Ein Haus im Osten: Der magische Kick (Teil 12)

Spukhaus‚Ein Haus im Osten‘ ist eine Rubrik, in der ich von meinem kürzlichen Umzug nach Ostdeutschland irgendwo in der Pampa, zwischen Leipzig und Zeitz jenseits der Zivilisation, vom Landleben, meinen Erlebnissen in der Umgebung sowie von seltsamen, magischen und spannenden Erfahrungen berichte.

Das Landleben ist zwar auf den ersten Blick recht lang und weilig, aber wenn man durch den Garten geht, all die Vögel, Marienkäfer, Bienen, Hummeln sowie ein Heer an Löwenzahn, Gänseblümchen erblickt und die süßen kleinen Veilchen, welche gekonnt die moosbewachsene Wiese verzieren, die blühenden Obstbäume sieht und den warmen Frühlingswind auf der Haut spürt, dann ist das Wissen über die Abgeschiedenheit von der Zivilisation ein gelungener Akt und man vermisst nichts.

Jetzt, nachdem das Haus so gut wie renoviert ist, kann man sich auch nebenher schon mal Gedanken um den Garten machen. Dafür dann gleich mal für einen Hunderter Guerilla-Bomben und Blumensamen für Glockenreben, grüne Rosen, Trichterwinden, Duftwicken, echte Pfefferminze, Prunkbohnen, Kapuzinerkresse, Sonnenblume, Goldblume, Kornblume, Schmuckkörbchen, Sonnenhut, Mandelröschen, Leimkraut, Rittersporn, Hundszunge, Goldlack, Flachs, Sommeraster, Sommerazalee, Wunderblume, Löwenmäulchen, Schleifenblumen, Sonnenflügel, Trichtermalve, Fuchsschwanz, Flockenblume, Blauer und Roter Lein, Pechnelke, Samt-Skobiose, Sternenglimmer, Mädchenauge, Glockenrebe, Trichtermalve und Mauretanische Malve eingekauft.

Darunter befinden sich auch einige Ranken, welche die nicht vorhandenen Zäune ersetzen sollen. Hierzu, so dachte ich mir, werde ich einige Holzpfähle entlang der Grundstücksgrenze aufstellen und diese mit gezogenen Drähten untereinander verbinden. Es wird sicherlich noch eine Weile dauern, aber irgendwann werden sich die Ranken ihren Weg gesucht und einen natürlichen Zaun geschaffen haben. Ob das alles so klappt, wie ich mir das vorstelle, kann ich noch nicht sagen, aber theoretisch dürfte es ja funktionieren. Alternativ ist mir noch Bambus als hübsche dekorativer Zaun bzw. Sichtschutz in den Sinn gelangt, aber vielleicht fallen mir auch noch Alternativen ein.

Doch irgendwie fehlt da noch was! Das sind zwar alles schöne bunt-blühende Blumen, damit aus der erwünschten Schmetterlingswiese auch bald mal etwas wird, aber es fehlt noch der magische Kick! Was kann dem Garten nun die richtige magische Atmosphäre verleihen…? Glücklicherweise gibt es noch ein paar Menschen, die das Flüstern der Naturwesen verstehen… Was flüstern sie denn? Ah, jetzt höre ich es schon wieder ganz deutlich: „Pflanze Magie in Deinen Garten…!“

Hm… okay… das kann doch nur eines bedeuten: Hexenkräuter! Aus denen man Flugsalben erstellen oder einfach nur seinen persönlichen Beitrag dazu leisten kann, die über Jahrhunderte systematisch ausgerotteten Nachtschattengewächse wieder systematisch in die Natur zurück zu befördern. So solle doch aus diesem bunten Meer an Blüten und Schmetterlingen auch ein wenig die dunkle Seite der Natur zum Vorschein gelangen. Also habe ich nicht lang gezögert und der reichen Blumensamenbestellung noch Engelstrompeten und magisches Silberkraut hinzugefügt, aber auch Fingerhut – und nicht zu vergessen: Schwarzes Bilsenkraut. Was sicherlich ebenso nicht fehlen darf, ist die legendäre mystisch-schöne schwarze Frau… richtig, man nennt sie auch Tollkirsche. Diese umrahme ich dann zum Abschluss noch mit einigen schwarzen Rosen. Ja, ich denke dies rundet den schönen Garten sicherlich hervorragend ab.

Wer sieht denn heutzutage noch solch schönen Nachtschattengewächse in der freien Natur, außer in einem Botanischen Garten? Leider sind diese hochmagischen Pflanzen, wie einst die Hexen, gejagt und beseitigt worden. Sicherlich sind sie ebenso schön wie Rosen, Trichterwinden oder Rittersporn und es umgibt sie eine magische Aura, die sich deutlich über die Umgebung hinaus ausbreiten kann. Allein die verzaubernde Aura der Tollkirsche mit ihren schwarzen Kirschen, die auf einem grünen Pentagramm ruhen und unschuldige Kinder anlocken, damit diese davon naschen und kurz darauf von alten Hexen und leckeren Knusperhäuschen oder von gigantischen Zauberbohnen träumen mögen, die Ranken bis in den Himmel schlagen…

Bilsenkraut beispielsweise ist auch hübsch anzusehen, seine gelblich-weißen Blüten mit lilafarbenem Stempel und Blütenbett oder der bezaubernde Fingerhut mit seinen lilanen Glockenblüten, die reihenweise am Pflanzenstil herabhängen und sicheren Unterschlupf für kleine Feen bieten können, aber auch die weißblühende fünfräderige Engelstrompete mit ihren stacheligen grünen Äpfeln. Auch nicht zu verachten ist das Silberkraut (s. auch hawaianische Holzrose oder Elefantenwinde) mit ihren zauberhaften helllilanen Blüten, die bis zu 10 Meter weit ihre Ranken auswirft und in höchster Reife braune große Samenkörner hervorbringt, dessen Verzehr psychedelische Zustände auslösen kann. Irgendwie scheinen  Pflanzen mit fünf Blättern, Blütenteilen oder Fruchtbett usw. aufgrund ihrer Ähnlichkeit zu einem Pentagramm eine ebenso interessante Wirkung zu besitzen, falls man diese denn zu sich nähme. Ebenso interessant finde ich, dass die Tollkirsche im September gepflanzt werden muss, damit sie den ganzen Winter über friert, nur, um danach im nächsten Frühling heranwachsen zu können. Da bin ich sehr gespannt, ob ich das überhaupt hinbekomme. Ich bin jetzt nicht die Person, der man gern den Orden des grünen Fingers verabreichen wollte.

Eine Zauberbohne habe ich bisher jedoch noch nirgendwo entdecken können. Sicherlich wäre mit einer Ranke von ca. 20 Metern Durchmesser, die bis hoch in den Himmel und über die Wolken hinausragt, der Garten um ein Vielfaches aufregender geworden, aber wer weiß, vielleicht kommt mal ein Händler vorbei und verkauft mir eine solche. Solange muss wohl noch die Elefantenwinde herhalten.

Gewiss fehlen auch noch weitere Hexenkräuter, wie die sagenumwobene Alraune oder Schierling, Rauschminze, Gelber Jasmin und Wahrsagesalbei, aber man muss es jetzt auch nicht übertreiben. Die gängigen Hexenkräuter sollen ausreichen.

Natürlich gibt es immer wieder Überraschungen, wenn man an einem Haus arbeitet. Es flattern plötzlich Rechnungen hinein, mit denen man nicht gerechnet hat. Da muss der Strom aktualisiert und Abwasseranlagen neu installiert werden, die Heizungsanlage spinnt plötzlich herum und Warmwasser macht Pause, Grundstücksteuer oder andere unverhoffte Begebenheiten.

Die Obstbäume blühen auch schon und ich bin noch immer gespannt, ob ein Kirschbaum dabei ist. Zumindest scheint mir einer davon nach einem Süßkirschbaum auszusehen. Apfelbäume gegen blauem Himmel im Frühling sind doch immer schön anzusehen:

Natürlich könnte ich jetzt noch weitere schöne Fotos vom Garten machen, so, wie auch einige bereits sehnsüchtig danach gefragt haben, aber dieser sieht ja noch nicht so hübsch aus. Die werden dann auf jeden Fall später mal folgen. Solange vertröste ich die Leser, die diese Reihe über das Haus im Wilden Osten interessiert, noch mit einigen anderen Fotos…

Hier war ich in Gera, einer großen Stadt in Thüringen. Die Innenstadt ist ganz süß aufgemacht, aber der Botanische Garten ist nicht so berauschend und ziemlich klein. Das Schloss fotografierte ich deshalb, weil es mich von Farbe und Aufbau des Geländes her ein wenig an das aus Münster erinnerte:

Aber man sieht auch hier, die Bäume sind noch kahl; wirkt nicht allzu fotogen.

Dann war ich noch in Leipzig auf einer kleinen mittelalterlichen Ausstellung mit vielen Ständen, an denen es diverse Kleider, Waffen, Schuhe, Amulette, Tonwaren, Leder, Figuren, Nahrung u.v.m. gab. Sogar eine Schreiberstube, die wahrscheinlich auch gleichzeitig eine Zwergenhütte zu sein schien:

Sehr schön fand ich auch diese Elfenuhr…

…aber mit Uhren habe ich es nicht so. Man kann sich nicht auf sie verlassen und lügen dauernd. Dabei ist Zeit doch so relativ. Dann kam ein Mann auf mich zugestürmt und schaute auf meine Kamera. Er meinte, dass er einen Profifotograf sofort erkennen würde und ich solle doch unbedingt ein paar Fotos von seinem Stand machen. Er und sein Weibsvolk schnitzen gerade an irgendwelchen Holzutensilien herum. Natürlich habe ich ihm gratis eine kleine Fotosession geliefert, aber leider habe ich seine Visitenkarte verbummelt. Vielleicht finde ich sie ja bald mal wieder…

Zu den seltsamen Erlebnissen dieser Tage im Zusammenhang mit dem Haus gibt es nicht viel zu berichten. Bis auf den Geist, den ich fotografiert habe (s. „Geist fotografiert) und hier manchmal ums Haus zieht sowie einige hübsche bunte Orbs, hält es sich mit den paranormalen Ereignissen gegenwärtig im Zaum. Auch die seltsame Musik und das Flüstern, wie bereits berichtet, sind nicht wieder zu vernehmen gewesen. Da jetzt der größte Teil am Haus geschafft ist, kann ich mich auch bald mal darum intensiver kümmern, die Gegend besser kennenzulernen.

 

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Ein Kommentar für “Ein Haus im Osten: Der magische Kick (Teil 12)”

  1. Albert sagt:

    Hallo Jonathan!
    Bei Deinem Bericht freut sich der Gärtner in mir
    um so mehr auf den Frühling.
    Meister-Gärtner Kalle hat jetzt so richtig zu tun.
    Auf einen wunderbaren Magie-Garten also! LG.

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