mit farbenfrohen Blumen nach, dann wird sie wunderschön und magisch. Naja, zumindest in meiner Vorstellung… denn bisher sind die eingepflanzten Zusatzkräfte noch nicht geschlüpft – obwohl ich sie entgegen meines fehlenden grünen Daumens täglich gieße… oder alle zwei Tage zumindest. Manchmal überkommen mich dann doch Zweifel, ob da noch was passiert, aber es kann ja auch zwei Wochen dauern, bis die eingepflanzten Samenkörner aufbrechen und sich die frisch geschlüpften Stielchen durch das Erdreich bohren und ihre Köpfchen staunend in die Welt hinausstrecken.

Genug der Gärtnergeschichten und Gedanken über die von obskuren Firmen beabsichtigten Verwirrungen der Gärtner und Bauern, damit diese Gelder für nutzlose Gifte ausgeben, in dem Glauben, sie könnten auf lange Sicht ihre Erträge erhöhen. Dabei hat die Natur doch an alles gedacht… Es gibt nur eine Spezies auf diesem Planeten, die glaubt, sie wäre der Millionen Jahre alten Natur überlegen: Der Mensch – aber auch das gehört sicherlich zum großen Plan…

Ansonsten bin ich noch viel herumgefahren und habe wieder viele Fotos von der Gegend gemacht. Als ich noch in Freiburg wohnte, musste man nur ein paar Kilometer fahren, um an besondere Orte zu kommen. Das war sicherlich ein kleiner Vorteil… Der Wilde Osten hingegen verlangt dann schon ein paar mehr Kilometer abzuleisten. So bin ich auf den Rat eines treuen Lesers meines Blogs zu einer Burg in der Nähe gefahren. Nennt sich Schloss Goseck, liegt bei Naumburg und mit dem Auto ungefähr 30-40 Minuten entfernt. Was soll ich sagen? Eine unglaublich wunderschöne und märchenhafte Umgebung! Allein das kleine Schloss sieht wie einem Märchen entnommen aus und ein kraftvoller Baum ziert den Vorplatz. Dieser Baum besitzt sogar einen kleinen Elfenkreis davor, der aus Gänseblümchen und Löwenzahn besteht. Er ist auffällig rund und lockt die Kinder an.

Nahe dem Schloss gibt es einen Zugang zu einem Pfad, der durch einen zauberhaften Wald führt, der sicherlich von Elfen und Feen gehegt und gepflegt wird. Da bekam er dann von mir gleich die Bezeichnung Elfenpfad. Ein sehr energetischer und erholsamer Weg. Wenn man diesen so eineinhalb Kilometer entlanggeht, gelangt man zu einer alten astronomischen Anlage, die aus hunderten von aufgesteckten Holzpfählen besteht, die im perfekten Kreis angeordnet sind und an bestimmten Stellen Öffnungen aufweisen, durch die die Sonne zu bestimmten Zeiten hindurchlinst. Diese Anlage ist schätzungsweise über 7000 Jahre alt und weist eine interessante Energie auf. Leider konnte ich mich an diesem Tage nicht großartig darauf einlassen, da zu viele Leute dort herumliefen.

Ich habe dann gleich einige Fotos zusammengestellt, damit man sich das alles besser vorstellen kann. Bilder sagen ja oft mehr als tausend Worte – heißt es doch so schön…

Burgplatz:

Schloss Goseck

Elfenpfad:

Immer noch Elfenpfad…

Gelegentliche Aussicht:

7000 Jahre alte Anlage aus der Entfernung:

Sonnenobservatorium Goseck

…und von innen:

Und weiter entdeckte ich auf meinen kleinen Ausflügen einen magischen Baum, der an einem unscheinbaren Platz zu stehen schien. Ich konnte also nicht umhin, zu versuchen, diesen verträumten Moment einzufangen. Ich hoffe, es ist gelungen:

So wird sich zeigen, welch bezaubernde Orte sich mir noch in naher Zukunft eröffnen werden…

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3 Antworten für “Ein Haus im Osten: Der Elfenpfad (Teil 13)”

  1. Prot sagt:

    wunderschön

  2. Albert sagt:

    …“ meines fehlenden grünen Daumens „…

    Lieber Jonathan, für Deinen magischen Garten sind
    ein Paar GRÜNE Handschuhe ausreichend. Es sei denn
    Du überlässt die fachmännischen Arbeiten dem Kalle.

    Viel Interessantes zeigen Deine Fotos immer! LG

  3. Jonathan Jonathan sagt:

    Hallo Albert,
    danke für Deinen Kommentar.
    Das ist eine gute Idee! Grüne Handschuhe werden den Pflanzen Glauben machen, dass ich einen grünen Daumen habe und schon werden sie wild sprießen und wachsen. :-)
    Liebe Grüße, Jonathan

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